APA - Austria Presse Agentur

Italien bekommt erstes Sputnik-V-Werk in Europa

09. März 2021 · Lesedauer 2 min

Die erste Produktionsstätte in Europa für den russischen Impfstoff Sputnik V kommt nach Italien.

In Italien ist noch vor der EU-Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V der Bau der ersten europäischen Produktionsstätte des Vakzins geplant. Der russische Staatsfonds RDIF und der Schweizer Pharmakonzern Adienne würden die Fabrik errichten, teilte die italienisch-russische Handelskammer mit. Die italienischen Aufsichtsbehörden müssten dem Vorhaben noch zustimmen.

Wissenschafter bescheinigen dem russischen Impfstoff eine Wirksamkeit von fast 92 Prozent. Damit ist die Effektivität vergleichbar mit bereits in der EU zugelassenen Vakzinen. Nach Angaben der italienische-russischen Handelskammer ist geplant, im Juni die Produktion zu starten und bis Jahresende zehn Millionen Impfeinheiten herzustellen. Handelskammer-Chef Vincenzo Trani nannte das Abkommen historisch und Beleg dafür, dass italienische Unternehmen über politischen Differenzen stehen würden.

Zulassung läuft noch

Das Zulassungsverfahren für Sputnik V bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA läuft noch. Italien ist das vierte EU-Land, das diesen Prozess nicht abwarten will. In Ungarn, der Slowakei und Tschechien ist Sputnik V bereits zugelassen oder es laufen nationale Zulassungsverfahren. Auch Österreich hatte zuletzt mehrere Kontakte mit Russland, bei denen es um eine mögliche Lieferung des russischen Corona-Impfstoffs und eine etwaige Produktion in Österreich ging. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte dabei aber wiederholt betont, dass eine Zulassung durch die EMA Voraussetzung für Lieferungen nach Österreich sei.

Sputnik-Vermarkter attackiert AGES-Vertreterin

Die Vermarkter des russischen Impfstoffs Sputnik-V fordern eine Entschuldigung von der AGES-Abteilungsleiterin Christa Wirthumer-Hoche. Die Chemikerin, die als Vertreterin Österreichs Vorsitzende des Verwaltungsrats der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ist, hatte am Sonntag in der ORF-Sendung "Im Zentrum" vor Sputnik-V-Notfallzulassungen gewarnt und diese mit "russischem Roulette" verglichen. Der Vergleich sorgte offenbar für Unmut bei dem Impfstoffhersteller.

"Wir fordern von Christa Wirthumer-Hoche von der EMA eine öffentliche Entschuldigung für ihre negativen Kommentare zur Direktzulassung von Sputnik-V durch einzelne EU-Staaten", schrieben die Verantwortlichen des Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RFPI) in der Nacht auf am Dienstag auf Twitter. Wirthumer-Hoches Kommentare würden zu ernsten Fragen in Bezug auf eine mögliche politische Einmischung in das laufende EMA-Prüfverfahren führen, hieß es.

Die Kommentare seien unangemessen und würden die Glaubwürdigkeit der EMA und ihres Prüfverfahren untergraben, kritisierten die Russen. "Solche Statements habe die EMA in Bezug auf keinen anderen Impfstoff zugelassen", polterten die Vermarkter. Als Mitglied des EMA-Verwaltungsrats ist Wirthumer-Hoche freilich keine Person, die etwaige Anordnungen der Agentur selbst ausführen müsste.

Quelle: Agenturen