Israels Botschafter in Wien: Nehmen Iran-Drohungen ernst
Der Iran habe mithilfe von Stellvertreterorganisationen bereits 1992 die israelische Botschaft in Argentinien angegriffen, erinnerte Roet. Bei dem Anschlag wurde das Botschaftsgebäude in Buenos Aires zerstört und 29 Menschen starben. Australien habe unlängst seine Botschaft nach Hinweisen auf Angriffe auf jüdische Ziele geschlossen. "Wenn das also in Australien passiert, warum sollten wir dann annehmen, dass es hier nicht passieren wird? Wir nehmen das sehr ernst". Zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen konnte der Botschafter keine Auskunft geben. Die österreichischen Sicherheitskräfte leisteten "sehr gute Arbeit", sagte er. "Und auch als Gast hier fühle ich mich sehr sicher."
"Das Ziel des Krieges mit dem Iran oder der Operation gegen den Iran ist aus israelischer Sicht eigentlich sehr, sehr klar: Sie dürfen keine nuklearen Fähigkeiten besitzen. Sie dürfen Israel und die Welt nicht mit ihren nuklearen Fähigkeiten bedrohen. Sie sollten auch Israel und die Welt nicht mit Tausenden von Raketen bedrohen, die jeweils eine halbe Tonne wiegen."
Ein Regimewechsel sei nicht das primäre Ziel. "Sie (die Iraner und Iranerinnen, Anm.) müssen selbst entscheiden, wer sie regieren soll. Wir hoffen, dass sich ihnen bald die Gelegenheit dazu bietet, aber ich glaube nicht, dass Israel den Iranern vorschreiben sollte, wer sie führen soll", erklärte Roet nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei und der israelischen Drohung, auch dessen Nachfolger töten zu wollen.
Israel und die USA hoffen nach Angaben des Botschafters, dass eine Situation eintrete, die es den Iranern ermöglichen werde, sich zu erheben und zu versuchen, ihr Land zurückzugewinnen. Roet: "Seit 47 Jahren werden sie unterdrückt. Frauen werden unterdrückt. Menschen wurden inhaftiert. Sie hatten keine Freiheit. Sie wurden getötet. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passieren wird, wenn endlich die Gefängnisse im Iran geöffnet werden und man sieht und hört, was mit dem iranischen Volk geschehen ist."
Botschafter vereist auf Hamas-Waffenlager in Österreich
Er verstehe die Sorgen in Österreich um höhere Spritpreise, vor neuen Flüchtlingsbewegungen und Urlaubsschrecken. Auch 20.000 Österreicher, die in Israel leben, würden durch den Krieg leiden. Aber das Problem sei viel größer, meinte der Diplomat. "Die Bedrohung, die der Iran für Israel, für die Vereinigten Staaten, aber auch für Europa darstellt, ist meiner Meinung nach viel größer, und ich hoffe, dass dies nur von sehr kurzer Dauer sein wird."
Auf die Frage, wie lange der Krieg dauern werde, antwortete Roet: "So lange, bis dieses Regime nicht mehr in der Lage ist, Israel zu bedrohen, und wir unsere Ziele erreicht haben. Sie sollten ihre Nachbarn nicht bedrohen. Sie sollten Europa nicht bedrohen". Der Botschafter verwies auf mit dem Iran verbündete Terrororganisationen wie die Hamas, von der unlängst auch in Österreich ein Waffenlager aufgedeckt wurde. Oder die Schiiten-Miliz Hisbollah im Libanon: "Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen dem Libanon und dem Iran: Arme Menschen, die Geiseln einer terroristischen Organisation oder eines terroristischen Regimes sind, müssen nur die Hisbollah zerschlagen, dann gibt es kein Problem mehr."
Die Gefahr eines Flächenbrands sei gegeben und die Iraner hätten seit Jahren darauf hingearbeitet, sagte Roet. "Sie sind nicht rational", wenn sie Nachbarländer, Zypern oder Aserbaidschan angreifen. "Was haben die dem Iran getan?", fragte er. "Wir müssen verstehen, dass dies eine Ideologie ist, mit der man nicht verhandeln kann, die man nicht verstehen kann. Sie wollen keine Kompromisse eingehen. Sie greifen absichtlich Zivilisten an. Das ist ein Kriegsverbrechen."
Israel hege auch seit langem Zweifel an Atomverhandlungen mit dem Iran. "Seit so vielen Jahren führen sie sogenannte Verhandlungen, während sie lügen, betrügen und ein militärisches Atomprogramm entwickeln." Die Iraner hätten "verhandelt, während sie gleichzeitig versucht haben, ihr Atomprogramm unumkehrbar zu machen, indem sie es so tief unter einem Berg versteckt haben, dass selbst amerikanische und israelische Technologie es nicht erreichen kann." Er glaube nicht, dass dies ein Regime sei, mit dem man verhandeln könne, sagte Roet. "Der Iran verdient eine bessere Führung."
(Das Gespräch führte Alexandra Demcisin/APA)
Zusammenfassung
- Der israelische Botschafter in Wien, David Roet, betont, dass Drohungen des Iran gegen israelische Botschaften weltweit sehr ernst genommen werden.
- Roet erinnert an den Anschlag auf die israelische Botschaft in Argentinien im Jahr 1992, bei dem 29 Menschen ums Leben kamen.
- Das erklärte Ziel Israels ist laut dem Botschafter, dass der Iran keine nuklearen Fähigkeiten besitzen und damit weder Israel noch die Welt bedrohen darf.
- Roet sieht die Bedrohung durch den Iran auch für Europa als erheblich an und verweist auf die Entdeckung eines Hamas-Waffenlagers in Österreich.
- Ein Regimewechsel im Iran sei nicht das Ziel Israels, sondern eine Angelegenheit der Iraner selbst, so der Botschafter.
