Israels Armee tötete drei "Terroristen" im Gazastreifen
Seit dem 10. Oktober 2025 gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen der militanten Palästinenser-Organisation Hamas und Israel. Beide Seiten werfen einander jedoch immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Israel pocht auf eine Entwaffnung der Hamas und die Zerstörung des von den Islamisten genutzten Tunnelsystems im Gazastreifen.
Israel kündigte unterdessen die begrenzte Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen für den Personenverkehr an diesem Sonntag an. Die die zuständige, israelische COGAT-Behörde (Coordinator of Government Activities in the Territories) sowie die Armee gaben die bekannt. Die USA hatten auf die Öffnung gedrängt. Sie ist Teil des von Washington vorangetriebenen Gaza-Friedensplans. Die Ein- und Ausreise aus dem Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah wird in Abstimmung mit Ägypten gestattet, hieß es - nach vorheriger Sicherheitsüberprüfung durch Israel und unter Aufsicht der Mission der Europäischen Union (EUBAM Rafah). Es laufe ähnlich dem im Jänner 2025 eingeführten Mechanismus ab.
Die Rückkehr in das während des Gaza-Kriegs Israels gegen die Hamas großflächig zerstörten Küstengebiets ist den Angaben zufolge nur für Palästinenser möglich, die den Gazastreifen während der Kämpfe verlassen haben. Laut COGAT sind dies insgesamt 42.000 Palästinenser. Wie viele Menschen künftig jeden Tag in das Gebiet kommen beziehungsweise es verlassen können, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Der seit fast einem Jahr geschlossene Rafah-Grenzübergang gilt als wichtigstes Tor des Gazastreifens zur Welt. Er ist der einzige Grenzübergang des Gazastreifens, der nicht nach Israel führt. Israels Militär kontrolliert die Gaza-Seite des Übergangs. Hilfslieferungen kommen zunächst weiterhin über andere Grenzübergänge in das Gebiet.
Ganze Kinder-Generation gefährdet
Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF berichtete am Freitag von einer weiterhin "äußerst kritischen" humanitären Lage für Kinder im Gazastreifen. Wenn zuletzt auch in den Bereichen Bildung und psychosoziale Unterstützung Fortschritte erzielt werden konnten: Gewalt, akute Mangelernährung bei rund 100.000 Kindern auch drei Monate nach Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und der militanten Palästinenser-Organisation Hamas, zerstörte Infrastruktur und fehlende sichere Lernorte "gefährden das Überleben und die Zukunft einer ganzen Generation", hieß es in einer Aussendung. Erschwerend hinzu komme der nasse Winter, den 1,3 Millionen Menschen in Zelten oder Kriegsruinen zubringen müssen.
Zumindest sein Bildungsprogramm konnte UNICEF im Gazastreifen deutlich ausweiten. Rund 336.000 Kinder bekommen mittlerweile Zugang zu Bildungsangeboten, nachdem monatelang regulärer Schulunterricht kaum möglich war. Freilich: "Mehr als 90 Prozent der Schulgebäude im Gazastreifen sind beschädigt oder zerstört, rund 60 Prozent der schulpflichtigen Kinder haben derzeit keinen Zugang zu formellem Unterricht." Erstmals seit mehr als zwei Jahren konnten laut UNICEF jüngst wieder größere Mengen an Freizeit- und Lernmaterialien in den Gazastreifen gebracht werden.
Zusammenfassung
- Israels Armee hat im Süden des Gazastreifens drei als "Terroristen" bezeichnete Personen getötet und sucht nach weiteren Verdächtigen, nachdem insgesamt acht Männer aus einem Tunnel bei Rafah kamen.
- Israel öffnet ab Sonntag den Grenzübergang Rafah für rund 42.000 Palästinenser, die während der Kämpfe geflohen sind, wobei die Ein- und Ausreise nach Sicherheitsüberprüfung und in Abstimmung mit Ägypten erfolgen soll.
- UNICEF warnt vor einer "äußerst kritischen" Lage für Kinder im Gazastreifen, da rund 100.000 Kinder akut mangelernährt sind, über 90 Prozent der Schulen beschädigt oder zerstört wurden und 1,3 Millionen Menschen in Zelten oder Ruinen leben.
