APA - Austria Presse Agentur

Israel bombardiert Haus von Hamas-Chef im Gazastreifen - UNO-Sicherheitsrat berät

16. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen hat Israels Luftwaffe dort das Haus des Hamas-Chefs Yahya al-Sinwar beschossen. Insgesamt beschoss die Luftwaffe wieder dutzende Ziele in Gaza. Insgesamt sollen am Sonntag im Gazastreifen 40 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter acht Kinder. Die EU kommt angesichts der Eskalation am Dienstag zu einer Krisensitzung zusammen.

Die israelische Armee teilte mit, dass die zivilen Opfer der Bombardements am Sonntag "unbeabsichtigt" gewesen seien. Ägypten öffnete am Sonntag den Grenzübergang Rafah zu Gazastreifen, um verletzten Palästinensern den Transport in Krankenhäuser zu ermöglichen. Eigentlich war die Grenzöffnung erst für Montag geplant gewesen, hieß es aus Kairo.

Insgesamt sind seit Beginn des Konflikts in der vergangenen Woche bereits 188 Menschen im Gazastreifen ums Leben gekommen seien, darunter 55 Kinder. 1230 Palästinenser seien verletzt worden. In Israel kamen durch Raketenbeschuss militanter Palästinenser bisher zehn Menschen ums Leben, 282 wurden verletzt. Seit Wochenbeginn wurden rund 3.000 Raketen in Richtung Israel abgefeuert.

Am Dienstag soll bei einer Videokonferenz der EU besprochen werden, wie "die EU am besten zu einem Ende der derzeitigen Gewalt beitragen" könne, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell auf Twitter mit. Die Zahl der zivilen Opfer durch die gegenseitigen Angriffe bezeichnete er als "inakzeptabel".

Teilnehmer: USA bremst bei UNO-Erklärung

Die UNO, die USA und die EU riefen angesichts der steigenden Opferzahlen dringend zur Deeskalation auf. Am Sonntagvormittag (Ortszeit) beriet der UNO-Sicherheitsrat bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Tage in einer Sondersitzung. Bei den vorherigen Beratungen hatte es keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung gegeben. Dies lag Teilnehmern zufolge an den USA, die eine Verurteilung ihres Verbündeten Israel ablehnten.

Haus des Hamas-Chefs unter Beschuss

Ob Hamas-Chef Yahya al-Sinwar bei dem Angriff auf sein Haus getötet wurde, war zunächst unklar. In dem Gebäude in Khan Younis im Süden des Küstengebiets habe sich auch das Büro des Hamas-Chefs befunden, berichteten israelische Medien am Sonntagmorgen. Es habe als "militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hamas" gedient, teilte die israelische Armee mit. Auch das Haus von Sinwars Bruder Mohammed, ebenfalls ein ranghohes Mitglied der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas, sei angegriffen worden. Nach palästinensischen Angaben waren es die bisher schwersten Luftangriffe im Gazastreifen. In der Stadt Gaza wurden nach Augenzeugenberichten fünf Häuser zerstört.

In der Nacht auf Samstag schlug eine Rakete in der Nähe der österreichischen Botschaft ein. "Glücklicherweise sind wir alle in Sicherheit", twitterte Hannah Liko, die österreichische Botschafterin in Tel Aviv, danach. Im Gazastreifen wurde am Samstag  das Medienbüro der nach Medienberichten ein 14-stöckiges Hochhaus im Gazastreifen zerstört, in dem Medienunternehmen wie Associated Press ihre Büros hatten. Berichten zufolge wurden die Bewohner zuvor aufgefordert, das Gebäude zu verlassen.

90 Ziele in 24 Stunden

Nach Angaben der Armee wurden weitere Büros und Häuser wichtiger Hamas-Mitglieder attackiert. Als Teil der fortwährenden Angriffe auf das unterirdische Tunnelnetzwerk der Hamas, der sogenannten Metro, seien 30 weitere Ziele bombardiert worden. Außerdem habe die Luftwaffe Dutzende Waffenlager und Raketenabschussrampen beschossen. Binnen 24 Stunden habe die Luftwaffe 90 Ziele militanter Palästinenser attackiert.

Nach palästinensischen Angaben waren es die bisher schwersten Luftangriffe im Gazastreifen. In der Stadt Gaza wurden nach Augenzeugenberichten fünf Häuser zerstört. Man befürchte viele Tote und Verschüttete unter den Trümmern.

Drohung gezielter Tötung

Israels Militär hatte der Führungsriege der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas zuvor mit gezielter Tötung gedroht. Militante Palästinenser hatten in der Nacht den Großraum Tel Aviv sowie weitere israelische Ortschaften erneut massiv mit Raketen beschossen. Seit Beginn der Eskalation am Montag sind nach Armeeangaben rund 2,900 Raketen auf Israel abgefeuert worden.

Israels Luftwaffe hatte am Samstag bereits das Haus eines anderen ranghohen Führers der Hamas bombardiert. Das Haus von Khalil al-Haya, Vize-Chef des Hamas-Politbüros, habe als "Terror-Infrastruktur" gedient. Die Armee veröffentlichte ein Video des Angriffs. Nach palästinensischen Angaben hielt Haya sich aber zur Zeit des Angriffs nicht in dem Haus auf.

Quelle: Agenturen