Iran: "Journalistin und Frau - zwei unverzeihliche Verbrechen"

07. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Souphie Cheriki kam wegen ihres Frau-Seins und dem Engagement in der "No Hijab"-Bewegung in das Visier der iranischen Sittenpolizei. Im Interview erzählt die 31-Jährige, warum sie aus dem Iran floh.

Souphie Cheriki kam immer wieder in das Visier der Sittenpolizei. "Ich bin Journalistin und eine Frau - zwei unverzeihliche Verbrechen in meiner Heimat". Im Juli traf sie die Entscheidung, ihre Heimat zu verlassen. Leicht viel ihr das nicht. "Niemand verlässt seine Heimat einfach so", so die Journalistin im PULS 24 Interview. 

"Keine Zukunft unter islamischen Regime"

Neu sind die Proteste im Iran nicht, aber diesmal seien sie anders, so Cheriki. "Die junge Generation will keine islamische Republik, sie wollen den Sturz des Regimes". Junge Frauen würden den Kern der Protestbewegung bilden, sie sähen keine Zukunft für sich unter dem islamischen Regime. 

Die Proteste dauern seit mehr als drei Wochen an. Mittlerweile gibt es bereits mehr als 100 weitere Tote. Auch weitere junge Frauen sind in der Haft der Sittenpolizei zu Tode gekommen. Das iranische Regime bestreitet eine Involvierung. 

Tod nach Festnahme wegen "unislamischen Outfit"

In ganz Europa schneiden sich Frauen Haarsträhnen als Zeichen der Solidarität mit der Protestbewegung ab. Der Tod der 22-jährigen Kurdin Jina Mahsa Amini löste die aktuelle Protest-Bewegung aus. Amini starb, nachdem sie von der Sittenpolizei wegen ihres "unislamischen Outfits" festgenommen wurde. 

Die größte Hilfe von außen für die Protestbewegung wäre die Bereitstellung von Internetzugang, sagt Cheriki. Als 2019 von dem iranischen Regime das Internet abgeschaltet wurde, wurden innerhalb von zwei Tagen viele Menschen getötet, sagt sie. Das Regime würde brutaler agieren, wenn es keinen Zugang zum Internet gäbe. Denn über soziale Medien wird Öffentlichkeit hergestellt und Verbrechen weltweit publik gemacht.

Souphie Cheriki hatte seit ihrer Flucht kaum Kontakt mit ihrer Familie. "Es ist sehr hart für mich zu wissen, dass in meiner Heimat Menschen vom Regime verletzt und getötet werden, weil sie protestieren. Deshalb mache ich mir natürlich große Sorgen um meine Familie dort.", so die 31-Jährige gegenüber von PULS 24. 

Franziska SchwarzQuelle: Redaktion / frn