Wechselseitige Angriffe von Israel und Iran
Bisher hat das US-Militär nach eigenen Angaben 17 iranische Schiffe, darunter ein U-Boot, zerstört. Zudem hat es fast 2.000 Ziele im Iran angegriffen, erklärt das US-Zentralkommando. "Heute ist kein einziges iranisches Schiff im Arabischen Golf, in der Straße von Hormus oder im Golf von Oman unterwegs", sagt Zentralkommando-Chef Brad Cooper in einem auf X veröffentlichten Video. Der Iran habe in Vergeltungsangriffen bisher mehr als 500 ballistische Raketen und über 2.000 Drohnen abgefeuert. Weitere Einzelheiten nannte der Militär zunächst nicht.
Iran hatte Israel am Dienstagabend binnen 30 Minuten mit zwei massiven Angriffswellen überzogen. Wie die israelische Polizei erklärte, gingen am späten Dienstagabend Meldungen über herabfallende Trümmerteile von Geschossen im Raum Tel Aviv ein. Polizisten und Bombenentschärfungsexperten seien im Einsatz, um die betroffenen Gebiete zu sichern und abzusperren, teilte die Polizei mit. Nach Angaben von Rettungskräften wurde eine Frau von den Trümmerteilen leicht verletzt.
Wenige Minuten später meldete die israelische Armee eine zweite Raketenwelle aus dem Iran. Im Großraum Tel Aviv und im Zentrum Israels heulten die Luftalarm-Sirenen. AFP-Reporter berichteten von anschließenden Explosionen in Jerusalem. Ein AFP-Journalist in Netanja nördlich von Tel Aviv sah Raketen am Nachthimmel.
Der Iran greift seit Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an. Er reagiert damit auf Angriffe der USA und Israels, die am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen hatten. Bei den US-israelischen Angriffen wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet.
Zwei Raketen auf Katar abgeschossen
Der Iran hat nach Angaben von Katar zwei Raketen auf das Gebiet des Golfstaates abgefeuert. Die Luftabwehrsysteme hätten eine der Raketen erfolgreich abgefangen, teilte das Verteidigungsministerium in Doha am Dienstagabend mit. Eine zweite ballistische Rakete traf demnach den US-Militärstützpunkt al-Udeid, Opfer habe es keine gegeben.
Kuwait teilt außerdem mit, zwei Soldaten des Landes, die am Montag getötet worden seien, seien infolge der iranischen Angriffe auf Kuwait ums Leben gekommen. Darüber seien auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen und der Präsident des UN-Sicherheitsrats informiert worden.
Feuer in Dubai in der Nähe des US-Konsolats
Ein Drohnenangriff hat am Dienstag ein Feuer in der Nähe des US-Konsulats in Dubai ausgelöst. Der Brand konnte nach Angaben der örtlichen Behörden unter Kontrolle gebracht werden. Es habe keine Verletzten gegeben. US-Außenminister Marco Rubio bestätigte den Angriff, der einen Parkplatz neben dem Gebäude getroffen habe. Das Personal sei wohlauf. Der Angriff erfolgte inmitten iranischer Vergeltungsangriffe auf die US-israelischen Attacken auf die Islamische Republik.
Anrainer sprachen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einer lauten Explosion. Ein Anrainer sagte, den Brand gesehen zu haben. Einer AFP-Journalistin vor Ort zufolge wurde ein Sicherheitsbereich in der Umgebung von der Polizei eingerichtet. Zuvor waren Militärflugzeuge über Dubai zu hören.
Die Vereinigten Arabischen Emirate erlitten in den vergangenen Tagen nach Angaben des emiratischen Außenministeriums mehr als 1.000 Angriffe, mehr als alle anderen attackierten Länder zusammen. Dennoch halte das Land an seiner Strategie fest, erklärte das Außenministerium. Die Emirate würden ihre "Verteidigungshaltung" gegenüber den "wiederholten iranischen Angriffen" nicht ändern. Das Land sei "keine Partei in diesem Krieg" und habe die Nutzung seines Hoheitsgebiets, seiner Hoheitsgewässer oder seines Luftraums für Angriffe gegen den Iran nicht gestattet.
Angriff auf US-Botschaft in Riad
Zuvor hatte es einen Angriff auf die US-Botschaft in der saudiarabischen Hauptstadt Riad gegeben. Dort lösten zwei Drohnen einen Brand aus. Die US-Botschaft in Kuwait-Stadt war am Montag von Drohnen angegriffen worden, wie AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA greift der Iran seit Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an.
Türkei kritisiert Vergeltungsangriffe des Iran
Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat die Vergeltungsangriffe des Iran gegen Ziele in den Golfstaaten als Fehler bezeichnet. "Die Bombardierung arabischer Länder durch den Iran ohne jegliche Unterscheidung - Oman, Katar, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien - alle - ist meiner Meinung nach eine unglaublich falsche Strategie", sagte Fidan am Dienstag dem Sender TRT Haber. "Sie erhöht das Risiko in der Region erheblich."
Auch aus der Perspektive des Iran selbst seien die Angriffe auf die arabischen Staaten "eine äußerst fehlgeleitete Strategie". Fidan sagte, die meisten Golfstaaten hätten "tatsächlich sehr hart daran gearbeitet, den Krieg zu verhindern". Diese Länder hätten dem Iran "keinen Schaden zugefügt". "Sie hatten ihren Luftraum nicht für die angreifende Seite geöffnet, sie hatten keine Flugzeuge aus ihrem Hoheitsgebiet starten lassen", sagte er. Die Reaktion des Iran zeige, wie ernst dessen Bedrohungswahrnehmung geworden sei. "Die zugrunde liegende Strategie scheint zu sein: 'Wenn ich untergehe, werde ich die Region mit mir in den Abgrund reißen.'"
Zusammenfassung
- Die israelische Armee startete in der Nacht auf Mittwoch eine breite Welle von Angriffen auf iranische Abschussanlagen, Luftabwehrsysteme und Infrastruktur.
- Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben 17 iranische Schiffe und griff fast 2.000 Ziele im Iran an.
- Der Iran reagierte mit mehr als 500 ballistischen Raketen und über 2.000 Drohnen auf die US-israelischen Angriffe.
- Bei Angriffen auf Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait kam es zu Bränden, Verletzten und mindestens zwei getöteten kuwaitischen Soldaten.
- Der türkische Außenminister bezeichnete die iranischen Angriffe auf arabische Länder als „eine unglaublich falsche Strategie“ und warnte vor einer weiteren Eskalation in der Region.
