APA - Austria Presse Agentur

Internationale Presse: "Falke" Nehammer übernimmt

04. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Die Rochade in der österreichischen Innenpolitik beschäftigt auch die internationale Presse. Karl Nehammer sei ein "Falke" bei Migrationsfragen, der nach dem Verlust von "Wunderkind Kurz" übernehme, schreibt zum Beispiel die italienische Presse.

Statt Sebastian Kurz, Gernot Blümel, Alexander Schallenberg wird Karl Nehammer neuer Kanzler, neuer Bildungsminister wird Martin Polaschek, Schallenberg wird wieder Außenminister. Die Regierungsumbildung schlägt nicht nur in Österreich Wellen. International warf die Presse ein scharfes Auge auf die Entwicklungen in Österreich. 

"La Repubblica" (Rom):

"Nehammer gilt als Falke in zentralen Fragen wie Einwanderung und Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus. In den zentralen Angelegenheiten wie Migration und Sicherheit will Nehammer der Linie der Partei treu bleiben."

"Il Fatto Quotidiano" (Rom):

"Nehammer ist eines der wenigen Mitglieder von Kurz' Team, die ohne Schatten geblieben sind. Sein Name scheint nicht in den Dokumenten auf, die von der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft untersucht werden, die bereits gegen den zurückgetretenen Bundeskanzler Kurz ermittelt. Nun steht Nehammer vor der Aufgabe, eine Partei wiederzubeleben, die ihren jungen Vorsitzenden verloren hat. Er muss dabei vermeiden, dass sie zugunsten der FPÖ an Stimmen verliert."

"Il Manifesto" (Rom):

"Nehammer, der dritte österreichische Kanzler in zwei Monaten, ist ein Hardliner in Sachen Migration und gehört nicht zu Kurz' engem Kreis. Er ist die neue starke Persönlichkeit, auf die die ÖVP setzt, nachdem sie ihr Wunderkind Kurz verloren hat."

"Pravda" (Bratislava):

"Für einen Politiker, in dem die konservative Rechte Europas ihre Zukunft sah, kam dieses Ende unrühmlich und überraschend schnell. Die Karriere von Sebastian Kurz illustriert aber in manchem die Schwächen eines populistischen, persönlichkeitszentrierten Politikstils. Sein Aufstieg war ebenso steil wie sein Fall. Außenminister wurde er 2013 mit nur 27 Jahren. Mit 30 stand er schon an der Spitze der Volkspartei und nützte seine Position zu einem radikalen Umbau der Partei. (...)

Beschwerden über den Verlust der innerparteilichen Demokratie und die Konzentration aller Macht in den Händen des Parteichefs wurden von Wahlerfolgen und hohen Umfragewerten übertönt. (...) Als aber nicht mehr nur die freiheitlichen Koalitionspartner von Korruptionsaffären betroffen waren, sondern der Kanzler selbst, begann die enge Bindung an den Anführer für die Partei zur Belastung zu werden und die Umfragewerte stürzten ab. Offizieller Grund für seinen Rückzug ist die Familie. Die wirklichen Gründe hängen aber wohl mehr mit den Anschuldigungen und dem damit verbundenen innerparteilichen Druck zusammen. Die politische Karriere des Wunderknaben der konservativen europäischen Rechten ist nach acht Jahren zu Ende."

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam