Integrationsbericht: Österreich wächst durch Zuwanderung

22. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Österreich wächst allein durch Zuwanderung, das zeigt der aktuelle Integrationsbericht. Dieser wurde in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP), Katharina Pabel, Vorsitzende des Expertenrats für Integration, sowie Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria, präsentiert.

"Österreich wächst nur durch die Zuwanderung", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor der Statistik Austria, zum aktuellen Integrationsbericht. Seit 2015 ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund kontinuierlich von 21,4 Prozent auf 25,4 Prozent gestiegen. Das sind 2,24 Millionen Menschen. Die größte Gruppe machen dabei Deutsche mit 217.000 Staatsangehörigen aus, gefolgt von 138.000 Rumäninnen und Rumänen. Vervierfacht hat sich wegen des Angriffskrieges Russlands gegen das Land die Zahl der ukrainischen Staatsangehörigen.

Drittgrößte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund (Stichtag: 1. Jänner 2022) in Österreich sind die Serben und Serbinnen (122.000), ihnen folgen 118.000 türkische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Auf Platz fünf liegen 97.000 Menschen aus Bosnien und Herzegowina, gefolgt von 95.000 Kroatinnen und Kroaten und 94.000 Ungarinnen und Ungarn. Mit einigem Abstand folgten 68.000 syrische sowie 66.000 polnische Staatsangehörige.

Zunahme der ukrainischen Staatsbürger

Angesichts von jetzt schon über 30.000 Asylanträgen und 80.000 Registrierungen von Vertriebenen aus der Ukraine sprach Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) bei der Präsentation Montagvormittag von einer "Riesenherausforderung". Man habe aber die Angebote auf allen Sektoren erweitert, so gebe es etwa so viele Sprachkurse wie nie zuvor. Einen Schwerpunkt lege man auch auf den Arbeitsmarkt, wo vor allem Ukrainerinnen angesichts ihrer Ausbildung - 72 Prozent weisen laut einer Studie Hochschulabschlüsse auf - auch eine Art Hoffnungsträger sind.

Damit diese Frauen aber auch tatsächlich arbeiten können, brauche es ein entsprechendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen, wie Katharina Pabel, die Vorsitzende des Integrationsbeirats, betonte. Dazu bedürfe es einer entsprechenden Sprachförderung und auch im Ausland erworbene Qualifikationen müssten rascher anerkannt werden.

Zuwanderung notwendig für Wachstum

Ohne Zuwanderung würde die Einwohnerzahl laut Bevölkerungsprognose langfristig auf das Niveau der 1950er-Jahre zurückfallen, betont die Statistik Austria. Und: Je öfter in Österreich Geborene und Zugewanderte direkten Kontakt haben, desto häufiger berichten sie positiv vom Zusammenleben, betonte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas in einer Aussendung.

Bereits jede vierte Person hat Migrationshintergrund. Besonders stark angestiegen ist seit 2015 die Zahl von Syrern und Afghanen, aber auch von Rumänen, Bulgaren und Ungarn. Herausforderungen bestehen am Arbeitsmarkt und im Gesundheitsbereich, wo Personen mit Migrationshintergrund weniger Vorsorge und Impfungen in Anspruch nehmen.

Aufholbedarf bei Syrern am Arbeitsmarkt

Aufholbedarf sieht Pabel zusätzlich bei jenen Zuwanderergruppen, die am Arbeitsmarkt unterrepräsentiert sind. Besonders stechen hierbei Syrer hervor, wo zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer dem Arbeitsmarkt zwar zur Verfügung stünden, jedoch aktuell nicht beschäftigt seien. Hier bräuchte es gezielte Programme.

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Pabel hob auch die Unterschiede im Zugang zum Gesundheitssektor hervor. So nehmen Migranten Vorsorge-Angebote eher weniger wahr als die Stammbevölkerung, sowohl Zahnärzte als auch beispielsweise Mammographien. Die Covid-Impfquote lag bei Österreichern bei 73 Prozent, bei ausländischen Staatsangehörigen bloß bei 56 Prozent. Dabei zeigen sich freilich deutliche Unterschiede. Iraner ließen sich zu 76 Prozent impfen, Russen und Rumänen dagegen nur zu 37 bzw. 38 Prozent.

Rumänen sind mittlerweile durchaus ein bedeutender Faktor in der österreichischen Gesellschaft. Nach den Deutschen sind sie die zweitgrößte Gruppe ausländischer Staatsbürger, zuletzt gut 140.000 Personen, noch vor den Serben. Das ist ein Anstieg von knapp 89 Prozent seit 2015, wie Tobias Thomas, Chef der Statistik Austria ausführte. Auf Platz acht sind mittlerweile Syrer mit knapp 71.000 Personen. Da es vor dem dortigen Krieg relativ wenige Syrer in Österreich gab, ist der Anstieg seit 2015 mit 507 Prozent besonders hoch. Insgesamt beträgt der Anteil an Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Österreich aktuell 25,4 Prozent.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj, pea