APA - Austria Presse Agentur

"Inside Türkis": Neues Buch über die "Schattenmänner" hinter Kurz

09. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Journalist Klaus Knittelfelder versucht eine Annäherung an "System Kurz" über dessen engste Mitarbeiter.

Bücher über Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gibt es schon eine ganze Reihe. Der Journalist Klaus Knittelfelder versucht es nun andersherum und nähert sich dem selbst erklärten "Rudeltier" über dessen Mitarbeiter. In "Inside Türkis" zeichnet er Porträts der "Schattenmänner" (und weniger Frauen) im Umfeld des ÖVP-Chefs.

"Partie statt Partei"

Knittelfelder entwirft das Bild einer seit Jahren eingespielten Clique, zu der Außenstehende nur noch in Ausnahmefällen dazustoßen können und in der persönliche Loyalität zum Chef mehr zählt als die Bindung zur Partei. "Partie statt Partei" eben, so der Titel des ersten Teils über die acht wichtigsten Player im "Kurz-Zirkel".

Der zweite Teil ist dann sieben politischen Verbündeten gewidmet - von Finanzminister Gernot Blümel bis zu Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Mehr Stoff bietet aber unzweifelhaft der erste Abschnitt. Hier wird das Entstehen des "Systems Kurz" erzählt - in acht Porträts und ausgehend von jener Nacht im April 2011, in der Kurz' Förderer Michael Spindelegger den noch als Partypolitiker ("Geilomobil") verschrienen JVP-Chef zum Integrationsstaatssekretär beförderte.

Zentrale Figuren im türkisen Machtzirkel

Die heute noch zentralen Figuren im türkisen Machtzirkel waren schon damals mit an Bord: Chefstratege Stefan Steiner, der für Marketing und Kampagnen zuständige Philipp Maderthaner und für alles Organisatorische der heutige ÖVP-Generalsekretär Axel Melchior. Und auch Pressechef Gerald Fleischmann dockte damals an, anfangs allerdings nicht ganz freiwillig und nach sanftem Druck des Parteichefs.

So entsteht das Bild eines gut eingespielten, persönlich loyalen Teams, politisch sozialisiert im schwarzen Kernland Niederösterreich - mit entsprechend ausgeprägtem Machtbewusstsein, der Bereitschaft zur kalkulierten Härte und einem erklärten Hauptgegner: der SPÖ. "Wider alle Vorurteile ist das keine ideologiebefreite Buberl-Partie, sondern eine teils erzkonservative Truppe mit politischen Hardlinern", heißt es im Buch.

Corona-Krisenmanagement

Nebenbei erfahren Leser auch einiges über das Corona-Krisenmanagement der ÖVP - etwa die Entscheidung, angesichts des Grünen Widerstands gegen echte Ausgangssperren die Beschränkungen eben etwas schärfer zu kommunizieren, als es die Rechtslage eigentlich hergab. Im Grunde liefert das Buch aber eine in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unterbeleuchtete Erklärung für den bisherigen Erfolg des Bundeskanzlers, nämlich sein im Vergleich zu Vorgängern wie Werner Faymann und Christian Kern stark ausgeprägtes Gespür für Personalentscheidungen. Oder, wie Kurz selbst es im Buch sagt: "Ich will immer Leute um mich haben, die irgendetwas können, wofür ich sie bewundere."

Service: Klaus Knittelfelder: "Inside Türkis. Die neuen Netzwerke der Macht", edition a, 224 Seiten, 22 Euro

Quelle: Agenturen / moe