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Indiens neue Präsidentin Murmu vereidigt

25. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Droupadi Murmu ist als erste Vertreterin einer benachteiligten indigenen Minderheit als neue Präsidentin Indiens vereidigt worden. Es sei für sie eine "enorme Genugtuung", dass Menschen, die "jahrhundertelang benachteiligt waren", sich nun "in mir wiedererkennen", sagte Murmu am Montag, nachdem sie ihren Amtseid vor dem indischen Parlament geleistet hatte. Mit Murmu, die der indigenen Gruppe der Santal angehört, rückt zum zweiten Mal eine Frau an die Staatsspitze.

"Meine Wahl ist Beweis dafür, dass Arme in dem Land Träume haben und sie auch erfüllen können", sagte sie anschließend laut dem örtlichen Fernsehsender NDTV. Als Präsidentin möchte sie sich für das Wohl von marginalisierten Menschen einsetzen, sagte sie. Die Präsidentin hat vor allem repräsentative Aufgaben. Vor ihrer Vereidigung besuchte die im ostindischen Bundesstaat Odisha geborene Murmu ein Denkmal für den indischen Unabhängigkeitshelden Mahatma Gandhi. Murmu war vergangene Woche von 64 Prozent der rund 5.000 Abgeordneten der beiden Parlamentskammern sowie der regionalen Parlamente gewählt worden.

Die 64-jährige Politikerin war zuvor von der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP von Premierminister Narendra Modi nominiert worden. Murmu folgt auf Ram Nath Kovind, der der Dalit-Kaste, der niedrigsten im hinduistischen Kastensystem, angehört. Bevor sie in die Politik wechselte, hatte sie als Lehrerin im östlich gelegenen Bundesstaat Odisha gearbeitet. Zuletzt war sie Gouverneurin des benachbarten Bundesstaates Jharkhand.

Beobachter gehen davon aus, dass Murmus Wahl Premier Modis Basis bei ärmeren indigenen Gemeinschaften stärken und so seine Chancen auf einen Wahlsieg im Jahr 2024 erhöhen wird. Im politischen System Indiens entfällt der größte Teil der Regierungsmacht auf den Premierminister. Die Präsidentin kann bestimmte Gesetzentwürfe aber ans Parlament zurücksenden und hat eine zentrale Rolle bei der Regierungsbildung.

Indigene Menschen machen gut 8,6 Prozent der Bevölkerung Indiens von rund 1,3 Milliarden Menschen aus. Oft sind Indigene arm und marginalisiert - auch wenn unter anderem einige Stellen bei der Regierung für die Volksgruppe vorgemerkt sind. Traditionell wohnen sie in Wäldern oder in der Nähe von Wäldern, wo sie sich als Jäger und Sammler ernähren. Viele sind auch als Landwirte tätig.

Auch der bisherige Präsident gehörte zu einer marginalisierten Gruppe: Ram Nath Kovind ist ein Dalit, also ein Angehöriger der untersten Stufe des Kastenwesens, die früher als "Unberührbare" galten. Die Situation der Dalits hat sich während seiner Präsidentschaft kaum verändert. Dalits erleben viel Diskriminierung.

Quelle: Agenturen