Herbert Neubauer / APA

Im Dezember weniger Arbeitslose als vor Corona-Krise

03. Jan 2022 · Lesedauer 4 min

Im Dezember 2021 sank die Zahl der Arbeitslosen knapp unter Vorkrisenniveau. Nur die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist weiterhin hoch.

Der Arbeitsmarkt hat sich nach fast zwei Jahren scheinbar gegen die Pandemie mit ihren Lockdowns und dem Auf- und Zusperren immunisiert. Das ist freilich auch Corona-Wirtschaftshilfen und der Corona-Kurzarbeit geschuldet. Die Arbeitslosigkeit ist zum Jahreswechsel mit rund 402.000 Menschen ohne Job jedenfalls um rund 5.500 Betroffene geringer ausgefallen als Ende Dezember 2019, noch vor der Coronakrise.

Davon waren 336.276 arbeitslos gemeldet und 66.102 Personen befanden sich in Schulungen. Das ergab eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent, so das Arbeitsministerium am Montag. Verglichen zum Dezember vor einem Jahr sind um rund 119.000 Menschen weniger arbeitslos oder in Schulungen gewesen. Die Langzeitarbeitslosigkeit bleibt eine große Herausforderung und ist höher als vor der Krise.

Die Bilanz der Arbeitslosenzahlen im Dezember zeige, dass im Monatsvergleich weniger Menschen arbeitslos gemeldet sind als vor Beginn der Pandemie, so das Ministerium. Schließlich waren nun Ende Dezember um 5.494 Personen weniger arbeitslos oder in Schulungen als im Dezember 2019 mit 407.872 Betroffenen insgesamt.

Saisonale Effekte spürbar

"Es entspricht dem gewöhnlichen Trend, dass saisonale Effekte zum Jahreswechsel am österreichischen Arbeitsmarkt wirken", meinte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP). Dennoch bewege sich die Arbeitslosigkeit in einem für diese Jahreszeit niedrigeren Ausmaß als in den Vorjahren. Positiv sei auch, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf um rund 130.000 Personen abgenommen habe. "Das zeigt, dass unsere Maßnahmen wirken und die Dynamik am Arbeitsmarkt trotz zeitweiser Einschränkungen, die pandemiebedingt notwendig waren, besser ist als erwartet", so der Politiker.

APA - Austria Presse Agentur

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei Männern und Frauen bewegte sich zum Ende des Vorjahres den Ministeriumsangaben zufolge im üblichen Trend. Die Arbeitslosenquote bei Frauen lag Ende Dezember um 2,3 Prozentpunkte unter jener der Männer. Derzeit sind 133.088 Frauen arbeitslos gemeldet, bei den Männern sind es 203.188 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit sowohl bei Frauen (-31,4 Prozent) als auch bei Männern (- 23,5 Prozent) zu verzeichnen. Ende Dezember 2020 waren 194.006 Frauen arbeitslos gemeldet und 265.676 Männer.

APA - Austria Presse Agentur

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt derzeit bei 32.180 Personen. Sie ist im Vorjahresvergleich um 13.206 Personen gesunken. Kocher führt dies auf Maßnahmen wie ein sogenanntes Jugendcoaching zurück und auf die Tätigkeit einer Taskforce für Jugendbeschäftigung.

Langzeitarbeitslosigkeit "große Herausforderung"

Die Langzeitarbeitslosigkeit bleibt jedenfalls eine "große Herausforderung" am Arbeitsmarkt. Ende Dezember 2021 befanden sich mit 115.743 Langzeitarbeitslosen um 20.877 Personen mehr in Langzeitarbeitslosigkeit als im Vergleichszeitraum 2019, vor der Krise. "Auch im Jahr 2022 liegt daher unser Fokus auf der Reduktion der Langzeitarbeitslosigkeit durch Maßnahmen im Rahmen des Programms Sprungbrett", so Kocher. 2021 habe man bereits einige Erfolge bei der Reduktion erzielt - seit dem Höhepunkt im April mit 148.436 Personen, sei die Zahl der Betroffenen schließlich wieder zurückgegangen.

APA - Austria Presse Agentur

Eine weiteres Problemfeld ist die Gruppe der älteren Arbeitslosen. Insgesamt sind Ende Dezember 110.054 Personen über 50 Jahre beim AMS arbeitslos gemeldet. 2020 lag dieser Wert bei 143.710 Personen, 2019 bei 110.866 Personen. Mit 124.482 Personen, die im Jahresverlauf insgesamt aus der Arbeitslosigkeit wieder in eine Beschäftigung vermittelt wurden, habe es aber auch bei der Vermittlung von älteren Arbeitslosen Fortschritte gegeben.

Zur Kurzarbeit waren im Dezember 176.529 Personen angemeldet. Kocher sprach hier von einem "recht moderaten Ausmaß. Entscheidend wird sein, wie stark die Kurzarbeit nach den Abrechnungen tatsächlich in Anspruch genommen wurde. Es ist jedenfalls zu erwarten, dass die Inanspruchnahme der Kurzarbeit bei weitem nicht das Ausmaß des Vergleichszeitraums 2020 erreichen wird." Zum Jahreswechsel 2020/2021 waren rund 390.000 Personen in Kurzarbeit.

"Der Arbeitsminister 'vergisst' bei seinem Jubel die knapp 180.000 Menschen, die aktuell in Kurzarbeit sind und bei denen niemand eine Garantie abgeben kann, ob diese danach dann auch ihren Job behalten werden können", kritisierte FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch. Das allergrößte Problem sei aber die Langzeitarbeitslosigkeit - und dafür habe die Regierung keine Antwort. "In diesem Bereich gibt es von Minister Kocher nur Ankündigungen, wirksame Schritte sind aber weit und breit keine zu sehen", bedauerte die Oppositionspolitikerin.

Quelle: Agenturen / pea