Ibiza-U-Ausschuss wird nicht verlängert, Grüne stimmen nicht zu

18. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Die Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer bestätigte im "ORF Report", dass die Grünen einer Verlängerung des Ibiza-U-Ausschusses über den Sommer hinaus bis zum Herbst nicht zustimmen werden.

Die Grünen werden der Verlängerung des Ibiza-U-Ausschusses nicht zustimmen - und somit wird es für das Ansinnen der Opposition, über den Sommer hinaus zu arbeiten, keine Mehrheit geben. SPÖ, FPÖ und NEOS könnten jederzeit zum gleichen Thema einen neuen Ausschuss einsetzen, sagte Maurer Dienstag im "ORF Report", die Aufklärung könne "vollumfänglich stattfinden".

"Menschen erwarten, dass gearbeitet wird"

"Wir sind in einer Koalition, wir haben große Verantwortung übernommen", sagte sie auf die Frage, ob die Grünen also nicht gegen die ÖVP stimmen wollen. "Die Menschen erwarten sich zu Recht von uns, dass gearbeitet wird und nicht schon wieder neu gewählt wird", verwies Maurer auf Beschäftigungs-, Klima- und Wirtschaftskrise.

Parteichef Werner Kogler hatte die Verlängerung des U-Ausschusses zuletzt noch offen gelassen. "Es ist kein Mangel an Untersuchungsausschüssen", hatte aber er auch schon erklärt - und ebenfalls auf die Möglichkeit der Opposition verwiesen, einen weiteren U-Ausschuss einzusetzen.

Opposition kritisiert Grünen-Ankündigung scharf

Die Ankündigung der Grünen, sorgte für gehörige Kritik bei der Opposition. SPÖ, NEOS und FPÖ werfen der kleinen Regierungspartei vor, den Türkisen die Mauer zu machen. Das Argument, die Opposition könnte ohnedies jederzeit zum gleichen Thema einen neuen Ausschuss einsetzen, stößt auf wenig Verständnis, würde das doch bloß für unnötige Verzögerung sorgen.

Krainer zu U-Ausschuss-Ende: "Ein Schildbürgerstreich"

Der SPÖ-Fraktionsvorsitzende im Ibiza-U-Ausschuss, Kai Jan Krainer, spricht mit PULS 24 Reporter Paul Batruel.

"Das ist natürlich kein durchdachter Vorschlag", findet SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer im APA-Gespräch. Denn dann müssten alle Akten und Unterlagen vernichtet werden, dafür dass sie dann drei Monate später wieder geliefert würden. "Das ergibt nicht wirklich Sinn", so Krainer: "Denn wenn die Akten dann kommen, wäre man eigentlich schon fertig." Die pragmatisch richtige Lösung wäre, dem U-Ausschuss die nötige Zeit zu geben, die Beweisthemen abzuarbeiten. Vor allem auch, weil das Bundeskanzleramt und das Finanzministerium den Ausschuss monatelang an der Nase herumgeführt haben, betonte Krainer: "Und die Grünen legitimieren nun das Verhalten von Kurz und Blümel."

Krisper: "Grüne haben weiteres Mal Grundwerte über Bord geworfen“

PULS 24 Reporter Paul Batruel spricht mit Stephanie Krisper.

Für Stephanie Krisper, NEOS-Fraktionsführerin im U-Ausschuss, ist enttäuschend, dass die Grünen einmal mehr der ÖVP und nicht ihren Wählern im Wort stünden. Krisper erinnerte den "ehemaligen Aufdecker Werner Kogler" daran, dass er und sein grünes Team noch im Wahlkampf groß "Wen würde der Anstand wählen?" plakatiert haben. Falls der Ausschuss nicht verlängert werden sollte, habe die ÖVP gewonnen und sei mit ihrem "ständigen Spielen auf Zeit" erfolgreich gewesen. "Wenn wir nicht verlängern, ist Schluss mit Aufklärung." Zudem erinnerte Krisper daran, dass bei einem Abdrehen des U-Ausschusses auch keine Strache-Chats mehr geliefert würden, auf die die ÖVP angeblich so erpicht ist.

Hafenecker: Grüne machen "Kurz-ÖVP die Mauer"

Mit der Ablehnung der Verlängerung stemmten sich die Grünen nicht nur gegen Aufklärungsarbeit und machten der "an den Grundfesten dieser Republik rüttelnden Kurz-ÖVP die Mauer", sondern wirkten dadurch auch als "grüner Dünger für den schwarzen Korruptionssumpf", feixte der freiheitliche Fraktionsführer im U-Ausschuss, Christian Hafenecker. Vor zwei Jahren plakatierten die Grünen noch "Wen würde der Anstand wählen?" und nun agierten sie als "Beitragstäter" zur schwarzen Verhöhnung von Parlament, Rechtsstaat und Verfassung. Grünen-Fraktionschefin Nina Tomaselli und ihr Kollege David Stögmüller nehmen die Aufklärung im U-Ausschuss ernst, so Hafenecker: "Umso bedauerlicher ist es, dass sie sich gegen die Bonzen-Riege in ihrer Partei, die nur an Posten, Macht und Pfründen klebt, nicht durchsetzen konnten."

Kein großes Problem wiederum sieht Geschäftsordnungsexperte Werner Zögernitz darin, wenn neuerlich ein U-Ausschuss zu diesem Thema eingesetzt würde. Sämtliche Akten und Unterlagen könnten neuerlich angefordert werden und müssten sofort wieder bereit stehen. "Eigentlich ist das nur eine Transportfrage." Zudem liege nahe, dass ein neuerlicher U-Ausschuss bei den Beweisthemen fokussierter wäre. "Auf Basis der Erkenntnisse würden sich die Oppositionsparteien wohl bestimmte Themen herausnehmen. Kraut und Rüben kommt eher nicht wieder, denn vieles wurde schon abgehakt."

Zögernitz gab aber zu bedenken, dass ein zweiter U-Ausschuss als Minderheitenrecht parallel zum abermals eingesetzten Ibiza-U-Ausschuss nicht möglich wäre. Denn dafür braucht es 46 Abgeordnete. Die Opposition verfügt gemeinsam zwar über 86 Mandate, es darf aber jeder Mandatar nur für einen U-Ausschuss unterschreiben.

Im Newsroom LIVE am Montag prognostizierte bereits die Journalistin Anneliese Rohrer im INterview mit Anchorwoman Sabine Loho, dass es wohl keine Verlängerung für den Ibiza-U-Ausschuss geben werde.

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Quelle: Agenturen / Redaktion / APA/hos