HOSI-Obfrau: Transpersonen bei Blutspende noch immer diskriminiert

01. Sept. 2022 · Lesedauer 5 min

Die neue Blutspendeverordnung, die mit 1. September in Kraft getreten ist, sollte am heutigen Donnerstag in der Blutspendezentrale Wien gefeiert werden. Im Rahmen eines Medientermins wurde jedoch eine Transperson, die Blut spenden wollte, weggeschickt.

Nachdem am Donnerstag eine Transperson im Rahmen eines Medientermins zur neuen Blutspendeverordnung ausgeschlossen wurde, hielt das Gesundheitsministerium gemeinsam mit dem Roten Kreuz fest: "Es gelten dieselben sonstigen Zulassungskriterien wie für alle Menschen. Dies wird bei der Blutspende in Österreich ab sofort auch so gehandhabt", hieß es in einem Statement des Gesundheitsministeriums am Donnerstagnachmittag.

Trans-Person wurde vom Roten Kreuz weggeschickt

Die neue Blutspendeverordnung, die mit 1. September in Kraft getreten ist, sollte am heutigen Donnerstag in der Blutspendezentrale Wien gefeiert werden. SPÖ-Gleichbehandlungsexperte Mario Lindner, der bisher selbst von der Blutspende ausgeschlossen war, wollte daher mit einer transidenten Kollegin im Rahmen des Medientermins gemeinsam Blut spenden. Allerdings durfte nur Lindner selbst auch spenden - seine Kollegin wurde aufgrund ihrer sexuellen Identität ausgeschlossen.

Wenig später hieß es bereits von Gesundheitsministerium und Roten Kreuz, dass die diskriminierungsfreie Blutspende selbstverständlich auch Transpersonen umfasse und Transpersonen Blutspenden können und auch dürfen und der heutige Vorfall falsch gehandhabt wurde.

Für Lindner trägt die Schuld Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), denn er wäre letztverantwortlich in dieser Frage. Ann-Sophie Otte, Obfrau der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien, fordert im PULS 24 Interview eine Aufklärung: "Wir fordern Johannes Rauch auf hier Aufklärung zu betreiben, wie sowas passieren konnte und warum hier immer noch willkürlich Menschen abgelehnt werden". Lindner spricht auch davon eine parlamentarischen Anfrage einzubringen.

Otte verriet im Interview, dass das Rote Kreuz bei der Abweisung meinte sie wollen keine rechtliche Verantwortung übernehmen. Es gäbe noch rechtliche Fragen zu klären gebe und das Gesundheitsministerium wollen nicht die Verantwortung dafür übernehmen.

HOSI-Obfrau: "Sind verwirrt und verstört"

Statt erwarteter Feierlaune gab es bittere Enttäuschung: "Wir sind auch sehr verwirrt und verstört, warum sich das so verändert hat, und deswegen ist uns gar nicht so zu Feiern zumute. Das war sehr überraschend." sagt die HOSI-Obfrau

Aus der Einladung des Roten Kreuz unter dem Titel "Zum ersten Mal Blutspenden ohne Diskriminierung", ließe sich eher schließen, dass mit schwulen und bisexuellen Männern nun auch Transgender-Personen Blut spenden dürften - aber dem war nicht so. "Wenn Transpersonen inkludiert wären, wären wir sehr sehr happy damit. Es besteht ansonsten keine klare Diskriminierung. Es ist eine Sache, die sehr sehr lange die Community beschäftigt hat.", meint Otte

Trotzdem wolle sich die Community die Freunde über die bestehenden Änderung nicht nehmen lassen. Viele Jahre haben sie dafür gekämpft, dass sie als homo- und bisexuelle Personen Blutspenden dürfen und sind stolz, denn "wir haben trotzdem was Großes bewirkt", so Otte.

Viele Fragen offen

Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen mit dem Inkrafttreten der neuen Blutspendeverordnung in Österreich erstmals legal ihr Blut spenden - Eine Transperson wurde am Donnerstag von der Spende ausgeschlossen. "Derzeit sind bei allen Blutspendediensten in Österreich Transgender-Personen nicht zur Blutspende zugelassen.

Die Zulassungskriterien werden aktuell aber bereits von den Fachgremien im Gesundheitsministerium überarbeitet", hieß es dazu am Vormittag vom Roten Kreuz. Warum zwar Männer, die Sex mit Männern haben, zur Blutspende zugelassen, Transpersonen aber ausgeschlossen sind, konnten zu dem damaligen Zeitpunkt, weder Lindner selbst noch das Rote Kreuz beantworten.

"Wir stehen vor sehr vielen Fragen, die wir gerne beantwortet hätten", sagt die Obfrau der Homosexuellen Initiative Wien. 

Angepasster Blutspende-Fragebogen

Die drei Absätze im Fragebogen, der von Blutspendern im Vorhinein ausgefüllt werden muss, wurden in "Hatten Sie in den letzten vier Monaten eine/n Sexualpartner:in, die/der an einer sexuell übertragbaren Infektion erkrankt ist (z. B. Hepatitis B, Hepatitis C, HIV, Syphilis)?" - "Hatten Sie in den letzten drei Monaten mehr als drei Sexualpartner:innen oder Sex mit einer Person, bei der Sie wissen oder annehmen müssen, dass diese in den letzten drei Monaten mehr als drei verschiedene Sexualpartner:innen hatte?" und "Hatten Sie in den letzten vier Wochen ungeschützten (auch einmaligen) Sexualkontakt mit neuen Sexualpartner:innen?", umgeändert.

Damit soll eine mögliche Diskriminierung verhindert werden, indem nach dem individuellen Sexualverhalten und nicht nach der sexuellen Orientierung der Spender gefragt wird. Otte betonte im PULS 24 Interview ebenfalls, dass im Fragebogen nichts über Transpersonen stehe und sie einfach "willkürlich abgewiesen werden". 

Zahlreiche Kriterien verhindern Blutspende

"Blut spenden dürfen in Österreich Personen zwischen dem 18. und 70. Geburtstag, die gewisse gesundheitliche und gesetzlich festgelegte Kriterien erfüllen", heißt es im Informationsbogen des Roten Kreuz. Ausschlussgründe können sein: Fieberblasen, Erkältungen und Erkrankungen, Allergien, Operationen, Zahnarztbehandlungen, die Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika, Impfungen, Auslandsaufenthalte, Schwangerschaft und Stillzeit, Piercings und Tattoos oder Endoskopien.

Manche dieser Gründe seien jedoch nur zeitlich begrenzt - beispielsweise einige Wochen oder Monate nach einer erfolgten medizinischen Behandlung oder der Rückkehr aus einem Malariagebiet, so die Daten der Rettungsorganisation.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz