Hofer: "Geimpfter muss sich ja nicht fürchten, von einem nicht Geimpften angesteckt zu werden"

25. Feb 2021 · Lesedauer 4 min

FPÖ-Chef Norbert Hofer würde Corona-Maßnahmen an die Spitalsauslastung statt an Inzidenz-Zahlen koppeln, plädiert für weitere Öffnungen und warnt vor einer Zweiklassengesellschaft durch Impfungen. Er spricht im PULS 24-Interview mit Thomas Mohr über ein Jahr Corona-Pandemie.

"Der erste Lockdown war für viele nachvollziehbar", stimmt FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer im Interview mit  PULS 24 Anchor Thomas Mohr den anfänglichen Regierungsmaßnahmen 2020 zu. Der große Fehler, der zur großen Anzahl an Todesopfern geführt hätte, wäre der fehlende Schutz der Alten- und Pflegeheime gewesen, sagt Hofer. Mehr als 40 Prozent der Opfer kämen aus diesem Bereich. "Hier hätten wir wesentlich mehr tun müssen", kritisiert er. "Wir können nicht bei einer Pandemie, die uns vielleicht zwei oder drei Jahre begleitet auf eine Serie von Lockdowns setzen."  Der FPÖ-Chef würde als Kennzahl für einen neuerliche Lockdown nicht die Zahl der Neuinfektionen heranziehen. "Ich würde auf die Spitalsauslastung blicken." Der Lockdown sei immer dafür gedacht gewesen, einen Peak zu verhindern, nicht die Gesamtzahl der Infizierten zu reduzieren. Man starre immer auf die Zahl der verfügbaren Betten, würde über nie darüber nachdenken, ob man auch Reservekapazitäten schaffen könne. "Wir hatten ja die Heeresspitäler, die leider gesperrt worden sind und ich glaube, dass man genau dort wieder versuchen muss, auch für künftige Pandemien, diese Reserven zu schaffen."

Massentestungen "weniger hilfreich"

Man sehe, dass in über 60 Prozent der Fällen die Ansteckung im privaten Bereich passiere. "Mit der Sperre des öffentlichen Raumes hat man die Menschen in das Private gedrängt." Dort fänden die Treffen ohne Regeln statt. Noch vor wenigen Wochen hätten Experten im Gesundheitsministerium gemeint, Massentestungen wären wegen einer gewissen Fehleranfälligkeit wenig hilfreich. "Aber ich sag trotzdem, alle Maßnahmen, die evidenzbasiert helfen das öffentliche Leben wieder aufrechtzuerhalten, sollen unterstützt werden." Bei den Eingangstestungen für den Gastrobereich ist Hofer skeptisch. Man könne kein gehobenes Speiselokal mit einem Kaffeehaus vergleichen. Für einige Lokale werde das nicht die richtige Lösung sein. "Ich befürchte, dass einige Betriebe auch nicht mehr aufsperren."

 

 

Impfzwang: "Wir haben das bereits in den Schulen"

Thomas Mohr sprach Hofer auch auf die Aussage von Dagmar Belakowitsch im Nationalrat an, dass die ÖVP ein austrofaschistisches System mit einer Zweiklassengesellschaft einführe. Die FPÖ wolle keine Diskriminierung von Menschen, die sich nicht testen lassen oder auch impfen lassen wollen. Hofer entgegnete, dass man in der FPÖ immer gesagt habe, dass man keinen indirekten Impfzwang wolle. "Wir haben das bereits in den Schulen. Zum Beispiel, wenn ich mich in einer Pflichtschule testen lassen muss, dann ist das ein indirekter Test-Zwang. Sonst müssen die Kinder zu Hause bleiben." In "zwei, drei, vier Monaten", wenn viele Menschen geimpft sind, sieht Hofer eine Diskussion voraus, dass die Geimpften auf Sonderprivilegien bestehen und sich frei bewegen werden wollen. 

"Der Geimpfte muss sich ja nicht fürchten, von einem nicht Geimpften angesteckt zu werden"

Wenn sich jemand freiwillig entscheidet, sich nicht impfen zu lassen, dann sei das seine höchstpersönliche Entscheidung. Aber der Geimpfte muss sich ja nicht fürchten, von einem nicht Geimpften angesteckt zu werden." Er befürchtet einen Riss in der Gesellschaft. "Das Corona-Virus fordert uns alle sehr, sehr heraus. Aber dass wir vor diesem Virus einknicken, dass Grund- und Freiheitsrechte beschränkt werden, Dinge, die vor zwei Jahren noch undenkbar waren, dass wir es zulassen, dass die Wirtschaft, der Arbeitsmarkt vernichtet wird, das dürfen wir nicht zulassen." Es sei nicht alles falsch, was die Regierung macht, aber eine Zweiklassengesellschaft müsse unbedingt vermieden werden. 

Ja zu Quarantäne, nein zur Abriegelung eines ganzen Bundeslandes

Bei einem besonders schlimmen Ausbruch fände der FPÖ-Chef eine Quarantäne notwendig, verstehe aber nicht "dass man ein ganzes Bundesland abriegelt", während gleichzeitig Asylsuchende über die Grenze kommen. Wäre er Tiroler, würde er das nicht verstehen. 

"Ich persönlich werde mich impfen lassen", so Hofer. Er glaube aber nicht, dass ihn die Impfung auf Dauer schützen werde, weil es Mutationen des Virus gebe. Hofer hofft auf ein baldiges Medikament. 

ÖVP-Seitenhiebe gegen Kickl sei "Teil des politischen Spiels"

Auf die Aussage von ÖVP-Klubchef Wöginger angesprochen, dass eine Koalition mit Herbert Kickl als Obmann nicht möglich sei, meinte der FPÖ-Chef, das Kompliment könne er nur zurückgeben. "Es steht keiner Partei zu, beurteilen zu können, ob eine Partei oder deren Mandatare ins Konzept passen. Das entscheiden immer die Wählerinnen und Wähler." Auch gegen Sigi Mauer hätte es Seitenhiebe gegeben, das sei "Teil des politischen Spiels". 

Im PULS 24 Newsroom LIVE sind diese Woche alle Oppositionschefs zu einem Jahr Pandemie zu Gast. Am Mittwochabend sprach PULS 24-Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner mit SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Freitagabend ist NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger zum Interview eingeladen.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam