Heinz-Christian Strache, wie Sie ihn noch nicht kennen

02. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Vor zwei Jahren war Heinz-Christian Strache noch Vizekanzler, seitdem ist viel passiert. Skandale, ein Rücktritt und ein Rücktritt vom Rücktritt. Bei der Wien-Wahl geht Strache mit neuer Partei und alten Parolen auf Stimmenfang.

Zugegeben, die Überschrift ist ein wenig hochgegriffen. Was wurde über Strache in der Öffentlichkeit noch nicht gesagt, was noch nicht geschrieben? Der Politiker blickt mit seinen 51 Jahren auf eine lange und vor allem skandalträchtige politische Karriere zurück. Spätestens seit Ibiza ist sein Leben ein offenes Buch. Und weil es so viel zu erzählen gibt, hat PULS 24 die wichtigsten Punkte aus Straches Leben für Sie zusammengefasst.

Der erste große Paukenschlag, der Strache zum FPÖ-Parteichef beförderte, erfolgt 2005 beim Parteitag in Knittelfeld. Vor 15 Jahren ist Strache maßgeblich am Rücktritt der damaligen Parteichefin Susanne Ries-Passer und der darauffolgenden Abspaltung des BZÖ durch seinen einstigen Mentor Jörg Haider beteiligt.

AFP PHOTO/STR STR / AFP

Strache wird FPÖ-Parteiobmann (23.04.2005)

An der Spitze der FPÖ angekommen, umgibt sich Strache mit seinen engsten Vertrauten, Harald Vilimsky, Herbert Kickl und Norbert Hofer, die sich später noch gegen ihn wenden sollten.

Als Parteichef gelingt Strache 2017, was der FPÖ seit Anfang der 2000er nicht mehr gelang. Er bringt die Partei auf knapp 26 Prozent und bildet mit Sebastian Kurz und der ÖVP eine Regierung. Strache wird Vizekanzler. Alles lief gut – und dann kam Ibiza.

Überspitzt gesagt wollte Strache die Republik an eine vermeintliche Oligarchin verscherbeln. Ungünstig für den damaligen FPÖ-Parteiobmann: Mehrere Kameras zeichnen die feuchtfröhliche Party auf. Der Rest ist Geschichte.  Kurz löst die Koalition auf und Strache tritt zurück.

Seine Mitgliedschaft in der FPÖ endet wie sein Parteivorsitz begann. Mit einer Abspaltung. Nach Spesenvorwürfen und nicht abreißenden Skandalen schließt der neue FPÖ-Chef Norbert Hofer Strache im Dezember 2019 endgültig von der Partei aus. Einen Tag vorher gründen drei Wiener Gemeinderäte eine neue Partei: "Die Allianz für Österreich".

Anfangs schließt der gelernte Zahntechniker Strache noch aus, der neuen Partei beitreten zu wollen. Im Februar 2020 ist es dann doch so weit. Strache gibt seine Kandidatur für die Partei, die den neuen Namen "Team HC Strache" bekommen wird, bekannt.

Zwei Konstanten in Straches Politik

Über die Jahre hatte Strache verschiedene Wegbegleiter an seiner Seite. Zwei Dinge haben sich allerdings nicht verändert. Da sind einerseits seine Wahlkampfsongs, in denen Strache gern selbst zum Mikro greift und sein Raptalent zum Besten gibt, der neuste "Hit" heißt "HC is back".  Und andererseits sind da noch seine Inhalte.

Strache macht auf Falco

Vor 15 Jahren plakatierte Strache EU- und islamfeindlichen Slogans wie "Wien darf nicht Istanbul werden" oder "Heimat statt Brüssel & Schüssel". Und auch heute noch wirbt Strache mit denselben Themen: "Wir brauchen keine Corona-Ampel. Wir brauchen eine auf Rot stehende Migrations-Ampel", sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung. In Abgrenzung zu den Inhalten der FPÖ sagt er: "Ich bin das Original." 

Verbindungen zu Rechtsextremen

Die Vorwürfe gegen Strache, sich Neonazis und Rechtsextremen anzubiedern, bestehen bis heute. Immer wieder kommt es zu Treffen zwischen FPÖ-Politikern und Rechtsextremen und zu antisemitischen und rassistischen Aussagen.

Strache und andere Parteifunktionäre bezeichneten das als "Einzelfälle". Das Mauthausen Komitee hat die Einzelfälle von 2017 bis 2013 gesammelt und eine 16-Seitige Broschüre herausgegeben.

Auch in Straches neuer Partei sorgte eine Kandidatin, Christina Kohl, für Aufsehen, weil sie bei einer Demonstration "Kurz muss weg, Soros muss weg, Rothschild muss weg" gerufen hat. Wegen "antisemitischen Äußerungen" hat sie ihr Arbeitgeber, die Austrian Airlines, gekündigt.

"Sie hat keine antisemitischen Äußerungen zum Besten gegeben", verteidigt Strache seine Kandidatin im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Gundula Geiginger.

Meinungsforscher trauen Strache bei der Wien-Wahl zwischen vier und fünf Prozent zu.  Das Rennen um den Einzug ins Rathaus wird knapp.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe