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Grünwidl will als Erzbischof "einfach" auftreten

Heute, 11:00 · Lesedauer 3 min

Josef Grünwidl, der am Samstag zum Bischof geweiht wird, will in seiner Erzdiözese Wien "möglichst einfach" auftreten. Dies beginnt bei der Wahl der Insignien und setzt sich bei der Liturgie im Stephansdom fort, wo Grünwidl mit Usancen brechen will. Rund 3.000 Personen werden bei der Bischofsweihe erwartet, darunter auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften.

Relativ bescheiden fällt Grünwidls Wahl für den Hirtenstab (Pastorale) aus: Der künftige Erzbischof hat sich für jenen Holzstab entschieden, den der verstorbene Weihbischof Helmut Krätzl getragen hatte. Zudem wird Grünwidl einen lediglich versilberten Konzilsring tragen. Lediglich die Bischofsmütze oder Mitra sei eigens angefertigt worden, so Grünwidl in einer Pressekonferenz am Mittwoch - "Die muss passen".

Auch mit der Gestaltung der Liturgie am Samstag im Stephansdom will Grünwidl Zeichen setzen. So soll die Zeremonie nicht am Altar beginnen, sondern beim Taufbecken. "Die Taufe verbindet uns alle", lautet Grünwidls Botschaft. Vorstehen wird der Feier Kardinal Christoph Schönborn. Kardinal Christoph Schönborn wird der Feier bis zur Weihe vorstehen. Er wird gemeinsam mit Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg, und Stanislav Přibyl, Bischof der Diözese Leitmeritz/Litoměřice, Grünwidl zum Bischof weihen.

Der ernannte Bischof verriet auch, dass er von seinem Vorgänger, Schönborn, für dieses Amt favorisiert worden war, was ihn zuerst "sehr erschreckt hat". Dass er auf der Kandidatenliste steht, habe er bereits im Juni 2024 erfahren. "Ich gehe diesem Tag in großer Dankbarkeit entgegen", berichtete Grünwidl nun von seinen Erwartungen an die Bischofsweihe. Geistig dafür vorbereitet hat er sich in der vergangenen Woche im Stift Göttweig.

Erste Personalentscheidungen

Die erste Personalentscheidung als neuer Erzbischof von Wien soll die Besetzung eines Bischofsvikars für das Vikariat Süd sein, was Grünwidl selbst bis zuletzt wahrnahm. Weitere wichtige Entscheidungen sollen dann im Herbst fallen. Aber auch erste Treffen in seiner neuen Funktion sind bereits anberaumt: Neben den Spitzen der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) und der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) wird der Erzbischof auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) treffen.

Auch kurz vor der Bischofsweihe haben sich Grünwidls recht offene Standpunkte bezüglich des Zölibats nicht geändert. Auch wenn der ernannte Erzbischof laut eigener Aussage nicht daran glaubt, dass sich durch eine Öffnung viel ändern würde, spricht er sich dennoch weiter dafür aus, dass Ehelosigkeit eine "freie Entscheidung" sein sollte. Bereits jetzt gebe es Priester, die mit ihren Familien offen zusammen lebten. Auch eine weitere Glaubensfrage abseits seiner Kirche beantwortete Grünwidl: Auf Nachfrage outete er sich als Anhänger des SK Rapid Wien.

Zusammenfassung
  • Josef Grünwidl wird am Samstag im Stephansdom zum neuen Erzbischof von Wien geweiht, wobei rund 3.000 Gäste, darunter Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, erwartet werden.
  • Grünwidl setzt gezielt auf Bescheidenheit, indem er den Holz-Hirtenstab von Helmut Krätzl und einen lediglich versilberten Konzilsring wählt und die Zeremonie mit einem neuen liturgischen Akzent am Taufbecken beginnt.
  • Zu seinen ersten Amtshandlungen zählen die Besetzung des Bischofsvikars für das Vikariat Süd sowie Treffen mit Spitzen der Israelitischen und Islamischen Glaubensgemeinschaften und Bundeskanzler Christian Stocker.