APA - Austria Presse Agentur

"Grünes Licht" für Tagesbetreuungsstätte auf Lesbos

24. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Die griechische Regierung hat "grünes Licht" für die Errichtung einer von der türkis-grünen Bundesregierung finanzierten Tagesbetreuungsstätte für rund 500 Kinder auf der Insel Lesbos gegeben. Das teilte das Außenministerium am Donnerstag mit. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und SOS-Kinderdorf Geschäftsführerin Elisabeth Hauser zeigten sich über die Zusage erfreut. "Wirksame Hilfe vor Ort ist ein ganz zentrales Anliegen dieser Bundesregierung", so Schallenberg.

"Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam mit dem SOS-Kinderdorf gelungen ist, dieses wichtige Projekt so schnell auf Schiene zu bringen. Damit können wir rasch und ganz konkret die Lebensumstände der Kinder im Flüchtlingslager verbessern und dazu beitragen, dass ihr Alltag kindgerechter gestaltet wird", wurde Schallenberg weiter zitiert. "Es ist sehr wichtig, den Kindern und Familien jetzt ganz schnell und konkret helfen zu können. Wir gehen davon aus, in den nächsten Tagen starten zu können. Diese Betreuungsstätte ist für die Kinder als allererstes ein sicherer Ort, an dem sie einfach Kind sein und spielen können, um ihre Not zumindest für einige Stunden am Tag zu lindern", ergänzte Hauser.

In der vom SOS-Kinderdorf geführten Tagesbetreuungsstätte auf der griechischen Insel Lesbos soll die Betreuung von rund 500 Kindern und ihren Familien sichergestellt werden. Neben psychosozialer Unterstützung und Bildungsangeboten für Kinder wird auch eine Beratung der Eltern angeboten werden. "SozialarbeiterInnen, PädagogInnen und PsychologInnen von SOS-Kinderdorf betreuen bereits jetzt in einer seit 2015 bestehenden Tagesbetreuungsstätte Kinder und Familien auf Lesbos. Diese Einrichtung wird der Ausgangspunkt für die Hilfsmaßnahmen der Kinder im Camp Kara Tepe sein", wurde in der Mitteilung betont.

"Die griechischen Behörden haben nach einer Prüfung des Projekts die Bewilligung für eine Tagesbetreuungsstätte von SOS-Kinderdorf und damit für erneute österreichische Hilfe vor Ort gegeben", hieß es dort weiter. Bereits in der Vergangenheit habe sich Österreich in der Migrationskrise solidarisch mit Griechenland gezeigt. Aus dem Auslandskatastrophenfonds seien dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) alleine im Jahr 2020 für die Betreuung von Flüchtlingen vor Ort bereits drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach dem Brand auf Moria habe das Innenministerium - neben Hilfsgütern für 2.000 Menschen - zusätzlich zwei Millionen Euro für die IOM (Internationale Organisation für Migration) ausbezahlt. Bereits im Frühjahr wurden 181 Wohn- und Sanitärcontainer für die Betreuung von Menschen in Flüchtlingslager nach Griechenland geschickt.

Diese Hilfslieferungen sorgten aber auch für Kritik, weil zumindest Teile davon laut Medienberichten nie am Bestimmungsort ankamen. Auch das Projekt der Kinderbetreuungsstätte ist nicht unumstritten, weil dessen Umsetzung ein längerfristiges Projekt ist, die Situation in dem Flüchtlingslager aber aktuell auch wetterbedingt katastrophal ist.

Die Aufnahme von Geflüchteten aus den Camps in Österreich lehnt die ÖVP ab. Hilfsorganisationen, Politiker verschiedener Parteien, der Bundespräsident, die Kirche sowie Kulturschaffende haben diese Woche ihren Appell an die Regierung zur Beteiligung an der Evakuierung der Menschen erneuert. Auch die Grünen haben sich dafür ausgesprochen.

Quelle: Agenturen