APA - Austria Presse Agentur

Großteil der Schüler darf wieder ins Klassenzimmer zurück

07. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Für die rund 700.000 Schüler der Volks- und Mittelschulen sowie der AHS-Unterstufen geht mit dem heutigen Montag nach drei Wochen Distance Learning wieder der Präsenzunterricht an den Schulen los. Von den rund 400.000 Schülern von Berufsschulen, AHS-Oberstufen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), die bereits seit den Herbstferien im Fernunterricht sind, dürfen vorerst nur Schüler der Matura- und Abschlussklassen wieder ins Klassenzimmer zurück.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zeigte sich erfreut, dass der Unterricht ohne halbe Klassen, Schicht- und Wechselbetrieb wieder aufgenommen wird. "Auch wenn die Phase des Home Schoolings diesmal vergleichsweise kurz war, bedeutet das sicher ein Aufatmen in den Familien. Das Unterrichten übernehmen nun wieder die Profis, und das sind die Lehrkräfte", so Faßmann am Montag bei einer Pressekonferenz.

Froh über die Rückkehr in eine gewisse Normalität, aber auch mit einer gewissen Verunsicherung sind Schüler und Lehrer am Montag in die Volksschule in der Quellenstraße 142 in Wien-Favoriten zurückgekehrt, schilderte Direktor Horst Pintarich im Gespräch mit der APA. "Nach dem Motto: War es das jetzt? Wann kommt der nächste Lockdown?" Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen wie Ausdünnen durch Ausweichen in größere Räume sei in seiner Schule nicht möglich. Man müsse sich daher mit Händewaschen, Desinfizieren, wo nötig Maskentragen und Lüften behelfen. "Es ist lieb, wir bekämpfen das Virus mit Lüften", so Pintarich.

Er hätte sich stattdessen einen Schichtbetrieb gewünscht. Der allergrößte Teil der Kinder komme mit dem Fernunterricht gut zurecht und im Frühjahr habe der Schichtbetrieb bereits gut funktioniert. Von der Politik hätte Pintarich sich gewünscht, dass an den Schulen schon früher auf intensives Testen gesetzt worden wäre. Wäre man mit Schichtbetrieb ins Schuljahr gestartet, hätte das vielleicht sogar den kompletten Schul-Lockdown verhindern können, die Schüler hätten einen alternativen Lernrhythmus entwickeln und die Schulen mit ausreichend Vorlaufzeit Ausweichquartiere organisieren können, so der Direktors. Von der Politik würde er sich jedenfalls künftig ein Einbeziehen der Praktiker wünschen und dass Entscheidungen nicht erst auf den letzten Drücker fallen.

Anders als in der Volksschule Quellenstraße geht nicht überall gleich heute der Unterricht wieder los. Vor allem an einem Teil der höheren Schulen wurde der 7. Dezember als Zwickeltag vor Maria Empfängnis als schulautonomer Tag freigegeben. Dem Appell des Bildungsministeriums, diesen freien Tag zu verschieben, ist dem Vernehmen nach nur ein Teil der Schulen gefolgt. Für so manchen Schüler ist damit erst der Mittwoch der erste Tag mit Präsenzunterricht nach dem Lockdown.

Vor Ort gibt es dann teils strengere Regeln: Außer an Volks- und Sonderschulen gilt Maskenpflicht auch während des Unterrichts, und zwar auch für die Lehrer. Als Alternative zum Maskentragen können Angehörige von Risikogruppen im Fernunterricht bleiben. Wenn Schüler sich wegen der Pandemie nicht in der Lage sehen, am Präsenzunterricht teilzunehmen, kann der Direktor außerdem für eine Woche die Erlaubnis zum Fernbleiben erteilen. Schüler mit Behinderungen können vom Mundschutz befreit werden.

Damit das Einhalten von Abständen erleichtert und eine Durchmischung von Schülergruppen vermieden wird, dürfen Direktionen oder Schulbehörden außerdem den Unterrichtsbeginn sowie die Pausenzeiten staffeln. Vorerst wenig genutzt wird laut bisherigen Rückmeldungen die Möglichkeit, dass Schulen den Unterricht in nahegelegene Ausweichquartiere verlegen, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können.

Geturnt wird weiterhin nach Möglichkeit im Freien, bei Sport in Innenräumen darf Bewegung künftig nur mit maximal mittlerer Herz- Kreislaufbelastung und Atemfrequenz stattfinden. Im Musikunterricht sind Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten verboten. Zurückhaltung ist nach dem Neustart des Schulbetriebs auch bei Schularbeiten und Tests angesagt: In diesem Semester soll es nur mehr in jenen Fächern eine Schularbeit geben, in denen noch keine stattgefunden hat. Auch Tests dürfen nur mehr dann durchgeführt werden, wenn durch keine andere Form der Leistungsfeststellung wie etwa Mitarbeit eine sichere Beurteilung möglich ist.

Eine Rückkehr der Oberstufen sei aus gesundheitspolitischen Gründen leider nicht möglich gewesen, bedauerte Faßmann am Montag und verwies auf die hohen Infektionszahlen unter älteren Jugendlichen. Allerdings dürften immerhin die Abschlussklassen zurück und die übrigen Klassen der Sekundarstufe II und der Berufsschulen könnten zumindest für die Schularbeiten und deren Vorbereitung in kleineren Gruppen in die Schulen zurückgeholt werden. "Es ist klar, dass die Oberstufe im neuen Jahr wieder in die Präsenzlehre kommen soll", betonte Faßmann. "Sie besitzt für mich eine hohe Priorität."

Quelle: Agenturen