Groß-Demonstration in Paris nach Mord an Lehrer

19. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Zahlreiche Menschen haben sich am Sonntagnachmittag nach der brutalen Ermordung eines Lehrers bei einem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag zu einer Solidaritätsdemonstration in Paris versammelt. Insidern zufolge bereitet Frankreich die Ausweisung von 231 mutmaßlichen Extremisten vor.

Minutenlang klatschen die Menschen auf dem Place de la République im Osten der Pariser Innenstadt. Zahlreiche Demonstranten hielten Schilder, auf denen "Je suis Prof" oder "Je suis enseignant" (deutsch: Ich bin Lehrer) stand, in die Höhe. Der Platz war dicht gefüllt. Die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" hatte sich Demo-Aufruf der Organisation SOS Racisme und Lehrergewerkschaften angeschlossen. Im ganzen Land wollten Menschen auf die Straße gehen. "Ihr macht uns keine Angst. Wir haben keine Angst", schrieb Premier Jean Castex, der ebenfalls bei der Kundgebung war.

Symbolischer Ort

Der Platz der Republik im Pariser Osten ist ein symbolischer Ort - bereits nach der Terrorserie im Jänner 2015, zu der auch der Anschlag auf "Charlie Hebdo" zählte, gedachten dort Menschen aus ganz Frankreich der Opfer. Seitdem ist der Platz zu einem zentralen Ort der Anteilnahme nach Terroranschlägen geworden.

Die brutale Ermordung des Lehrers hatte in ganz Frankreich Entsetzen ausgelöst. Das mutmaßliche Motiv des Täters waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karikaturen des Propheten Mohammed. Diese hatte der Lehrer zum Thema Meinungsfreiheit vor einigen Wochen im Unterricht gezeigt. Der laut Staatsanwaltschaft 2002 in Moskau geborene 18-jährige Täter mit russisch-tschetschenischen Wurzeln hatte nach der Tat im Netz damit geprahlt.

Elf Menschen in Gewahrsam

Er veröffentlichte ein Foto des Opfers und richtete eine Nachricht an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den er als "Anführer der Ungläubigen" bezeichnete. "Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es wagte, Mohammed herabzusetzen", schrieb er laut Staatsanwalt weiter. Das Twitter-Konto wurde inzwischen gesperrt. Der Täter wurde kurz nach der Tat von der Polizei erschossen.

Elf Menschen aus dem Umfeld des Täters befinden sich inzwischen in Polizeigewahrsam. Zuletzt wurde ein Freund des Attentäters festgenommen. Ebenfalls verhaftet wurde der Vater einer Schülerin, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, nachdem dieser die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Er hatte ein Video verbreitet und öffentlich gegen den Lehrer gewettert, wie Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte.

Ausweisung mutmaßlicher Extremisten

Der Vater hatte bei der Direktorin die Entlassung des Lehrers gefordert, dabei wurde er von einem Mann begleitet, der Medien zufolge ein bekannter Islamist ist. Auch er befindet sich in Polizeigewahrsam. Die Halbschwester des Vaters hat sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Die Staatsanwaltschaft stellte bisher keine Verbindung zwischen diesem Vater und dem Angreifer her.

Unterdessen hieß es aus Polizeigewerkschaftskreisen, Innenminister Gerald Darmanin habe die örtlichen Behörden darum gebeten, die Ausweisungen von mutmaßlichen Extremisten anzuordnen. Von den 231 Personen seien 180 im Gefängnis, 51 sollten in den nächsten Stunden festgenommen werden. Vom Innenministerium war zunächst keine Bestätigung zu bekommen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe