Mangott: "Sehr unwahrscheinlich", dass Belarus in den Krieg einsteigt

20. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott glaubt nicht, dass sich Weißrussland mit seiner Armee direkt an dem Krieg beteiligen werde. Beim Treffen zwischen Russlands Machthaber Wladimir Putin und dem belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sei es hauptsächlich um die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder gegangen.

Die Krieg in der Ukraine sei ein wichtiges Thema gewesen, doch viel mehr stand die Wirtschaft im Vordergrund, erklärt Mangott im PULS 24. Beide Länder sind von harten westlichen Sanktionen betroffen und es gelte sowohl für Lukaschenko als auch für Putin, sich hier miteinander abzustimmen, wie man auf diesen Sanktionsdruck reagiere. Auch beschlossene Integrationsprojekte wollten die Machthaber vorantreiben. 

Kein Eintritt Weißrusslands in den Krieg

Der militärische Aspekt sei war nicht zentral gewesen, man kam jedoch nicht umhin, dass Thema anzusprechen. Dass Belarus in den Krieg direkt eingreife, hält Mangott für "sehr sehr unwahrscheinlich". Dem weißrussischen Militär fehle es an Schlagkraft und das wüsste man auch auf russischer Seite. Außerdem wäre eine Beteiligung am Krieg äußert unpopulär in der belarussischen Bevölkerung. Lukaschenko, der sich ohnehin nur mit Hilfe Russlands an der Macht hält, müsste erneute Demonstrationen fürchten, erklärt der Politikwissenschaftler. 

Trotzdem sei es im Interesse Moskaus und Minsks weiterhin von einem möglichen Eintritt zu sprechen. Es zwänge die Ukraine, Truppen an der Nordgrenze zu stationieren, wodurch Soldaten an anderen Fronten fehlen würden. Auch den Versuch über Belarus nach Kiew zu gelangen sieht Mangott "überhaupt nicht". Russland habe ohnehin Schwierigkeiten die Frontlinien im Süden und Osten zu halten, eine neue Front gegen Kiew zu eröffnen, sei nicht die Absicht von russischen Streitkräften oder der russischen Führung. 

Sturz von Putin nicht in Aussicht

Putins ehemaliger Redenschreiber Abbas Gallyamov erzählte kürzlich in einem Interview, dass Putin seit dem Frühjahr bereits Fluchtpläne habe, falls es zu einer Kriegsniederlage komme. Von Exil in Ländern wie Argentinien oder Venezuela war die Rede. Mangott meint, es sei möglich, dass solche Pläne existieren. Er glaubt aber, Gallyamov nutze seine Vergangenheit, um mit solchen Aussagen bei westlichen Medien Geld zu verdienen.

Man sei "weit davon entfernt", dass Putin gestürzt werde. Es gebe auch keine Palastrevolte, da die militärische Situation noch nicht "desaströs oder zu verfahren" sei. Ein Sturz des Machthabers wäre allerdings durch aus im Bereich des möglichen, dass wisse auch Putin, so Mangott. Diese möchte allerdings den Krieg gewinnbringend zu Ende führen. 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz