Karner: Raketeneinschlag in Polen "für Bündnisfall nicht ausreichend"

16. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Wegen des Raketeneinschlages in einem polnischen Dorf im Grenzgebiet zur Ukraine hält die NATO nun eine Dringlichkeitssitzung ab. Militärexperte Gerald Karner sieht jedoch keinen Anlass für den NATO-Bündnisfall.

Die Explosion in einem polnischen Dorf im Grenzgebiet zur Ukraine ist nach Angaben der Regierung in Warschau von einer Rakete aus russischer bzw. sowjetischer Produktion ausgelöst worden.

Kein Bündnisfall

Wenn ein NATO-Mitgliedstaat seine nationale Sicherheit bedroht sieht, berate sich die NATO darüber, wie nun vorgegangen wird. Aus Sicht des Militärexperten Gerald Karner würde "dies jedoch erst schlagend werden, wenn klar wird, dass die Rakete tatsächlich von Russland aus abgefeuert worden war". Im Moment deute jedoch vieles darauf hin, dass es sich um eine "fehlgeleitete ukrainische Rakete" gehandelt habe. 

Einen Bündnisfall sieht Karner in der Situation nicht. "Ich halte diesen Anlass für einen Bündnisfall bei weitem nicht ausreichend", erklärt der Militärexperte im Interview.

NATO versucht "nicht zu eskalieren"

"Beide Seiten, aber auch vor allem die NATO" versuche diesen Vorfall jetzt eher "herunterzuspielen", die Situation zu beruhigen und "nicht zu eskalieren", meint Karner.

Befürchtung wahr geworden

Bereits seit dem Frühling, seit Russland begonnen hatte "auch die Westukraine mit ballistischen Lenkwaffen und Waffenkörpern" zu bekämpfen, sei eine "derartige Situation immer wieder befürchtet worden".

Man müsse nun auch berücksichtigen, dass "beide Seiten natürlich auch propagandistisch versuchen, die Situation für sich auszunützen". Es gehe schließlich nicht nur um lokale Schäden, sondern die "Eskalationsmöglichkeit in einen größeren Krieg", meint Karner.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj