Karner: Erdogans Bodenoffensive könnte Kurden vernichten

22. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Kurden, erklärt Militärexperte Gerald Karner, werden von der Türkei und vom Iran als Sündenböcke missbraucht. Die militärisch weit überlegene Türkei wolle nun mit Bodentruppen einmarschieren. Die Gefahr, dass Erdogan die Kurden vernichten werde, besteht. Die Rolle der USA sei "bedauerlich", die Kurden fühlen sich von ihnen verraten.

Erdogan wolle bei der Militäroffensive in Syrien die Kurdische Volksbefreiungseinheiten (YPG) eliminieren, erklärt Gerald Karner im Interview auf PULS 24. Der Militärexperte vermutet, dass Erdogan im Schatten des Ukraine-Konflikts das "Problem beseitigen will". Mit dem Konflikt wolle er von eigenen innenpolitischen Versäumnissen ablenken. Die Kurden müssten als Sündenbock herhalten. 

Der türkischen Präsident habe die USA und Russland von seinen Plänen in Kenntnis gesetzt. Man könne nur hoffen, dass Russland und die USA "moderierend" auf Erdogan eingewirkt haben, damit Erdogan nicht versucht, "die Kurden zu vernichten". Denn 100.000 gut ausgerüstete Soldaten auf türkischer Seite stünden 50.000 leichtbewaffneten Kämpfern und Kämpferinnen auf kurdischer gegenüber. Der eine oder andere erbeutete Panzer würde daran nichts ändern.

Zwei Fronten: Auch für Iran Sündenbock

Die Kurden werden nicht nur von der Türkei, sondern auch von den iranischen Revolutionsgarden angegriffen. Denn auch dort habe man in den Kurden einen Sündenbock gefunden. Die 22-Jährige, die in Polizeigewahrsam starb, nachdem sie ihr Kopftuch nicht vorschriftsgemäß getragen hatte, war Kurdin. Ihr Tod löste die seit Wochen andauernden Proteste im Iran aus.

Kurden fühlen sich von USA verraten

Die Rolle der USA im nahen Osten sei "bedauerlich", kritisiert Karner. Den syrischen Diktator Baschar al-Assad habe man noch unter Präsident Barack Obama Chemiewaffen einsetzen lassen, "ohne dass es darauf eine Antwort gegeben hätte". Man habe sich mit der Türkei und Ungarn arrangiert und als Präsident Donald Trump dann dem türkischen Einmarsch in in Nordsyrien zustimmte, hätten sich die Kurden, die den USA beim Kampf gegen den IS halfen, verraten gefühlt. Sie seien nicht nur verbündet gewesen, sondern die einzigen, die am Boden den IS bekämpften.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam