Karner: Drohung mit "schmutziger Bombe" ist "gefährlich und geistlos"

24. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Dass Russland vor der Anwendung einer "schmutzigen Bombe" durch die Ukraine warnt, zeuge von großer Hysterie in den eigenen Reihen, meint PULS 24 Militärexperte Gerald Karner. Bei den ersten Zerstörungen spreche man von der "konventionellen Sprengkraft".

Russland hat am Sonntag davor gewarnt, dass die Ukraine eine "schmutzige Bombe" im Krieg einsetzen könnte. Die Ukraine meint, Russland würde das nur sagen, weil Russland selbst eine solche Bombe in der Ukraine verwenden möchte. Karner sieht die Situation als sehr "nachdenklich" an.

Er hält es jedoch für "äußert unwahrscheinlich", dass Russland oder die Ukraine so eine Waffe einsetze. Er bezeichnet die Drohung als "gefährlich und relativ geistlos".

Verbreitung einer falschen Falschmeldung

Das Szenario, das die Ukraine anführe, sei jedoch "das wahrscheinlichste". Es würde sich um eine "False Flag"-Operation Russlands handeln, sagt der Militärexperte. Auf der russischen Seite sei kommunikativ ein hoher Grad an Hysterie erreicht worden.

Dass der russische Verteidigungsminister eine "falsche Nachricht" verbreitet und hofft, dass diese auf fruchtbaren Boden fallen könnte, sei ein Indiz dafür, dass die "Nervosität im russischen Regime schon sehr hoch sein muss".

Ukraine besitzt keine "schmutzige Bombe"

Der Militärexperte erklärt, dass eine "schmutzige Bombe" militärisch wertlos sei. Es handle sich um eine Terrorwaffe, von der angenommen wurde, dass terroristische Gruppierungen wie der IS, sie eines Tages verwenden könnte. Er fügt hinzu, dass Experten weltweit wissen, dass die Ukraine so eine Waffe nicht besitze. Denn man benötigt dazu eine "hohe Sprengkraft" und "entsprechende Abschussvorrichtungen".

Eine tatsächliche Verwendung solch einer Bombe, würde von den USA nicht so eine massive Reaktion auslösen, wie bei einer Nuklearbombe, sagt Karner. Eine Verschärfung der Sanktionen oder verstärkte Waffenlieferung erwarte sich der Militärexperte jedoch. Er betont, dass es allerdings "sehr stark" auf die Auswirkung der Bombe ankomme.

Auswirkung einer solchen Bombe

Bei den ersten Zerstörungen spreche man von der "konventionellen Sprengkraft". "Sehr viel höher als die Stufe", wie sie in der Ukraine bisher zu sehen war, würde es nicht sein, sagt Karner. Die beinhaltende strahlende Radioaktivität würde sich jedoch durch Wind über größere Gegenden oder Regionen verbreiten. Dabei komme es auf den Umfang des verbauten radioaktiven Materials an. Betroffen seien dabei beide militärische Seiten sowie die Zivilbevölkerung.

Karner entwarnt und sagt, dass man in Österreich das radioaktive Material "kaum" spüren würde. Wenn eine solche "schmutzige Bombe" nicht ganz auf den Westen der Ukraine abgeworfen werde, würden die Nachbarländer nichts davon "abbekommen" - die Verstrahlung bliebe "lokal".  

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz