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Gedenkminute für Frieden in allen Kirchen um 15 Uhr

25. Feb. 2022 · Lesedauer 6 min

Die Spitzen der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich rufen heute, Freitag, um 15 Uhr zu einer überkonfessionellen Gedenkminute für den Frieden auf. Begleitend zum stillen Gebet für die Menschen in der Ukraine werden im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, im Wiener Stephansdom erklingt dazu die Pummerin. Auch der ORF wird für die überkonfessionelle Gedenkminute sein Programm unterbrechen.

An der Initiative beteiligen sich neben den christlichen Kirchen - auch die orthodoxen -, die Israelitische Religionsgesellschaft und die Islamische Glaubensgemeinschaft und alle anderen gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaften, berichtete die Kathpress. Im Linzer Mariendom begehen Bischof Manfred Scheuer und der evangelische Superintendent Gerold Lehner am Freitag um 15 Uhr eine gemeinsame Schweigeminute mit anschließendem Gebet.

Kardinal Christoph Schönborn sprach in seiner aktuellen Kolumne in der Gratiszeitung "Heute" von einem Maskenfall. "Alles Beschwichtigen erweist sich als Lüge. Russland hat die Ukraine angegriffen, marschiert in ein selbstständiges Land ein, unter Missachtung seiner Souveränität. Die Maske des Völkerrechts wurde abgelegt und die rohe Gewalt zeigt ihr Gesicht." Sein Mitgefühl gelte dem ukrainischen Volk, das in seiner Geschichte schon "viele dunkle Stunden erlebt" habe. Bereits am Donnerstag hatte Kardinal Schönborn via Twitter betont, dass der Krieg in der Ukraine "uns alle" angehe: "Er ist eine menschliche Tragödie, die uns nicht gleichgültig sein darf. Die Ukraine ist uns so nahe, die Menschen dort brauchen unsere unbedingte Solidarität und unser Gebet."

Für den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, soll das stille Gebet die "Hoffnung auf einen raschen und gerechten Frieden in der Ukraine stärken". "Das Glockengeläut am Freitagnachmittag erinnert uns an den Tod eines Unschuldigen: Jesus Christus, den Fürst des Friedens. Beten wir für alle, die durch das Grauen des Krieges ihr Leben lassen müssen und öffnen wir unser Herz für jene, die jetzt unsere Hilfe brauchen", so der Salzburger Erzbischof am Donnerstagabend gegenüber Kathpress.

Auch in den kommenden Tagen sind in zahlreichen Diözesen Gedenkveranstaltungen und Friedensgebete geplant. In Salzburg etwa lädt Erzbischof Franz Lackner gemeinsam mit der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Gemeinde am Samstag (26. Februar) um 18.30 Uhr zum gemeinsamen Gebet des byzantinischen Hymnos Akathistos in den Salzburger Dom ein.

Auch in der Steiermark wird für den Frieden und für die Menschen in der Ukraine gebetet. In der Grazer Stadtpfarrkirche findet dazu am Freitag um 18.15 Uhr ein Friedensgebet statt. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl nannte es "traurig, dass uns ein Thema wie Krieg so dominiert und nicht, wie wir als eine Menschheit gut vorankommen". Er rief zum Gebet dafür auf, "dass im Ukraine-Konflikt die Vernunft siegt und nicht die dumpfe Gewalt".

Zum Gebet als eine "demütige Zuflucht zu Gott, ein Anerkennen der menschlichen Unfähigkeit, nachhaltig Frieden zu halten" hatte auch der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler angesichts der Lage in der Ukraine aufgerufen. In bisher elf kirchlichen Gemeinden Tirols von Reutte im Außerfern über Innsbruck bis Lienz in Osttirol finden in den nächsten Tagen Gebete statt, wie die Diözese Innsbruck ankündigte. Glettler betonte dazu: "Propaganda, Lüge, Krieg und Zerstörung sollen nicht das letzte Wort haben."

Der St. Pöltener Diözesanbischof Alois Schwarz betonte gegenüber Kathpress: "Krieg ist immer ein Verlust für alle Menschen, es verlieren immer alle." Das Gebet habe die Kraft, Menschen in ihrem Herzen zu bewegen, einander leben zu lassen. "Ich hoffe, dass viele Menschen jetzt sagen 'Ich bete für Frieden auf der Welt'."

In Vorarlberg sind ebenfalls alle Pfarren dazu aufgerufen, sich dem Glockenläuten und dem stillen Gebet anzuschließen. Diözesanbischof Benno Elbs hat dafür ein eigenes Gebet verfasst. Mit tiefer Sorge denke er an die vielen Familien, Kinder und alten Menschen, die zur Armut nun auch noch Krieg und Gewalt erleben müssen, sagte der Feldkircher Bischof den Vorarlberger Nachrichten am Freitag. "Wir möchten alle Menschen einladen, für den Frieden zu beten, denn wenn man für den Frieden betet, kommt auch im Herzen eine Haltung des Friedens auf."

In der Diözese Gurk-Klagenfurt, der Diözese Eisenstadt sowie im Militärordinariat sind die Pfarren am Freitag aufgerufen, die Glocken zu läuten und die Gedenkminute zu begehen. Die Dompfarre Eisenstadt werde zudem am Freitag nach der Abendmesse, um 19.15 Uhr, ein Gebet für den Frieden in der Ukraine gestalten. Ebenso an der Aktion beteiligen werden sich die Stifte und Klöster im ganzen Land, heißt es vonseiten der Ordensgemeinschaften.

"Der Friede ist das höchste Gut. Es muss alles getan werden, um den Frieden in Europa wieder herzustellen und ihn zu bewahren", erklärte Roland Weißmann, Generaldirektor des ORF gegenüber Kathpress und sagte: "Der ORF schließt sich gerne der Initiative der verschiedenen Kirchen, Religions- und Glaubensgemeinschaften in Österreich an und beteiligt sich mit der Unterbrechung seines Programms an der 'überkonfessionellen Gedenkminute für den Frieden'."

"Im Schweigen bringen wir unsere Gefühle der Ohnmacht angesichts des Schreckens eines Krieges mitten in Europa zum Ausdruck", so der evangelische Bischof Michael Chalupka. "Schweigen ist eine Sprache, die alle verstehen" und sei Ausdruck der Verbundenheit mit den Menschen im Kriegsgebiet, die um ihr Leben bangen. "Im Schweigen schöpfen wir Kraft fürs Handeln. Humanitäre Hilfe für die Menschen im Kriegsgebiet und auf der Flucht ist ein Gebot der Stunde", so Chalupka.

"Als Christen sind wir aufgerufen, in Frieden und Nächstenliebe miteinander zu leben. Deshalb ist ein Krieg immer eine Sünde, insbesondere wenn er gegen ein freies, souveränes Land geführt wird", betonte der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der den "Angriff Russlands auf die Ukraine" ausdrücklich verurteilte. Gleichzeitig rief der Erzbischof zum Gebet für die Opfer des Krieges auf: "Möge Gott der Herr Ihnen beistehen, sie vor Leid und Tod beschütze und der Ukraine wieder Frieden schenken."

Auch der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde, Jaron Engelmayer, betonte die allgemeine Sorge im Blick auf das Geschehen zwischen Russland und der Ukraine: "Wir beten für alle Bewohner der betroffenen Region, für schnelle Stabilisierung und baldigen Frieden. Derjenige, der Frieden in den Höhen stiftet, möge Frieden auf Erden schaffen - Schalom."

"Die Bilder, die uns aktuell aus der Ukraine erreichen, lassen uns sprachlos zurück", betonte auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural. Krieg auf europäischem Boden sei bis vor Kurzem nicht vorstellbar gewesen, ein tiefgreifender Einschnitt in die Weltordnung und ein Elend für die Opfer dieses Konflikts. "Wir stehen vereint im Gebet für den Frieden und für eine sichere Welt. Möge Gott das ukrainische Volk beschützen und ihm in diesen finsteren Tagen beistehen", so Vural.

Quelle: Agenturen