APA - Austria Presse Agentur

Für Platter ist Rücktritt von Geisler "nicht angedacht"

07. Juni 2020 · Lesedauer 4 min

Josef Geisler (ÖVP) bleibt trotz seines "Widerwärtiges Luder"-Sagers Landeshauptmannstellvertreter von Tirol. "Ein Rücktritt ist nicht angedacht", erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Auch in Bezug auf das viel kritisierte das Management der Coronakrise schloss Platter eine Regierungsumbildung vorerst aus. "Ich halte an meinem Team fest", betonte er.

Josef Geisler (ÖVP) bleibt trotz seines "Widerwärtiges Luder"-Sagers Landeshauptmannstellvertreter von Tirol. "Ein Rücktritt ist nicht angedacht", erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Auch in Bezug auf das viel kritisierte das Management der Coronakrise schloss Platter eine Regierungsumbildung vorerst aus. "Ich halte an meinem Team fest", betonte er.

Platter bekräftigte, dass Geislers Aussage gegenüber einer WWF-Aktivistin eine "inakzeptable Entgleisung" gewesen sei. Geisler habe sich sofort entschuldigt und mit der Frau telefoniert. Kommende Woche werde es auch - wie angekündigt - ein Treffen der beiden geben. Geisler sei aber ein gutes Regierungsmitglied, auf das man sich stets verlassen könne. Und, so Platter: "Ich weiß, dass es ihm unglaublich peinlich ist, dass ihm das passiert ist." Zudem verwies Platter darauf, dass es für einen von der oppositionellen Liste Fritz angekündigten Misstrauensantrag gegen Geisler im Landtag offenbar keine Mehrheit gibt. Nur die NEOS bekundeten bisher, dem Antrag zustimmen zu wollen.

Von einem machistischen Frauenbild in der Tiroler Politik wollte Platter nichts wissen. "Ich lasse die Frauen nicht im Stich", betonte er, er schätze Frauen in der Politik unglaublich. Sie dächten oft anders als Männer und rückten damit einiges zurecht.

Verfassungsminister Karoline Edtstadler (ÖVP) ist höchst empört über den frauenfeindlichen "Luder"-Sagers ihres Parteikollegen. Über diese Beschimpfung könne man nicht einfach hinweggehen, meinte sie in der ZiB2 des ORF am Sonntag. Explizit nach seinem Rücktritt verlangte sie aber nicht. "Welche Konsequenzen das nach sich zieht, das muss auch den Tiroler Gremien obliegen", meinte die Ministerin. Sie empfehle Geisler jedenfalls, mit Betroffenen von Beschimpfung und Verspottung darüber zu reden, was dies bei ihnen auslöse.

"Gewalt gegen Frauen beginnt sehr oft bei Worten", betonte Edtstadler unter Verweis auf die Tötung zweier Frauen in Kärnten am gestrigen Samstag. "Wir haben das jetzt wieder gesehen bei einem Doppelmord, das kommt nicht von heute auf morgen. Keiner wird von heute auf morgen zum Mörder, sondern da geht es ganz früh los, was in der Gesellschaft los ist und wie man Frauen gegenübertritt." Für sie sei die Sache ein Anlass, dass man sich gesamtgesellschaftlich des Themas wieder intensiv anzunehmen.

Personelle Konsequenzen in Hinblick auf das Corona-Management des Landes und der Vorgänge in Ischgl wird es aus Sicht Platters vorerst auch nicht geben. Man wolle zunächst den im Oktober erwarteten Kommissionsbericht abwarten. Dies gelte auch für ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Er, Platter, brauche zurzeit erfahrene Leute, um das Land wieder in Schwung zu bringen.

Auch sonst verteidigte er das Agieren des Landes im Umgang mit der Pandemie. Wenn man bedenke, dass man 3.500 Erkrankte in Tirol gehabt habe und nun nur noch zehn, sei dies "eine Erfolgsgeschichte, die ich mir nicht schlechtreden lasse". Nach dem ersten Fall habe man innerhalb von fünf Tagen die Wintersaison beendet.

Dies und die Isolation des Paznauntals sei die "schwierigste Entscheidung in meinem politischen Leben" gewesen, "aber sie war richtig". Klar sei aber, dass man mit dem Wissen von heute rückblickend nicht alles richtig gemacht haben könne. "Wichtig ist, dass alles genau aufgearbeitet wird, ohne Rücksicht auf Personen und Institutionen", so der Landeshauptmann.

Das Bild des Tourismus in Tirol werde falsch dargestellt, es gebe viel sanften Tourismus, Familienunternehmen und Gastfreundschaft. Eingriffe schloss er dennoch nicht aus: "Eine Eingrenzung des Apres Ski ist sinnvoll", meinte Platter, etwa zeitlich. Was er auch nicht wolle, seien Leute in den Orten, die nicht zum Skifahren kämen, sondern nur zum Party feiern.

Über Gerüchte, dass Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, eine Tirolerin, Ambitionen auf seine Nachfolge haben könnte, zeigte sich Platter amüsiert. Er sei 2018 für fünf Jahre gewählt worden, so lange wolle er jedenfalls im Amt bleiben. "Ich halte es mit Udo Jürgens: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", meinte er in Bezug auf seinen Geburtstag am Sonntag. Ob er dann nochmals anzutreten gedenke, werde er rechtzeitig bekannt geben.

Quelle: Agenturen