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Frauen-Gleichstellung ließe BIP um knappes Drittel wachsen

28. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Österreichs Wirtschaft leidet unter der finanziellen Benachteiligung von Frauen. Ungleiche Bezahlung ist dafür der Hauptursache.

Am 30. Oktober ist Equal Pay, der Tag, an dem Männer in Österreich bereits so viel verdient haben, wie eine Frau im ganzen Jahr. Frauen verdienen in Österreich um 17 Prozent weniger als Männer. Darunter leidet nicht nur jede einzelne Frau, sondern auch Österreichs Wirtschaft. Wären Frauen am Arbeitsmarkt gleichgestellt, würde das österreichische Bruttoinlandsprodukt um knapp ein Drittel, rund 123 Mrd. Euro, wachsen, zeigt eine grafische Auswertung des Momentum Instituts.

Der Hauptgrund für die große Einkommenslücke ist nach wie vor die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit. Frauen übernehmen in Österreich deutlich häufiger unbezahlte Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Pflege oder Hausarbeit. Das zwingt viele in Teilzeit, was wiederum zu einem Einkommens- und Pensionsverlust führt. Von rund 430.000 Menschen in Österreich, die wegen Betreuungspflichten Teilzeit arbeiten, sind 95 Prozent weiblich. Bezieht man Teilzeitbeschäftigte in die Rechnung mit ein, beträgt die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen 36 Prozent. Der Equal Pay Day fiele damit bereits auf den 22. August.

Weniger Geld für gleiche Arbeit

Im Jahr 2022 fiel der Equal Pay Day auf den 25. Oktober. Die Verbesserung um fünf Tage sei aber primär auf Einkommensverluste von Männern während der Pandemie zurückzuführen.

Durch die Reduktion von Erwerbsarbeitszeit und die Aufnahme von unbezahlter Arbeit entgingen einer Frau in den Pandemiejahren 2020 und 2021 laut Momentum-Institut im Schnitt etwa 38.000 Euro an Einkommen. Hätte man Frauen in Österreich diese unbezahlten Arbeitsstunden bezahlt, hätte ihnen das zusammen etwa 112 Milliarden Euro eingebracht.

Politik gefragt

Um die Gehaltsschere von jährlich 9.430 Euro brutto zu schmälern, brauche es Maßnahmen von politischer Seite, sind sich Gewerkschafterinnen einig. Die Bundesfrauenvorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) im ÖGB, Christa Hörmann fordert etwa einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes, eine bessere Anrechnung von Karenz- und Ausbildungszeiten und Konsequenzen für Unternehmen bei ungleicher Bezahlung. Grundsätzlich brauche es aber höhere Löhne und Gehälter in Niedriglohnbranchen, in denen vor allem Frauen beschäftigt sind.

Bessere Wirtschafts- und Finanzbildung

Damit Frauen frei entscheiden können, ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten wollen, brauche es auch das Wissen, welche Auswirkungen längere Teilzeitbeschäftigungen auf die Pension haben. Die Forderung einer verpflichtenden Wirtschafts- und Finanzbildung fächerübergreifend im schulischen Bereich sei bis jetzt nicht umgesetzt, so Karin Zeisel, Frauenvorsitzende der Fraktion Christlicher Gewerkschafter*innen in der Gewerkschaft GPA.

Der Gender Pay Gap ist aber nicht in jedem Bundesland gleich hoch. Vorarlbergerinnen erhalten um 24,7 Prozent weniger Jahreseinkommen als Männer, bei Wienerinnen beträgt der Unterschied "nur" 12 Prozent. Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl ist das Ergebnis gelungener Frauenpolitik: "In Wien schafft die Politik die Bedingungen: Es gibt sowohl genug ganztägige Kinderbildungseinrichtungen als auch ausreichend professionelle Pflegeangebote. Wenn das fehlt, sind das die zwei Haupthemmnisse für völlig gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben und somit an gerechten, gleichen Einkommen bis zu den Pensionen."

Quelle: Agenturen / frn