Franzobel zu Waffenlieferungen: "Müssen uns entscheiden, ob wir einen Atomkrieg riskieren"

04. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

In Deutschland und Österreich wird über Waffenlieferungen an die Ukraine debattiert. Bei den Politik-Insidern diskutieren unter der Moderation von Gundula Geiginger darüber die Journalistin Susanne Scholl und der Schriftsteller Franzobel.

Die Frage nach der Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine sorgt aktuell nicht nur in Deutschland für polarisierende öffentliche Debatten. Auch in Österreich sprechen sich Intellektuelle und Prominente gegen Waffenlieferungen aus. Schriftsteller Franzobel ist einer von ihnen. Er fürchtet Eskalation bis hin zum Atomkrieg. "Wir müssen uns entscheiden, ob wir jetzt einen Atomkrieg riskieren (...) oder ob wir bei den wirtschaftlichen Sanktionen bis zum Äußersten gehen", sagt er bei den Politik-Insidern auf PULS 24.

Journalistin Susanne Scholl hält dagegen, dass eine Eskalation natürlich nicht wünschenswert wäre, aber die Ukraine müsse in ihrer Selbstverteidigung unterstützt werden. "Die Alternative ist, dass die Ukraine sich auslöschen lässt und wir schauen aus unserer sicheren Entfernung, aus unseren Wohnzimmern zu", sagt sie. "Ich finde das unglaublich, sowas zu sagen."

"Nicht zu sehr den moralischen Vorteil des Opferseins in Anspruch nehmen"

Franzobel stört sich wiederum an den Äußerungen der Ukraine in Richtung der deutschen Regierung und des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. "Ich glaube, die Ukraine sollte nicht zu sehr diesen moralischen Vorteil des Opferseins in Anspruch nehmen", meint er. Und die Ukraine könne auch nicht Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) vorschreiben, wo er hinreisen könne.

Unterschiedlich beurteilen die Diskutanten auch die Reise von Kanzler Nehammer nach Moskau. Scholl meint, dass der Kanzler "offensichtlich nur nach Moskau gefahren ist, um dort, so nebenbei, zu sagen: Gell, wir kriegen eh weiterhin euer Gas", das sei "sehr problematisch". Franzobel hingegen meint, dass Nehammer "zumindest versucht hat, in einen Dialog zu treten".

"Sonderstellung für Donbas und Krim", um Weltkrieg zu verhindern

Eine Beendigung des Krieges sieht Franzobel nicht ohne Kompromisse, wenn diese auch schmerzen: "Bevor ich einen Dritten Weltkrieg riskiere, sag ich natürlich: Sonderstellung für den Donbas und die Krim und UNO-Soldaten, die das absichern. Selbstverständlich Abzug der Russen", so der Schriftsteller. Scholl hingegen findet, man könne nicht von einem souveränen Staat verlangen, ein Drittel seines Territoriums aufzugeben. Außerdem würde Putin dann nur immer neue Forderungen stellen.

Die Politik-Insider: Krieg in der Ukraine - Soll der Westen schwere Waffen liefern?

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos