Benedikt und FranziskusAPA/AFP/VATICAN MEDIA/Handout

Vatikan in Sorge: Benedikt XVI. ist "sehr krank"

28. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Im Vatikan bangt man um den ehemaligen Papst. Der Deutsche lebt seit seinem Rücktritt im Jahr 2013 in einem Kloster im Vatikan.

Papst Franziskus hat bei der Generalaudienz am Mittwoch zum Gebet für seinen Vorgänger Benedikt XVI. aufgerufen. "Ich möchte Sie alle um ein besonderes Gebet für den emeritierten Papst Benedikt bitten, der in der Stille die Kirche unterstützt. Denkt an ihn, er ist sehr krank, und bittet den Herrn, ihn zu trösten und ihn in diesem Zeugnis der Liebe zur Kirche bis zum Ende zu unterstützen", sagte Papst Franziskus am Ende der Generalaudienz.

"In den letzten Stunden ist eine Verschlechterung von Benedikts Gesundheitszustand aufgrund des fortschreitenden Alters eingetreten. Die Situation bleibt derzeit unter Kontrolle und wird von Ärzten ständig überwacht", sagte Papst-Sprecher Matteo Bruni gegenüber Journalisten. Im Anschluss an die Generalaudienz habe sich Papst Franziskus zum Kloster Mater Ecclesiae begeben, um den 95-jährigen Benedikt XVI. zu besuchen. "Wir schließen uns ihm im Gebet für den emeritierten Papst an", so Bruni.

Auch Kardinal Christoph Schönborn ermunterte die Gläubigen in Österreich, für das ehemalige Kirchenoberhaupt zu beten.

Atemprobleme

Der Zustand des emeritierten Papstes hatte sich bereits in den Tagen vor Weihnachten verschlechtert, als er vor allem unter "Atemproblemen" zu leiden begann, verlautete aus dem Vatikan. Benedikt XVI. verbrachte die Weihnachtsfeierlichkeiten im Kloster Mater Ecclesiae, wo in der kleinen Kapelle eine Hausmesse für ihn abgehalten wurde. Im dem Kloster im Vatikan lebt der Deutsche seit seinem Rücktritt im Jahr 2013.

Zuletzt hieß es seit Monaten, dass Benedikt körperlich schwach sei und kaum noch sprechen könne. Geistig aber sei er den Umständen entsprechend fit. Gelegentlich empfing Benedikt, der von seinem langjährigen Wegbegleiter Georg Gänswein sowie Ordensschwestern betreut wird, auch noch Besuch.

Müller: Benedikt ist "bereit"

Auch die katholischen Bischöfe in Deutschland riefen laut Kathpress zum Gebet für den aus dem oberbayerischen Marktl am Inn stammenden Ex-Papst auf. "Meine Gedanken sind beim emeritierten Papst. Ich rufe die Gläubigen in Deutschland auf, für Benedikt XVI. zu beten", sagte demnach der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte Benedikt am Montag als immer noch geistig fit bezeichnet. "Ich meine, dass es ihm trotz der Gebrechen des Alters von nunmehr 95 Jahren gut geht. Er ist bei wachem Verstand und geistig bereit, jederzeit vor seinen göttlichen Richter zu treten", sagte Müller. Damit gebe Benedikt - mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger - ein Beispiel frohen Gottvertrauens, das er jedem Menschen wünsche.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wünschte Benedikt XVI. "gute Genesung". "Seine Gedanken sind bei ihm", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann laut Kathpress am Mittwoch in Berlin.

Ratzinger war schon immer eine kontroverse Persönlichkeit. Er wurde von liberalen Katholiken kritisiert und von konservativen verehrt. Im Mittelpunkt der Debatte steht dabei vor allem die Rolle Ratzingers im scheinbar nie enden wollenden Missbrauchsskandal seiner Kirche.

Münchner Gutachten zu Missbrauch

Wenn es nach dem Vatikan geht, hat sich Benedikt XVI. in der Kirchengeschichte einen Platz als entschiedener Aufklärer des sexuellen Kindesmissbrauchs gesichert. Dieses Bild ist durch das im vergangenen Jänner veröffentlichte Münchner Missbrauchsgutachten erschüttert worden.

Die Kritik wurde umso schärfer, weil der emeritierte Papst in einer Stellungnahme zu dem Gutachten falsche Angaben gemacht hatte. Was für viele wie eine bewusste Falschdarstellung zum Selbstschutz wirkte, erklärten Benedikt und seine Berater zu einem erklärbaren Fehler - um in Person seines Privatsekretärs Georg Gänswein dann nachzulegen, es laufe in Deutschland einmal mehr eine Kampagne gegen Benedikt.

Der am 16. April 1927 geborene Ratzinger war vom 19. April 2005 bis zu seinem Rücktritt am 28. Februar 2013 der 265. Papst der römisch-katholischen Kirche. Zuvor war Ratzinger über 23 Jahre lang Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation und von 1977 bis 1982 Erzbischof von München-Freising.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap, koa