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Fragwürdige Vorwürfe gegen Uni Wien bei Treffen mit Putin

Eine russische Studentin, die am Mittwoch bei einem Treffen mit Wladimir Putin über ihre Diskriminierung als Russin in Österreich klagte und um einen Job in Kreml bat, hat dem russischen Präsidenten offenbar einen Bären aufgebunden.

Eine Petition der Universität Wien über Russland als Terrorstaat, deren Unterzeichnung Darja S. verweigert haben will, hat es laut einer Sprecherin der Uni in der beschriebenen Form nie gegeben.

Studentin bat Putin um Job

Nach einem langjährigen Aufenthalt in Österreich sei sie gezwungen gewesen, nach Russland zurückzukehren, da sie mit Diskriminierung als russische Staatsbürgerin konfrontiert worden sei, schilderte Darja S. in einem medienöffentlichen Gespräch des russischen Präsidenten mit Moskauer Studierenden. Auf Nachfrage Putins zum konkreten Vorkommnis sagte S.: "Ein paar Tage nach Beginn der militärischen Spezialoperation habe ich von meiner Universität ein Papier bekommen, wo Russland als Terrorstaat bezeichnet wurde und ich aufgefordert wurde, die Ukraine zu unterstützen". Sie habe dieses Papier nicht unterzeichnet, bekräftigte die Russin, die eigenen Angaben zuvor "Transnationale Kommunikation" an der Universität Wien studiert haben will.

Weitere Angaben über ihre angebliche Diskriminierung in Österreich blieb die Studentin schuldig. S. suggerierte gleichzeitig Kontakte zum Gouverneur der russischen Region Krasnodar und ersuchte Putin offen um einen Job im Kreml. "Es ist mein Traum, zum Wohl der Heimat zu arbeiten", begründete sie.

Universität Wien dementiert Vorfall

"Die Universität Wien stellt, klar, dass die getroffenen Aussagen falsch sind", erklärte eine Sprecherin der Universität am Freitag gegenüber der APA. Russland sei in Aussendungen nie als Terrorstaat bezeichnet worden und es habe auch keine Aufforderung gegeben, irgendwelche Unterstützungen zu unterschreiben. Die Sprecherin wies zudem darauf hin, dass es an der Uni Wien kein Studium "Transnationale Kommunikation" gebe. Angeboten wird lediglich das Bachelorstudium "Transkulturelle Kommunikation".

Russische Staatspropaganda berichtet von "Russophobie"

Berichte über "Russophobie" und die Benachteiligung von russischen Staatsbürgern in "unfreundlichen" Staaten, zu denen das offizielle Russland seit dem vergangenen Jahr auch Österreich zählt, gehören seit dem vergangenen Jahr zum Standardrepertoire der russischen Staatspropaganda.

"Im Rahmen eines verstärkenden Auftretens von 'Cancel culture' ist alles Russisches sowie alles, was mit Russland assoziiert wird, Hetze und Diskriminierung ausgesetzt", hatte das russische Außenamt bereits im vergangenen Juni eine diesbezügliche Situation in Österreich angeprangert. Derzeit beschäftigt sich die russische Staatsduma im Auftrag Putins mit einem Vorschlag, die Diskriminierung von im Ausland lebenden Russen zu einem Delikt im russischen Strafrecht zu machen.

ribbon Zusammenfassung
  • Eine russische Studentin, die am Mittwoch bei einem Treffen mit Wladimir Putin über ihre Diskriminierung als Russin in Österreich klagte und um einen Job in Kreml bat, hat dem russischen Präsidenten offenbar einen Bären aufgebunden.
  • Eine Petition der Universität Wien über Russland als Terrorstaat, deren Unterzeichnung Darja S. verweigert haben will, hat es laut einer Sprecherin der Uni in der beschriebenen Form nie gegeben