APA - Austria Presse Agentur

Facebook-Ausfall verschafft Telegram Rekordzuwachs

05. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Weit über sechs Stunden fielen Facebook, Instagram und Whatsapp am Montag aus. Die Nutzer liefen in Scharen zum Konkurrenten Telegram. 70 Millionen neue User meldeten sich an einem Tag an.

Telegram-Gründer Pawel Durow ätzte am Dienstag bei der Verkündung des Zuwachses in Richtung der Konkurrenz. "Wir haben mehr als 70 Millionen Nutzer von anderen Plattformen begrüßt", erklärte Durow. "Den neuen Nutzern will ich sagen: Willkommen bei Telegram, dem größten unabhängigen Messengerdienst", fügte Durow hinzu. "Wir werden euch nicht im Stich lassen, wenn andere es tun."

Facebook sowie die ebenfalls zum Konzern gehörenden Dienste Instagram und Whatsapp waren am Montag rund sieben Stunden lang ausgefallen. Facebook machte eine fehlerhafte Neukonfiguration von Routern für den Totalausfall der Plattformen verantwortlich und entschuldigte sich bei den Nutzern. Der Vorfall, von dem potenziell Milliarden Nutzer betroffen waren, machte auch die große Abhängigkeit vieler Menschen von den Diensten deutlich.

Telegram war 2013 von Pawel Durow und seinem Bruder Nikolai gegründet worden. Die Brüder hatten zuvor den russischen Online-Dienst Vkontakte entwickelt, der Facebook ähnelt. Im Jänner hatte Pawel Durow die Zahl der monatlich aktiven Telegram-Nutzer mit 500 Millionen angegeben.

Facebook schadet und schürt Hass: Ex-Mitarbeiterin übt im US-Kongress scharfe Kritik

Facebook musste am Dienstag einen weiteren Schlag hinnehmen. Frances Haugen, früher selbst Mitarbeiterin des Konzern, hat vor dem US-Kongress eine strenge Regulierung des Social-Media-Riesen gefordert. Die Whistleblowerin forderte vom US-Kongress, dass er handelt. "Ich glaube, dass die Produkte von Facebook Kindern schaden, Spaltung anheizen und unsere Demokratie schwächen", sagte die 37-Jährige vor einem Senatsausschuss. 

Demokratin fordert Facebook-Zerschlagung

"Ihre Zeit der Invasion in unsere Privatsphäre, der Verbreitung toxischer Inhalte und der Beutezüge gegen unsere Kinder und Teenager ist vorbei", warnte Senator Ed Markey, Autor diverser Gesetze zur Internet-Regulierung, in Richtung des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg. "Sie können mit uns zusammenarbeiten oder auch nicht - aber wir werden nicht länger zulassen, dass Ihr Unternehmen unseren Kindern, Familien und unserer Demokratie schadet", schimpfte der Demokrat. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez forderte sogar eine Zerschlagung des Konzerns. 

Zuckerberg: "Unlogisch"

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat die Vorwürfe von Haugen zurückgewiesen. "Das Argument, dass wir absichtlich Inhalte fördern, um Menschen für Geld wütend zu machen, ist zutiefst unlogisch", schrieb Zuckerberg am Dienstag auf seiner Internet-Plattform.  "Wir verdienen Geld mit Anzeigen und die Werbekunden sagen uns immer wieder, dass sie ihre Anzeigen nicht neben schädlichen oder wuterregenden Inhalten sehen wollen." Er kenne keinen Tech-Konzern, der Produkte herstelle, die Menschen wütend oder depressiv machten.

Quelle: Agenturen