EU-Sondergipfel: Ungarn bremst weiter bei Öl-Embargo

29. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kommen an diesem Montag in Brüssel zu einem weiteren Sondertreffen zum Ukraine-Krieg zusammen. Kurz vor Beginn zeichnet sich eine Einigung auf ein abgestuftes Öl-Embargo ab. Ungarn stellt sich weiterhin dagegen.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban forderte am noch am Nachmittag Garantien für eine Zustimmung zu einem Kompromiss. Zwar sei der Ansatz, Öllieferungen über Pipelines auszunehmen, "gut", aber Ungarn brauche Garantien für den Fall, dass die Pipeline blockiert werde, sagte Orban in Brüssel. Der EU-Kommission warf er "unverantwortliches Verhalten" "vor. "Zuerst brauchen wir Lösungen, dann Sanktionen."

Neben Ungarn hatten auch die Slowakei und Tschechien Einwände gegen das geplante Embargo geäußert. Alle drei Länder werden vor allem über die Druschba-Pipeline mit russischem Öl versorgt.

Vor dem Treffen gibt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ein Pressestatement ab.

Was wird aus dem Öl-Embargo 

Nach Angaben eines Diplomaten gibt es eine grundsätzliche Einigung auf ein Embargo. Demnach soll dieses in zwei Schritten greifen: zunächst nur für Schiffslieferungen und zu einem späteren Zeitpunkt auch für Pipeline-Öl. "Aber es ist verfrüht, jetzt ein Datum festzulegen", sagte der Diplomat weiter. Es müsse auf spezifische Bedürfnisse einzelner Länder eingegangen werden.

Ein weiterer EU-Diplomat zeigte sich zurückhaltender. Es sei unklar, ob Ungarns Regierungschef Viktor Orban dem vorliegenden Kompromiss zustimmen werde. Offen sei auch die Frage nach der Versorgung mit Öl über den nördlichen Teil der Druschba-Pipeline, über den Österreich, Polen und Deutschland den Rohstoff beziehen.

Deutschland und Polen bekräftigten vor dem Gipfel ihren Willen bekräftigt, bis zum Ende des Jahres einen Importstopp für russisches Öl zu verhängen. Dies gelte auch dann, wenn die EU mit Blick auf Ungarn und weitere Staaten Ausnahmen beim geplanten Ölembargo zulasse, hieß es aus Diplomatenkreisen in Brüssel. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich zuversichtlich, dass das Ölembargo zustande kommt: "Alles, was ich höre, klingt danach, als ob es einen Konsens geben könnte", sagte er. "Und früher oder später wird es den dann auch geben." Alle arbeiteten konstruktiv und mit dem Willen, sich zu einigen.

Vor dem Treffen gibt der deutsche Kanzler Olaf Scholz ein Pressestatement ab.

Sicherheit, Verteidigung, Selenskyj-Rede

Das geplante neue Strafpaket gegen Moskau, das sechste seit Beginn des Ukraine-Krieges Ende Februar, umfasst außerdem Sanktionen gegen weitere Kreml-nahe Persönlichkeiten, darunter das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, und die ehemalige Turnerin Alina Kabajewa, der enge Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin nachgesagt werden. Auch der Ausschluss von drei russischen Banken aus dem internationalen Finanzsystem SWIFT, darunter mit der Sberbank das größte Kreditinstitut des Landes, liegt auf dem Tisch.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sollte zum Beginn des Gipfels per Videokonferenz zugeschaltet werden. Eine zumindest grundsätzliche Einigung auf das Sanktionspaket galt daher als wichtig.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte sich am Montag vor Beginn des Gipfels (16.00 Uhr) zuversichtlich gezeigt, dass eine Übereinkunft auf ein Ölembargo gegen Russland möglich ist. Es habe am Sonntagnachmittag und Montagmorgen harte Gespräche gegeben, sagt Borrell dem Sender France Info. Bis Nachmittag könne eine Einigung stehen. Sollte keine Einigung erreicht werden, könnte auch das gesamte Sanktionspaket verschoben werden.

Der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber, forderte am Montag daher ein Ölembargo zur Not auch ohne Ungarn. "Wenn Ungarn nicht bereit ist, die Blockade aufzugeben, muss es möglich sein, den Langsamsten zurückzulassen, damit der Rest der EU vorangehen kann", sagte Weber den Sendern RTL und ntv. Orban dürfe der EU "nicht auf der Nase herumtanzen". Sanktionen müssten an sich von den 27 EU-Staaten einstimmig beschlossen werden. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) wird Österreich am Gipfel vertreten.

Quelle: Agenturen