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Ende von Null-Covid in China: Bis zu 90 Prozent werden sich anstecken

08. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Nach den Lockerungen der strikten Null-Covid-Politik in China rechnen Experten mit einer massiven Infektionswelle.

Die große Mehrheit der 1,4 Milliarden Chinesen wird sich nach Einschätzung eines chinesischen Regierungsberaters letztlich mit dem Coronavirus infizieren. Der frühere Vizedirektor des Gesundheitsamtes, Feng Zijian, geht davon aus, dass sich am Ende 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus anstecken werden, wie Staatsmedien am Donnerstag berichteten.

Prognose: Erste Corona-Welle trifft 60 Prozent

In der ersten Welle dürfte die Infektionsrate nach Modellrechnungen rund 60 Prozent erreichen. Es müssten "angemessene Maßnahmen" ergriffen werden, um den Höhepunkt dieser Welle niedrig zu halten und die Belastung des Gesundheitswesens zu verringern, sagte der Regierungsberater nach Angaben der Zeitung "Zhongguo Qingnianbao" bei einem Online-Forum der Pekinger Tsinghua-Universität.

Auch andere Fachleute warnten vor einem rasanten Anstieg der Infektionen. Ein europäischer Gesundheitsexperte in Peking erwartet ein "Rennen zwischen dem Virus und den Impfungen - mit etwas unbekanntem Ausgang in Bezug auf die Zahl der Toten". Der Höhepunkt der Welle werde "enormen Druck" auf das medizinische System ausüben, warnte wiederum Feng Zijian, der die Arbeitsgruppe der Regierung zum Umgang mit der Pandemie berät. Deswegen müssten Vorbereitungen getroffen werden.

Impfschutz lässt nach

Es sei wichtig, die Impfungen zu beschleunigen - besonders für ältere Menschen mit chronischen Krankheiten. Die gegenwärtigen Vakzine würden das Risiko einer schweren Krankheit sehr wirksam verringern, sagte der Regierungsberater. Wer nicht komplett geimpft sei, solle das möglichst schnell nachholen. Experten wiesen auch darauf hin, dass bei vielen Chinesen die letzten Impfungen oder der Booster schon längere Zeit her seien, was ein Problem sein könnte.

Folgen für Wirtschaft befürchtet

Die Infektionskurve abzuflachen werde die Pandemie aber auch verlängern, was weitere Belastungen für die Wirtschaft und das Leben der Menschen mit sich bringen dürfte, sagte Feng Zijian. Da müsse jede Stadt je nach Lage "Kompromisse" eingehen. Der Fachmann gehörte zu den acht Experten, die die Vizepremierministerin Sun Chunlan vergangene Woche beraten hatten, bevor sie von einem "neuen Stadium" im Vorgehen gegen das Virus sprach, das jetzt "weniger krankheitserregend" sei.

Nach einer Protestwelle Ende November gegen die drakonischen Null-Covid-Maßnahmen hatte die Regierung am Mittwoch eine Kehrtwende hingelegt und weitreichende Erleichterungen bei Lockdowns, Quarantäneregeln, Testpflicht und Reisen in China angekündigt. So soll es für Infizierte ohne Symptome oder mit leichten Krankheitsverläufen grundsätzlich möglich sein, zuhause in Isolation zu gehen. Auch Kontaktpersonen droht nicht mehr wie bisher das Quarantäne-Lager. Sie sollen sich ebenfalls zuhause isolieren können.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam