APA - Austria Presse Agentur

Dutzende Festnahmen nach Protesten in Serbien

11. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

Bei Protesten gegen die Corona-Politik der serbischen Regierung sind am Freitag 71 Menschen festgenommen worden. Unter ihnen seien "viele ausländische Staatsbürger", sagte Polizeichef Vladimir Rebic am Samstag. Vor dem Parlamentsgebäude in Belgrad hatte es am Freitag den vierten Tag in Folge Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Einige stürmten dabei das Gebäude.

Die Festgenommenen seien unter anderem aus Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Großbritannien und Tunesien, sagte Rebic. Er kündigte an, diese "ausländischen Faktoren" bei den Ermittlungen zu den Demonstrationen zu berücksichtigen.

Auch am Freitag hatten wieder tausende Menschen in mehreren serbischen Städten gegen das Corona-Management der Regierung demonstriert. Die meisten Teilnehmer waren friedlich, einige Gruppen warfen jedoch mit Steinen und Feuerwerkskörpern auf Polizisten, wie AFP-Reporter berichteten. Nach Angaben des Polizeichefs wurden 14 Beamte verletzt, seit Beginn der Proteste am Dienstag stieg der Zahl der verletzten Polizisten demnach auf 130.

Eine Gruppe junger Männer durchbrach das Metallgeländer vor dem Parlament und drang patriotische Lieder singend in das Gebäude ein. Die Randalierer wurden dort jedoch von Polizisten erwartet, die sie wieder aus dem Gebäude herausdrängten und eine Kette um den Eingang bildeten. Die Polizisten wurden daraufhin etwa eine halbe Stunde mit Flaschen und Fackeln beworfen.

Auch Journalisten und fotografierende Demonstranten wurden von Randalierern angegriffen. Noch am Vorabend hatten Demonstranten bei einer Sitzkundgebung Randalierer erfolgreich am Eindringen in das Parlament gehindert.

Die Demonstrationen richten sich vor allem gegen Präsident Aleksandar Vucic. Ihm wird vorgeworfen, durch zu frühe Lockerungen der Corona-Maßnahmen eine zweite Ansteckungswelle begünstigt zu haben. Vucic habe dies in Kauf genommen, damit am 21. Juni die Parlamentswahlen stattfinden konnten. Seine regierende Fortschrittspartei (SNS) ging als klare Siegerin aus der Wahl hervor.

Quelle: Agenturen