AFP

Drei weitere Todesurteile im Iran - Haft für Fußballer

09. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Im Iran hat die Justiz drei weitere Todesurteile im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten gesprochen.

Wie das Justizportal Misan am Montag mitteilte, wird den Verurteilten zur Last gelegt, im November drei Sicherheitsbeamte in der Millionenstadt Isfahan im Zentraliran getötet zu haben. Gegen die Urteile kann noch Berufung eingelegt werden.

Ex-Fußballer zu 26 Jahre Haft verurteilt

In dem Prozess wurden zudem gegen fünf weitere Männer Haftstrafen verhängt, unter ihnen der ehemalige Fußballprofi Amir Nasr-Asadani. Er wurde in drei Anklagepunkten zu insgesamt 26 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein weiterer Mann wurde demnach freigesprochen.

Proteste gegen Hinrichtungen

Zuvor hatten zahlreiche Menschen gegen die bevorstehende Hinrichtung zweier junger Demonstranten protestiert. Prominente Aktivisten und Nutzer sozialer Medien berichteten in der Nacht auf Montag von Menschenmengen, die sich vor einem Gefängnis nahe der Hauptstadt Teheran versammelten. Auch Angehörige eilten demnach zur berüchtigten Gohardasht-Haftanstalt in Karaj, um gegen die Hinrichtung der beiden Verurteilten Mohammed G. und Mohammed B. zu demonstrieren.

Zuvor hatten Nutzer in Online-Medien gemeldet, dass deren Exekution unmittelbar bevorsteht. Nach Recherchen der "New York Times" ist Mohammed G. 19 Jahre alt. Er wurde in Karaj festgenommen. Die iranische Justiz hatte ihn zum Tode verurteilt, weil er ein Regierungsgebäude in Brand gesteckt und einen Sicherheitsbeamten verletzt haben soll. Mohammed B. (22) ist Friseur und wurde in Teheran kurz nach Ausbruch der Proteste Ende September festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, einen Polizisten überfahren zu haben.

Bereits am Samstag hatte der Iran zwei junge Männer erhängt. Mohammed-Mehdi K. (22) und Seyed-Mohammed H. (39) wurden für den Tod eines Sicherheitsbeamten bei Protesten im November verantwortlich gemacht. Im Zusammenhang mit den systemkritischen Demonstrationen waren auch im Dezember Todesurteile gegen zwei Männer vollstreckt worden.

Scholz: "Das ist entsetzlich"

Deutschland, Frankreich, Dänemark und Norwegen zitierten die iranischen Botschafter in ihren Ländern in die Außenministerien. Das iranische Regime setze "auf die Todesstrafe als Mittel der Unterdrückung. Das ist entsetzlich", schrieb der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Montag auf Twitter. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte, dem iranischen Botschafter solle unmissverständlich klargemacht werden, "dass die brutale Repression, die Unterdrückung und die Terrorisierung der eigenen Bevölkerung sowie die jüngsten beiden Hinrichtungen nicht ohne Folge bleiben".

Dem Botschafter sei erklärt worden, dass Frankreich die Hinrichtungen und Repressionen im Iran aufs Schärfste verurteilt, teilte das Außenministerium in Paris am Montag mit. Zu den Todesurteilen und Hinrichtungen kämen weitere schwere und inakzeptable Verletzungen der Grundrechte und -freiheiten durch die iranischen Behörden hinzu. All dies sei keine Antwort auf die legitimen Freiheitsbestrebungen des iranischen Volkes. "Diese Hinrichtungen sind empörend", sagte Außenministerin Catherine Colonna. Frankreich lehne die Todesstrafe an jedem Ort und unter allen Umständen ab.

Auch Dänemark und Norwegen zitierten die iranischen Botschafter in ihren Ländern in die Außenministerien. Die iranische Botschafterin sei am Montagnachmittag zu einem Gespräch im Außenministerium in Kopenhagen gewesen, teilte das dänische Außenministerium im Anschluss mit. Die Hinrichtung der beiden jungen iranischen Demonstranten sei inakzeptabel, erklärte Außenminister Lars Løkke Rasmussen. Dies habe man der iranischen Führung nun sehr deutlich gemacht. Auch im Nicht-EU-Land Norwegen wurde der iranische Botschafter für Dienstag ins Außenministerium zitiert, wie das Ministerium der Zeitung "Verdens Gang" bestätigte.

Sonntag: Größte Demonstrationen seit über einem Monat

Die in Washington ansässige Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtet indes, dass die regimekritischen Demonstrationen am Sonntag die größten seit mehr als einem Monat gewesen seien. Demnach gingen Iranerinnen und Iraner in mindestens 17 Städten auf die Straßen, um anlässlich des dritten Jahrestags des Abschusses einer ukrainischen Passagiermaschine durch Irans Revolutionsgarden (IRGC) zu protestieren. Bei dem Abschuss inmitten militärischer Spannungen mit den USA waren alle 176 Insassen gestorben. In einem Abschlussbericht sprach der Iran von einem "menschlichen Fehler" und erklärte sich bereit, Schadenersatz zu zahlen. Angehörige sind bis heute der Meinung, dass die Verantwortlichen nicht ausreichend zur Rechenschaft gezogen wurden.

Auslöser der landesweiten Proteste im Iran war der Tod von Jina Mahsa Amini am 16. September 2022 in Polizeigewahrsam. Die iranische Kurdin war von der sogenannten Sittenpolizei wegen Verstoßes gegen die im Iran geltenden islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden.

Quelle: Agenturen