Ron DeSantis und Donald TrumpAPA/AFP/SAUL LOEB

Trump gegen DeSantis: Zerfleischen sich die Republikaner im Wahlkampf?

08. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Lange schwelte der Konflikt zwischen Ex-US-Präsident Donald Trump und dem Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, unter der Oberfläche. Jetzt ist er auch öffentlich zu Tage getreten.

Die Midterms in den USA bieten ein breites Feld für Spekulationen, wer bei den Republikanern in das Rennen um das Weiße Haus 2024 gehen könnte. Es könnte zu einem Showdown zwischen dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump und Floridas Gouverneur Ron DeSantis kommen.

Keine Wahlkampf-Einladung für DeSantis

Gerüchte über eine Fehde zwischen Trump und DeSantis traten am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erscheinung. Mehreren Medienberichten zufolge war DeSantis nicht zur Wahlveranstaltung von Trump in Miami für Senator Marco Rubio eingeladen und DeSantis fragte auch nicht danach. DeSantis hielt unterdessen seine eigenen Veranstaltungen.

"Wir gewinnen groß, groß, groß in der Republikanischen Partei für die Nominierung wie es niemand zuvor gesehen hat", sagte Trump in Pennsylvania und zeigte auf die neueste Umfrage zu den Chancen möglicher republikanischer Präsidentschaftskandidat zu werden. "Lasst uns sehen, da ist sie: Trump bei 71. Ron DeSanctimonious (Ron der Scheinheilige, Anm.) bei 10 Prozent".

Umfragen der "New York Times" und des Siena College vom Juli dieses Jahres sahen Trump als den populärsten Republikaner-Kandidaten, DeSantis aber auch als populärste Alternative zu Trump.

Trump war umgehend mit Gegenreaktionen von allen Seiten konfrontiert, auch der ehemalige Außenminister Mike Pompeo rückte zur Verteidigung von DeSantis aus. "Du hast bewiesen, dass konservative Inhalte funktionieren."

Anhänger:innen von DeSantis aber auch Trump nahe stehende Menschen "drückten Zorn und Abscheu" gegenüber den Aussagen Trumps aus, wie CBS-Journalist Robert Costa schrieb. DeSantis solle weiter in Richtung Präsidentschaft vorangehen. DeSantis selbst spielte Bestrebungen für das Weiße Hause herunter. In der Vergangenheit setze er jedoch Akzente, wie Migrant:innen nach Martha's Vineyard senden zu wollen, unterstützte Trump-Kritiker:innen und sammelte eine Rekordmenge an Spenden für seine Wiederwahl in Florida.

Donald Trump sieht das mit Groll. Seine Anwältin Alina Habba erklärte, dass "DeSantis in Florida bleiben muss". "Bleib, wo du bist. Du machts einen großartigen Job in Florida." Und weiter: "DeSantis ist DeSantis wegen Trump".

Erste Ergebnisse Mittwochfrüh

Die erste Welle von Ergebnissen dürfte am Mittwoch zwischen 01.00 und 02.00 Uhr MEZ auf uns zukommen. Denn dann schließen in mehreren Bundesstaaten an der Ostküste die Wahllokale. Ein erster Trend könnte sich bereits abzeichnen, sollten die Republikaner das voraussichtlich enge Rennen klar für sich entscheiden, wie das um einen Senatssitz in North Carolina.

Richtig spannend könnte es dann gegen 04.00 oder 05.00 Uhr MEZ werden, meint Politik-Experte Kyle Kondik von der University of Virginia. Denn dann haben auch die Wahllokale im Mittleren Westen seit einer Weile geschlossen. Womöglich verfügen die Republikaner dann über so viel Momentum, dass Expert:innen einzelner US-Medienanstalten sich mit Prognosen hervorwagen, wer die Kontrolle über das Repräsentantenhaus im neuen Kongress haben wird.

Auszählung könnte Wochen dauern

Ist das Rennen um die Abgeordnetenkammer aber auch dann noch eng, wenn diesseits des Atlantiks fast schon der Morgen graut und die Hochrechnungen zu Dutzenden hart umkämpften Sitzen an der Westküste reinkommen, könnte es nach Einschätzung von Expert:innen wohl Tage dauern, bevor feststeht, wer künftig im Repräsentantenhaus an der Macht ist.

In Kalifornien etwa dauert es oft Wochen, bis alle Stimmzettel ausgezählt sind, da in dem Bundesstaat auch Briefwahlunterlagen berücksichtigt werden, wenn sie erst Tage nach der Wahl eingehen, so lange die Umschläge spätestens am Wahltag selbst abgestempelt wurden, also am 08. November. Auch Nevada und der Bundesstaat Washington handhaben dies so.

Stichwahl in Georgia möglich

Was den Senat angeht, so könnte es ebenfalls länger dauern, bis der Vorsitz der Kammer entschieden ist. Womöglich sogar Wochen. Denn den Ausschlag könnten Pennsylvania, Arizona oder Georgia geben. Und in diesen Staaten deuten Umfragen auf besonders knappe Ausgänge hin. Sollte es insbesondere in Georgia so eng ausgehen wie erwartet und keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, wird automatisch eine Stichwahl am 06. Dezember angesetzt. Das bedeutet, dass womöglich bis dahin offenbleibt, welche Partei den Senat kontrolliert, wenn der neue Kongress am 03. Jänner 2023 vereidigt wird.

Maximilian SperaQuelle: Agenturen / Redaktion / msp