Diakonie: "Familienbonus erreicht die ärmsten Kinder nicht"

02. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Die "Sonder-Familienbeihilfe" sei sicher sinnvoll, die Erhöhung des Familienbonus aber nicht treffsicher, meint der stellvertretende Direktor der Diakonie, Martin Schenk, im Gespräch mit PULS 24. Gerade die, die es am nötigsten brauchen, würden davon nicht profitieren.

Besonders "vier Gruppen" seien derzeit von der hohen Inflation "stark gefährdet": Alleinerzieher:innen, Familien mit chronisch Kranken, Familien mit Problemen bei den Wohnkosten und Familien mit Arbeitslosigkeit, meint der stellvertretende Direktor der Diakonie, Martin Schenk.

Hier seien die 180 Euro pro Kind im Rahmen der "Sonder-Familienbeihilfe" "sicher richtig", auch in Hinblick auf den Schulstart, der Eltern ungefähr "100 bis 300 Euro" koste. Auch den Kindermehrbetrag hält Schenk für sinnvoll – das helfe Familien, die in prekären Bereichen erwerbstätig sind.

"Familienbonus erreicht die ärmsten Kinder nicht"

"Nicht so g'scheit" findet Schenk die Erhöhung des Familienbonus. Denn die Unterstützung fließe ganz stark "in die obere Mitte", während "die ärmsten 100.000 Kinder" nicht erreicht würden. Hier gebe es noch Nachbesserungsbedarf, so der Experte. Der Familienbonus wurde für das Jahr 2022 auf 2.000 Euro erhöht.

Der Familienbonus müsse deshalb "negativsteuerfähig" gemacht werden. Das käme dann jenen Familien zugute, die zwar arbeiten aber keine Steuern zahlen. Außerdem brauche es eine Reform des Unterhaltsrechts, diese stehe bereits im Regierungsprogramm, sei aber noch nicht umgesetzt. So bekomme derzeit ein Drittel der Kinder keinen Unterhalt. Auch eine Kindergrundsicherung müsse man andenken, meint Schenk.

Arme Kinder haben kaum Chancen auf höhere Bildung

Zwar gebe es in Österreich eine geringe Kinderarmut aufgrund des Soziallsystems. "Aber wir schaffen es nicht, (...) Kinder aus Haushalten, wo die Eltern weniger Geld haben, zu höheren Bildungsabschlüssen zu bringen" – "es soll jeder dort bleiben, wo er ist", laute das Credo. Um das zu ändern, brauche es laut Schenk Reformen im Bildungsbereich, unter anderem den Ausbau von Ganztagsschulen.

Armutsgefährdete Familien können sich laut Schenk an diverse Einrichtungen richten: Der "Wohnschirm" habe Anlaufstellen in allen Bundesländern und helfe beim Ausgleichen von Mietrückständen. Einige Bundesländer würden auch mobiles Familiencoaching anbieten. Ansonsten rät der Experte, zum Telefon zu greifen und "Rat auf Draht" zu rufen bzw. sich an die Caritas, Diakonie, Volkshilfe oder das Hilfswerk zu wenden.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp