APA - Austria Presse Agentur

Deutschlands Gesundheitsminister kündigt mehr Freiheiten für Geimpfte an

04. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Wer gegen das Coronavirus geimpft ist, soll nach Plänen von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bald Freiheiten zurückbekommen.

"Wer vollständig geimpft wurde, kann in Zukunft wie jemand behandelt werden, der negativ getestet wurde", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". Hintergrund sei eine Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI), wonach die Test- und Quarantänepflicht für vollständig Geimpfte zügig aufgehoben werden könne, berichtet das Blatt.

Wenn die dritte Welle der Corona-Pandemie abklingt, soll diese Grundsatzentscheidung zum Tragen kommen. "Wer geimpft ist, kann ohne weiteren Test ins Geschäft oder zum Friseur", sagte Spahn. Zudem müssten nach Einschätzung des RKI vollständig Geimpfte auch nicht mehr in Quarantäne.

Risiko geringer als bei negativem Antigen-Schnelltest

Grundlage für die Pläne sei eine Auswertung jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse durch das RKI, schreibt das Blatt. Das Institut schätz das Risiko einer Virusübertragung bei Geimpften geringer ein als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen". Das gilt bei vollständig Geimpften, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Erhalt der zweiten Impfdosis.

Umsetzung in den nächsten Wochen

Der RKI-Bericht wurde laut "BamS" am Samstag an die Bundesländer verschickt. Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte das Institut um eine Analyse gebeten, ob und wann die Einbeziehung Geimpfter in Testkonzepte "möglicherweise obsolet" wird. Spahn will die Test- und Quarantänebefreiung für Geimpfte zügig in den nächsten Wochen umsetzen. "Wir werden diese Erkenntnisse nun zeitnah in Gesprächen mit den Ländern in die Praxis bringen", sagte der Minister dem Blatt.

Erst nach zweiter Impfdosis 

Zustimmung signalisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Ich unterstütze diesen Vorschlag, weil es sich gezeigt hat, dass Geimpfte sich nur noch selten anstecken und sie wahrscheinlich bei Ansteckung nicht mehr ansteckend für andere sind", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Allerdings hob auch er hervor, solche Erleichterungen sollten erst bei vollständiger Impfung gelten, also in der Regel nach der zweiten Impfdosis.

Einheitliches Bundesgesetz ...

Innenminister Horst Seehofer (CSU) betonte, die Corona-Regeln sollten einheitlich per Bundesgesetz verankert werden. "Dieses Gesetz sollte genau vorschreiben, welche Schritte bei den jeweiligen Inzidenzwerten unternommen werden müssten - von der Verschärfung bis zur Lockerung", sagte er der "Welt am Sonntag". Ein Bundesgesetz könne in kürzester Zeit beschlossen werden. "Da es wie alle Bundesgesetze durch den Bundestag und den Bundesrat verabschiedet würde, wäre auch größtmögliche Legitimation hergestellt, was die Opposition immer wieder gefordert hat."

... statt Flickenteppich

Auch CSU-Chef Markus Söder plädierte für ein Bundesgesetz. Der "Bild am Sonntag" sagte Bayerns Ministerpräsident: "Um Corona effektiv zu bekämpfen, braucht es einen einheitlichen bundesweiten Pandemieplan anstelle eines Flickenteppichs mit unüberschaubaren Regeln in den einzelnen Bundesländern." Zudem sei zu überlegen, ob ein erneuter kurzer, aber dafür konsequenterer Lockdown nicht ein besserer Weg wäre als ein "halbherziges und dafür endloses Corona-Konzept, das die Zahlen der Neuinfektionen auch nicht wirklich reduziert hat".

AfD: "Impfpflicht durch die Hintertür"

Kritik kam aus der AfD. Deren Bundestags-Fraktionschefin Alice Weidel warnte in Berlin vor einer "Impfpflicht durch die Hintertür". "Mit diesem Vorgehen sät die Bundesregierung einen Spaltpilz in die Gesellschaft" und es drohe eine "Zwei-Klassen-Gesellschaft", erklärte Weidel weiter. Sie forderte, Corona-Einschränkungen für alle Bürgerinnen und Bürger aufzuheben, egal ob diese getestet oder geimpft wurden oder auch nicht.

Bisher sind nur gut fünf Prozent aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland vollständig geimpft. Ihre Zahl dürfte in den kommenden Wochen und Monaten jedoch deutlich steigen.
 

Quelle: Agenturen / lam