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Deutschland will Cyber-Security-Chef wegen Russland-Kontakten ablösen

10. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Arne Schönbohm, Chef des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dürfte laut mehreren Medienberichten in Kürze seinen Posten verlieren. Der Grund: Seine engen Kontakte zu einem Verein den er selbst mitbegründet hat - und der Verbindungen nach Russland hat.

Beim Verein "Cyber-Sicherheitsrat Deutschland", von Schönbohm mitgegründet, ist seit 2020 laut "Business Insider" auch eine Person Mitglied, die angeblich IT-Sicherheitssoftware "Made in Germany" vertreibt. Dahinter soll in Wirklichkeit aber eine russische Firma stecken. Das Unternehmen wurde von einem Ex-KGB-Mann gegründet. Russlands Präsident Wladimir Putin verlieh dem Mann eine Ehrenmedaille. 

"Cyberclown" in Ungnade gefallen?

Als "Cyberclown" bezeichneten ZDF-Satiriker Jan Böhmermann und sein Team den BSI-Chef, als sie die Verbindung aufdeckten. Deutschlands Innenministerin Nancy Fraser (SPD) soll Arne Schönbohm das Vertrauen seither entzogen haben. Offiziell will man das im Ministerium weder bestätigen noch dementieren. Auf Anfrage des "Spiegel" teilte man mit, dem Sachverhalt aktuell "genau" nachzugehen. "Alle Optionen werden geprüft, wie mit der Situation nun umgegangen wird." 

Schönbohms Verein wird seit Jahren kritisiert. Schon bei seiner Bestellung 2015 hieß es, dass sich das Innenministerium schon mehrfach von dem Lobbyisten distanziert hätte. 2019 wurde auch die Russlandnähe des "Cyber-Sicherheitsrat Deutschland" öffentlich angeprangert. Schönbohm soll daraufhin dafür gesorgt haben, dass seine Angestellten nicht mehr öffentlich mit Vereinsmitgliedern auftreten.

Vereins-Rede vom Ministerium abgesegnet

Er selbst beherzigte das nicht. Erst im September hielt der BSI-Präsident eine Festrede zum 10. Jubiläum und bezeichnete den Verein als "Impulsgeber und Austauschplattform". Schönbohm hat die Leitung des Vereins schon vor Jahren abgegeben und sich vor der Rede offenbar abgesichert. Der Staatssekretär von Innenministerin Nancy Fraser hatte die Rede genehmigt.  

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam