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Deutlicher Rückgang der Berichterstattung über Frauenpolitik

Die mediale Berichterstattung über frauenpolitische Themen ist zuletzt stark zurückgegangen. Im Vergleich zum Jahr davor wurde 2022 weniger als halb so viel über Vereinbarkeitsfragen, Lohngerechtigkeit oder andere frauenpolitische Inhalte berichtet, zeigt die Studie "Frauen-Politik-Medien", die von der Agentur Media Affairs durchgeführt wurde. "2022 legte die Frauenpolitik eine Vollbremsung hin", stellte Studienautorin Maria Pernegger bei einer Pressekonferenz am Montag fest.

"Frauenpolitik erlebt seit einigen Jahren einen ganz starken Aufmerksamkeitseinbruch", sprach Pernegger von einer "dramatischen Entwicklung". Aktuelle Krisen wie der Krieg in Europa und die Teuerungswelle verdrängten frauenpolitische Inhalte von der medialen Bildfläche. Begonnen habe der Rückgang mit der Coronapandemie, so Pernegger. Dabei würden Themen wie die Teuerung Frauen besonders stark betreffen.

Nach wie vor am dominantesten in der frauenpolitischen Berichterstattung sind Themen, bei denen es um Gewalt an Frauen geht. Rund ein Drittel der Berichterstattung beschäftigte sich 2022 damit. An zweiter und dritter Stelle im politischen und medialen Diskurs folgten Hass im Netz (gegen Frauen) und Abtreibung.

Andere Themen wie die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt, Frauenpensionen oder die Bekämpfung von Sexismus seien dagegen unter der Wahrnehmungsschwelle geblieben, heißt es in der Studie. Auch die Debatten über Frauenquoten, Lohngerechtigkeit oder Frauenarmut zählten zu den Verlierern bei der politischen und medialen Aufmerksamkeit. Das Ausscheiden der Ministerinnen Margarete Schramböck und Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) aus der Regierung habe sich außerdem negativ auf die mediale Sichtbarkeit von Frauen in der Spitzenpolitik ausgewirkt.

"In all den Krisen, die wir in den letzten Jahren miterlebt haben, haben wir gesehen, dass Frauen nicht nur besonders belastet sind, sondern auch das System am Laufen halten", sagte Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales der Arbeiterkammer Wien. Deshalb verwundere es besonders, dass die Sichtbarkeit von Frauen und frauenpolitischen Anliegen so stark zurückgegangen sei. "Dass die Frauenpolitik im Stillstand und im Schweigen verharrt, das spiegelt sich auch in der Berichterstattung wider", so Stilling. Dringendstes frauenpolitisches Anliegen ist ihrer Meinung nach die Sichtbarkeit, also dass Frauen "nicht nur als Gewaltbetroffene wahrgenommen werden".

Fokus der aktuellen Studie war das Thema "Frauen und Geld", laut Pernegger ein "komplettes Randthema". Lediglich rund um den Equal Pay Day sei ein Anstieg der Berichterstattung zur finanziellen Situation von Frauen zu beobachten. "Drei Viertel der Berichte kommen über die bloße Bestandsaufnahme nicht hinaus. Nur ein Viertel der Berichte, in denen es um Frauen und Geld geht, bieten konkrete Lösungen an", beklagte Pernegger. In der allgemeinen Finanz- und Bankenberichterstattung finde sich zu 84 Prozent die Expertise von Männern und nur zu 16 Prozent jene von Frauen, wies Pernegger auf eine weitere Schieflage hin.

Für die Studie, die in Kooperation mit Acredia, Arbeiterkammer Wien und Raiffeisen Capital Management erstellt wurde, wurden die Printausgaben von "Kronen Zeitung", "Österreich", "Heute", "Der Standard", "Die Presse" und "Kurier" sowie die "Zeit im Bild" und die "ZiB 2" im Zeitraum 1. Jänner bis 31. Dezember 2022 analysiert.

Für die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski ist es "völlig inakzeptabel", dass "wir gerade den Bedürfnissen der Frauen medial weniger Aufmerksamkeit schenken". Sie sprach sich in einer Aussendung in Reaktion auf die Studie unter anderem für verpflichtende Lohntransparenz für Unternehmen ab 35 Mitarbeitenden und eine faire Verteilung der unbezahlten Sorge-Arbeit aus. "Unsere Vorschläge sind dem Koalitionspartner bekannt und können sofort umgesetzt werden", appellierte Disoski an die ÖVP.

Auch SPÖ-Frauensprecherin Eva-Maria Holzleitner erneuerte angesichts der Studienergebnisse ihre Forderungen nach Lohntransparenz und einer gerechten Verteilung von Lohn- und Care-Arbeit. "Es wundert mich nicht, dass frauenpolitische Themen an Präsenz verlieren, bei einer Frauenministerin, für die Frauenpolitik scheinbar selbst nur ein Randthema ist", kritisierte sie ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab in einer Aussendung.

(S E R V I C E - www.mediaaffairs.at/aktuellebeitraege/gesellschaft/frauenstudie2022.html)

ribbon Zusammenfassung
  • Die mediale Berichterstattung über frauenpolitische Themen ist zuletzt stark zurückgegangen.
  • Im Vergleich zum Jahr davor wurde 2022 weniger als halb so viel über Vereinbarkeitsfragen, Lohngerechtigkeit oder andere frauenpolitische Inhalte berichtet, zeigt die Studie "Frauen-Politik-Medien", die von der Agentur Media Affairs durchgeführt wurde.
  • Dabei würden Themen wie die Teuerung Frauen besonders stark betreffen.