Der Lobautunnel wird nicht gebaut: Eine gute Nachricht für die Umwelt?

01. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Der Wiener Lobautunnel wird also nicht gebaut. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) erteilte dem Bau eine Absage. Verkehrsexperten sehen die Entscheidung differenziert.

Der umstrittene Lobautunnel, der als Teil der Wiener Außenring-Schnellstraße vorgesehen war, wird nicht gebaut. Das hat Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Mittwoch offiziell verkündet. Die von ihr eingeleitete Projektevaluierung hat sich gegen einen Bau in dem Naturschutzgebiet ausgesprochen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) reagierte auf die Entscheidung sichtlich verständnislos: Er spricht von einer "Pflanzerei" und sagt, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Umweltschutzorganisationen jubeln hingegen. WWF sprach etwa von einem "Meilenstein im Klima- und Bodenschutz".

Die Entscheidung der Ministerin ist also umstritten - PULS 24 hat zwei Experten gefragt, deren Meinung unterschiedlicher nicht ausfallen könnte.

Tunnel hätte Pendlern nichts gebracht

Für Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist der "Nicht-Bau eines Tunnels, der durch einen Nationalpark geht aus Umweltsicht zu begrüßen". Man müsse nur an die Bodenversiegelung, die CO2-Emissionen und die Umweltschäden beim Bau denken. 

Auch aus Verkehrssicht sei der Tunnel aber abzulehnen, so Gratzer: Je mehr Straßen gebaut werden, desto mehr Verkehr entstehe, ist Gratzer überzeugt. Die Idee des Straßenausbaus um Verkehrsprobleme zu lösen sei veraltet und "gescheitert". Der teure Tunnelausbau um 2 Milliarden Euro hätte zudem lange gebraucht. Erst 2030 wäre der Tunnel fertig gewesen, deswegen hätte er den Pendlern aus Niederösterreich wenig gebracht. 

"Es braucht jetzt Lösungen", sagt Gratzer und fordert, dass statt der Autobahn mehr auf Öffis gesetzt werde. Der LKW-Verkehr soll vermehrt auf Schiene verlagert werden. Auf der Südosttangente seien 90 Prozent PKWS unterwegs - mit meist nur einem Insassen. Fahrgemeinschaften könnten helfen. 

Umwelt und Menschen sind die Leidtragenden

Gänzlich anders sieht das Bernhard Wiesinger vom ÖAMTC. "Die Leidtragenden dieser Entscheidung sind die Menschen und die Umwelt", sagt er. Denn ohne den Tunnel werde der Stau auf der Südosttangente noch schlimmer. Schon jetzt staue es dort an 180 Tagen im Jahr - alle Autofahrer zusammen würden dabei 4.900 Jahre im Stau stehen.

Die Staus würden pro Jahr Kosten in der Höhe von 500 Millionen Euro verursachen und 75.000 Tonnen CO2 produzieren - das sei 1,5 mal so viel, wie der Inlandsflugverkehr in Österreich freisetzt. Auch die Bewohner der Donaustadt würden draufzahlen. Denn sie behalten den Durchzugsverkehr und bekommen keine Entlastung durch den Tunnel, sagt Wiesinger. 

Dass es aber nötig sei, den PKW-Verkehr zu reduzieren, streitet der ÖAMTC nicht ab. Am Stadtrand sei es aber schwer mit Öffis ein alternatives Angebot zu machen. Um Fahrgemeinschaften zu fördern, müsste es erlaubt werden mehr als fünf Cent pro Kilometer zu verlangen.

Worum es den Klimaaktivisten auf der Lobau-Baustelle geht

"Fridays fror Future"-Sprecherin Mirjam Hohl spricht mit PULS 24 Reporter Daniel Retschitzegger über die Forderungen der Blockierer der Lobau-Baustelle.

Als "sehr enttäuschend" bezeichnet Sebastian Obrecht, ARBÖ-Pressesprecher, die Entscheidung von Umweltministerin Leonore Gewessler. Im PULS 24 Interview kritisiert er, dass die Evaluierung nicht transparent gewesen sei und die Betrachtung zu einseitig sei. "Natürlich wird der Verkehr steigen", meint Obrecht. Dies läge aber am Stadtausbau, als am Straßenbau.

PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros spricht mit dem Pressesprecher des Arbö Sebastian Obrecht.

Quelle: Redaktion / koa