Der Iran möchte laut Trump einen Deal
"Sie wollen einen Deal machen. Das weiß ich. Sie haben mehrfach angerufen. Sie wollen reden", fügte der US-Präsident hinzu. Eine Flotte von Kriegsschiffen samt dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" ist unterdessen in der Region angekommen, wie das Regionalkommando des US-Militärs CENTCOM mitteilte. Nähere Angaben zur genauen Position des Schiffsverbunds gab es nicht. Trump hatte ein militärisches Eingreifen seines Landes im Iran wegen der Tötung Tausender Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten in der Islamischen Republik zuletzt nicht ausgeschlossen.
Die Proteste im Iran hatten am 28. Dezember begonnen. Sie entzündeten sich an der schlechten Wirtschaftslage, weiteten sich aber rasch zu einer Massenbewegung gegen die religiöse und politische Führung der Islamischen Republik aus. Die iranischen Behörden meldeten vergangene Woche insgesamt 3.117 Tote bei den Protesten. Darunter seien überwiegend Angehörige der Sicherheitskräfte und unschuldige Passanten, die von "Randalierern" getötet worden seien, hieß es. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete unterdessen 6.126 bestätigte Todesopfer im Iran, unter ihnen 5.777 Protestierende. Zusätzlich prüft HRANA nach eigenen Angaben 17.091 weitere mutmaßliche Fälle. Zudem sollen 11.009 weitere Menschen schwer verletzt worden sein. Nach Angaben der Aktivisten haben Sicherheitskräfte 41.880 Menschen festgenommen.
Die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) spricht von 3.428 Demonstrierenden, die nachweislich von iranischen Sicherheitskräften getötet worden seien. Die Dunkelziffer sei jedoch deutlich höher und könne bei bis zu 25.000 Toten liegen. Am Wochenende berichtete der persischsprachige Auslandssender Iran International unter Berufung auf Berichte, Dokumente und Zeugen, dass zwischen dem 8. und 9. Jänner mehr als 36.500 Iraner von Sicherheitskräften getötet worden seien. Alle Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
In einem Interview mit dem Nachrichtenportal "Politico" hatte sich Trump kürzlich für einen Regierungswechsel im Iran ausgesprochen: "Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen." Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei hatte Trump zuvor für die Proteste verantwortlich gemacht und als "Verbrecher" bezeichnet. Amerika müsse zur Verantwortung gezogen werden.
Irans Präsident Massoud Pezeshkian erklärte, jede Aggression gegen Khamenei wäre gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation. Das US-Außenministerium warnte daraufhin den Iran vor Angriffen auf US-Stützpunkte und kündigte für diesen Fall eine entschlossene Reaktion an.
Iran: Beobachten die Bewegungen der Feinde
"Ich würde es vorziehen, wenn nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau", sagte Trump über den Iran. Eine Reaktion aus dem Iran folgte prompt. "Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran beobachten die Bewegungen der Feinde", sagte ein hochrangiger Militärvertreter im zentralen Einsatzkommando dem staatlichen Rundfunk. Die Anwesenheit "fremder Kräfte" im maritimen Umfeld verwandle sie in "leicht erreichbare Ziele", hieß es weiter.
Das Außenministerium in Teheran warnte vor den regionalen Auswirkungen einer Eskalation. "Unsicherheit ist ansteckend, und daher besteht unter den Ländern der Region eine gemeinsame Sorge", sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai. "Wir werden stärker denn je auf jede Form der Aggression gegen Iran mit einer umfassenden und schmerzhaften Antwort reagieren."
Bericht: Trumps Entscheidung noch offen
Nach Informationen von "Axios" hat Trump noch keine Entscheidung zum weiteren Vorgehen getroffen. Er werde wahrscheinlich diese Woche weitere Konsultationen abhalten und von seinen Sicherheitsberatern zusätzliche militärische Optionen vorgelegt bekommen, zitierte das Nachrichtenportal Quellen, die mit der Situation vertraut seien.
Mit dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und den ihn begleitenden Kriegsschiffen erhalte Trump zusätzliche Offensiv- und Defensivmöglichkeiten für den Fall, dass er sich für einen Angriff auf den Iran entscheiden sollte, berichtete das "Wall Street Journal". Drei Zerstörer in Begleitung des Flugzeugträgers könnten Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern, zitierte die Zeitung einen Verteidigungsbeamten. Zudem verfügten die USA über zusätzliche Kampfflugzeuge vom Typ F-35C und F-18 sowie über EA-18 Growler-Flugzeuge für die elektronische Kriegsführung, hieß es weiter.
Ferner hätten die USA zwei weitere Zerstörer in der Nähe der Straße von Hormus stationiert. Laut dem Verteidigungsbeamten seien außerdem drei Kampfschiffe im Persischen Golf im Einsatz. Überdies hätten die USA F-15E-Kampfflugzeuge auf einem Stützpunkt in Jordanien und verlegten Luftabwehrsysteme in die Region, um US-Einrichtungen und Partner vor möglichen iranischen Gegenangriffen zu schützen, berichtete die US-Zeitung unter Berufung auf Flugverfolgungsdaten und Angaben zweier US-Beamter.
Zusammenfassung
- US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe mehrfach Kontakt aufgenommen und wolle einen Deal mit den USA, während eine große US-Kriegsflotte, darunter der Flugzeugträger 'USS Abraham Lincoln', in der Region stationiert ist.
- Trump schließt ein militärisches Eingreifen im Iran angesichts der Proteste und der vielen Todesopfer nicht aus und sprach sich für einen Regierungswechsel in Teheran aus.
- Irans Führung warnt vor einer Eskalation, sieht die US-Präsenz als Bedrohung und kündigt eine umfassende und schmerzhafte Antwort auf jede Aggression an.
- Die USA haben neben dem Flugzeugträger weitere Zerstörer, Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme in der Nähe der Straße von Hormus und in Jordanien stationiert, um auf mögliche Gegenangriffe vorbereitet zu sein.
