Akademikerball-Demos ohne Zwischenfälle, FPÖ-Politik am Ball
Ab 18 Uhr wurde ein Platzverbot am Heldenplatz in Kraft gesetzt, wie es seitens der Polizei hieß. Ziel war es wie jedes Jahr, Demonstranten und Ballbesucher voneinander fernzuhalten. Die Gegner des von Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer bezeichneten Events versammelten sich bereits am späteren Nachmittag am Startpunkt zweier Demonstrationszüge.
In der Innenstadt und Teilen der Innenstadt-Bezirke kam es zu Verkehrsbehinderungen und Umleitungen des Individualverkehrs. Die Wiener Polizei hatte bereits im Vorfeld empfohlen, den Bereich großräumig zu umfahren. Betroffen war auch der öffentliche Verkehr.
Die Kundgebungen verliefen "weitgehend ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle", gab die Polizei am Abend bekannt. Gegenüber der APA wurde lediglich von einem kleineren Handgemenge berichtet. Darüber hinaus gab es eine vorläufige Festnahme, da die Identität einer Person nicht festgestellt werden konnte.
Aufgerufen zu Protesten hatte neuerlich die Plattform "Offensive gegen Rechts". Unter dem Motto "Auf die Straße gegen Burschis & Faschos" zogen die Demonstranten nach 17 Uhr von der Hauptuni Wien über den Schottenring zur Wipplingerstraße, weiter über den Hohen Markt, die Rotenturmstraße bis zum Stephansplatz. Die Polizei gab keine Schätzung der Teilnehmerzahl bekannt, laut Beobachtern dürften rund eintausend Demonstranten bei dieser Kundgebung dabei gewesen sein.
Die zweite - "Budenbummel" genannte - Kundgebung sammelte sich ab ca. 17.45 Uhr beim Urban-Loritz-Platz und zog - vorbei an mehreren "Buden" von Burschenschaftern bis zum Grete-Rehor-Park am Schmerlingplatz.
Zahlreiche Polizeibeamte im Einsatz
Insgesamt standen am Freitag laut Exekutive mehrere hundert Polizisten aus Wien im Einsatz. Unterstützt wurden sie von Kolleginnen und Kollegen aus Niederösterreich.
FPÖ-Prominenz am Ball
Neben Nepp und Rosenkranz wurden u.a. Wiens FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss und der Wiener FPÖ-Landesparteisekretär Lukas Brucker am Ball gesichtet, ebenso der ehemalige blaue EU-Mandatar Andreas Mölzer und die frühere Europaabgeordnete und Ex-Stadträtin Ursula Stenzel (ÖVP/FPÖ).
Der Wiener Landtagsabgeordnete und Ballorganisator Udo Guggenbichler zeigte sich erfreut über den Zuspruch: Der Ball sei ausverkauft, sagte er zur APA.
Identitärer Sellner neuerlich zu Gast
Neuerlich am Ball gesichtet wurde auch der frühere Sprecher der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, der als Führungsfigur der Neuen Rechten nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland gilt. Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz stuft Sellner als "Leitfigur der "Identitären Bewegung" im gesamten deutschsprachigen Raum" ein.
Die deutsche AfD hatte im Februar alle Gliederungen der Partei dazu aufgefordert, auf Veranstaltungen mit Sellner zu verzichten. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Bundesvorstand um die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla laut den Nachrichtenagenturen dpa und AFP am vergangenen Montag in Berlin.
Proteste seit vielen Jahren
Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort.
Wie zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen.
Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten, auch heuer wurde eine solche Vorgangsweise gewählt. Worte zur Eröffnung sprach heuer aber auch der Wiener Landesparteichef Nepp, der sich dabei auf Dank ans Organisationsteam beschränkte und einen vergnüglichen Abend wünschte. Auf diesen verzichtete wie üblich FPÖ-Parteichef Herbert Kickl - er sei kein Ballgeher, hieß es neuerlich aus seinem Büro.
Scharfe Kritik an Teilnahme Rosenkranz
Kritik an der Teilnahme von Nationalratspräsident Rosenkranz war bereits am Vortag von SPÖ und Grünen gekommen: "Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen", sagte etwa SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz. Die FPÖ wies die Kritik zurück.
Zusammenfassung
- Der Akademikerball in der Wiener Hofburg wurde auch heuer wieder von Protesten begleitet, blieb jedoch ohne nennenswerte Zwischenfälle.
- Zwei Demonstrationszüge mit insgesamt rund 1.000 Teilnehmern laut Beobachtern zogen durch die Innenstadt, während ab 18 Uhr ein Platzverbot am Heldenplatz galt.
- Mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten aus Wien und Niederösterreich waren im Einsatz, es gab lediglich ein kleines Handgemenge und eine vorläufige Festnahme.
- Am von der FPÖ ausgerichteten Ball nahmen zahlreiche Parteifunktionäre teil, darunter Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und Wiens Landesparteichef Dominik Nepp; auch der frühere Identitären-Sprecher Martin Sellner war erneut Gast.
- Der Ball war ausverkauft, sorgte für Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt und wurde erneut von scharfer Kritik an der Teilnahme hochrangiger Politiker begleitet.
