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Corona-Welle stellt Hongkongs strenge Covid-Gesetze in Frage

10. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Am Mittwoch registrierte Hongkong zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie mehr als 1.000 Corona-Neuinfektionen. Ein besorgniserregender Meilenstein für die Behörden, die mit Nachdruck auf eine Null-Covid-Infektion drängen.

Honkong gilt als Stadt, die mitunter die strengsten Corona-Gesetze weltweit hat. So werden beispielsweise Corona-Positive sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Außerdem gelten strenge Regeln für Restaurantbesuche und gesellschaftliche Zusammenkünfte. 

Die aktuelle Corona-Welle bringt das bisherige System allerdings an seine Grenzen. So wird befürchtet, dass die zunehmenden Fälle das Gesundheitssystem überfordern könnten. Die Isolierstationen der Stadt sind bereits zu 90 Prozent ausgelastet und es wird erwartet, dass die Zahl der Fälle in den nächsten Tagen exponentiell ansteigen wird.

Hunderte Patienten warten auf Transport

Aktuell treten bereits erste Versorgungsengpässe auf. Lokale Zeitungen berichten, dass am Mittwochabend noch 200 bestätigte Patienten auf den Transport in ein Krankenhaus warteten. Auch wurde von einem Ansturm von positiv getesteten Personen auf die Unfall- und Notfallstationen berichtet. Die Gesundheitsbehörden sagen, dass die Patienten bis zu einigen Tagen auf ihre Aufnahme warten müssen.

Man geht davon aus, dass der jüngste Anstieg der Infektionen auf das Zusammentreffen von Großfamilien während des Mondneujahrs zurückzuführen ist.

Corona-Verschärfungen erwartet

Die Hongkonger Nachrichtenagentur "South China Morning Post" berichtet, dass die Behörden erwägen, asymptomatische Patienten in Hotels unterzubringen, um eine Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems zu vermeiden.

Es wird aber nicht erwartet, dass die Stadt von ihrer bisherigen Strategie abweichen wird, die darauf abzielt, das Virus in China zu eliminieren, anstatt mit ihm zu leben.

Ein Zeichen dafür ist die kürzlich von der Stadtverwaltung verordnete massenhafte Tötung von Hamstern aus einer Zoohandlung an, weil man eine Übertragung des Covid-Virus von Tieren auf Menschen befürchtete. Die Maßnahme rief den Unmut vieler Bewohner hervor. Außerdem dürfen sich nicht mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit versammeln, Restaurants sind geschlossen und dürfen nur noch zum Mitnehmen besucht werden, und Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen und Turnhallen wurden geschlossen.

Mittlerweile wird von einigen Experten Kritik an der Stadtpolitik geäußert. Die Kritiker befürchten, dass die anhaltenden Beschränkungen den Status der Stadt als asiatisches Finanzzentrum gefährden und kleinere Unternehmen in den Ruin treiben könnten. Das Ziel von Hongkongs "Null-Covid"-Politik - den Einwohnern eine quarantänefreie Reise auf das chinesische Festland zu ermöglichen - scheint ihm zufolge jedoch weiter entfernt denn je.

Quelle: Redaktion / apb