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Corona-Ausgangssperre in Shanghai: Angst vor dem Hunger

08. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Rund 26 Millionen Menschen in Shanghai sind im Lockdown. Aus Angst vor Lebensmittelengpässen regt sich offenbar Unmut über die Null-Covid-Strategie der Regierung. Diese gibt nicht nach und setzt dabei auch auf elektronische Helfer.

"Shanghai trennt erkrankte Babys und Kleinkinder von ihren Eltern", "Roboterhund als Lockdown-Helfer", "Chinas Militär soll alle 26 Millionen Einwohner Shanghais" testen. Die Schlagzeilen aus der "Geisterstadt" Shanghai sorgen weltweit für Empörung über Chinas strikte Corona-Politik.

In der schlimmsten Corona-Welle in China seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren steigt die Zahl der Infektionen weiter rasant. Die Gesundheitskommission in Peking meldete am Freitag mit mehr als 24.000 Fällen landesweit einen Höchststand. Die Mehrheit sind allerdings asymptomatische Fälle. Wegen der strikten Null-Covid-Politik in China gelten dennoch weiträumige Ausgangssperren in den Metropolen Shanghai, Changchun und Shenyang, in denen insgesamt rund 38 Millionen Einwohner leben. Seit Anfang März wurden in Shanghai mehr als 130.000 Infektionen gezählt.

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Die Straßen Shanghais sind nahezu menschenleer. Wer zum Arbeiten raus muss, muss Schutzkleidung tragen.

Große Empörung löste zuletzt die Praxis aus, dass kleine Kinder von ihren Eltern getrennt werden, was in China lebende ausländische Familien auch sehr beunruhigt. Nach den Protesten kündigte die Stadtregierung von Shanghai am Mittwoch an, dass dort nicht infizierte Eltern beantragen könnten, Kinder, die besondere Unterstützung bräuchten, in die Isolation begleiten zu dürfen. Unklar blieb aber, ob sich die Regelung nur auf Kinder beschränkt, die spezielle Betreuung brauchen.

"Shanghai ist in einer Art Ausnahmezustand"

"Es gibt hier sehr viel Unsicherheit", sagt auch die Vorsitzende des örtlichen Verbandes der EU-Handelskammer in China, Bettina Schön-Behanzin. "Wir fordern ganz klar, dass Minderjährige mit ihren Eltern zuhause in Selbstquarantäne gehen können, um ihr körperliches und geistiges Wohlergehen zu garantieren." Schon bei der Einreise hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt Fälle von positiv getesteten ausländischen Kindern gegeben, die ins Krankenhaus kamen, ohne ihre Eltern dabei haben zu können oder die Sprache zu sprechen. Es wurde von "traumatischen Erfahrungen" berichtet.

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Die Regierung zieht Isolationszentren hoch.

In Shanghai, wo die Ausgangssperre auf unbestimmte Zeit verlängert wurde, testeten die Behörden die 26 Millionen Einwohner am Mittwoch ein weiteres Mal. "Shanghai ist in einer Art Ausnahmezustand", erklärte Schön-Behanzin.

Die Metropole habe sich in eine "Geisterstadt" verwandelt. Die Bevölkerung hätte Sorgen, ob eines Mangels an Versorgung, endlosen Lockdowns und "der wirklich großen Gefahr, in eines der zentralen Quarantäne-Lager geschickt zu werden."

Quarantäne in Messehallen

In China wird jeder, der positiv getestet wird, in eine zentrale Quarantäneeinrichtung gebracht. Außer den Messehallen in Pudong, wo 15.000 Menschen untergebracht werden können, soll jetzt auch das nationale Ausstellungszentrum zu einem provisorischen Lager für weitere 40.000 Menschen eingerichtet werden. In den Einrichtungen soll es zu Auseinandersetzungen wegen knapper Lebensmittel gekommen sein.

Roboter-Hunde und Drohnen

Sogar Roboter-Hunde verkündeten den Lockdown und weisen via Lautsprecher auf die Hygieneregeln hin. Wie lange der Lockdown noch dauern wird, will die chinesische Führung nicht mitteilen - in der Bevölkerung macht sich Unmut und Angst vor Lebensmittelengpässen breit. Gegen Proteste lässt die Polizei dann aber schon mal Drohnen anfliegen.

Europäische Unternehmen in China zeigen sich unterdessen ebenfalls besorgt über die Einschränkungen. Vor dem Hintergrund der Lockdowns in der Hafenstadt Shanghai und im Nordosten in der Provinz Jilin sowie der Stadt Shenyang klagen Vertreter der EU-Handelskammer über Unberechenbarkeiten, unterbrochene Lieferketten, Transportprobleme, hohe Frachtkosten, Reisebeschränkungen und den Mangel an ausländischen Fachkräften.

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa