APA - Austria Presse Agentur

Conte fordert von Italienern weitere "Opfer" - Protest

26. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Der italienische Premier Giuseppe Conte hat bei einer Pressekonferenz am Sonntag weitere restriktive Maßnahmen vorgestellt, die seine Regierung zur Eingrenzung der Coronavirus-Pandemie ergreifen wird.

Die Italiener werden aufgefordert, möglichst nicht rauszugehen und die Kontakte zu Hause mit Personen außerhalb der eigenen Familie einzuschränken. Fernunterricht wird in Schulen ausgebaut. Kinos, Theater, Spielhallen, Clubs, Sportstätten und Schwimmbäder werden dichtgemacht.

Von Montag an müssen Bars und Restaurants ab 18.00 Uhr schließen. Maximal vier Personen dürfen an einem Tisch in Lokalen sitzen. Take-Away Dienste sind weiterhin vorgesehen. Die Maßnahmen gelten bis zum 24. November. "Wir fordern von den Italienern weitere Opfer, um einen gesamtstaatlichen Lockdown zu vermeiden", kündigte Conte an.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen seien Maßnahmen notwendig, um die Pandemiekurve unter Kontrolle zu bringen und das Gesundheitssystem nicht zu stark zu belasten. "Das Land kann sich einen weiteren Lockdown nicht erlauben. Wir müssen sowohl die Bedürfnisse der öffentlichen Gesundheit als auch jene der Wirtschaft berücksichtigen", erklärte der parteilose Regierungschef.

Immer mehr Proteste

In Italien mehren sich indes Protestdemonstrationen gegen die von der Regierung neu beschlossenen restriktiven Maßnahmen. Von Nord- bis Süditalien: Immer mehr Bürger gehen auf die Straße, um gegen die neuen Sicherheitsvorkehrungen zu protestieren, am Montag in Kraft getreten sind.

Eine Gruppe schwarz gekleideter Personen versammelte sich am Sonntagabend vor dem Sitz der Region Lombardei in Mailand und protestierte gegen die Sicherheitsvorkehrungen. Zu ähnlichen Demonstration kam es auch in Neapel. In Catania wurden Knallkörper gegen den Polizeisitz geworfen. Im sizilianischen Syrakus demonstrierten hunderte Menschen gegen die Schließung der Lokale um 18.00 Uhr, sowie gegen die komplette Sperre von Kinos, Theatern, Sportzentren und Schwimmhallen.

"Neapel ist ein Pulverfass"

Nachdem es am Wochenende zu gewaltsamen Protesten in Rom und Neapel gekommen war, warnte der neapolitanische Bürgermeister Luigi De Magistris vor weiteren Ausschreitungen. "Neapel ist ein Pulverfass", warnte der Stadtchef. Er verurteilte die gewaltsamen Proteste am Freitagabend, die in Angriffe auf die Sicherheitskräfte ausgeartet sind. "Unter den Demonstranten befanden sich nicht nur Gewalttätige, sondern auch tausende Menschen, die friedlich gegen die nächtliche Ausgangssperre demonstrierten, darunter Jugendliche, Studenten und Kaufleute", sagte De Magistris im Interview mit dem TV-Kanal "La7" am Sonntagabend. Demonstrationen sind am Montag auch in den norditalienischen Städten Vicenza und Treviso geplant.

Der Regierungschef verurteilte die gewaltsamen Protesten in Neapel und Rom. Gewalt sei nicht tolerierbar. Er warnte vor Unterwanderung von Demonstranten durch rechtsradikale Gruppen.

Die Zahl der Corona-Infektionen in Italien ist am Samstag leicht gestiegen. 19.644 Neuansteckungen wurden am Samstag registriert, am Freitag waren es noch 19.143 Fälle gewesen. Außerdem wurden 151 Todesopfer vermeldet, am Vortag waren es 91. Die Zahl der Toten in Italien mit oder an Covid-19 seit Beginn der Pandemie im Februar stieg auf 37.210. Innerhalb eines Tages wurden 177.000 Tests durchgeführt.

Quelle: Agenturen