APA - Austria Presse Agentur

Chatnachrichten: Boris Johnson soll Mittel für Luxuswohnung erhalten haben

07. Jan 2022 · Lesedauer 2 min

Am Freitag sah sich der konservative Politiker Boris Johnson Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, nachdem am Vortag ein Austausch von WhatsApp-Nachrichten zwischen ihm und dem wohlhabenden Parteispender David Brownlow veröffentlicht worden war.

Die Serie an Enthüllungen über mögliches Fehlverhalten des britischen Premierministers Boris Johnson reißt auch im neuen Jahr nicht ab. Johnson hatte in den Textnachrichten vom November 2020 um die Freigabe finanzieller Mittel für die Luxus-Renovierung seiner Dienstwohnung in der Londoner Downing Street gebeten.  "Ich fürchte, Teile unsere Wohnung sind noch immer ein bisschen eine Halde", schreib Johnson dem Unternehmer, der auch für die Konservativen im Oberhaus sitzt. Im Gegenzug, so scheint es, versprach er ein von dem Unternehmer favorisiertes Projekt voranzubringen - eine Großveranstaltung mit dem Titel "Great Exhibition 2.0". Nur Wochen später traf sich der damalige Kulturminister Oliver Dowden mit Brownlow, um darüber zu sprechen.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Veröffentlichung einer Reihe von WhatsApp-Nachrichten zwischen Johnson und dem wohlhabenden Parteispender David Brownlow.

"Es sieht so aus, als habe Lord Brownlow Zugang zum Premierminister und zum Kulturminister gehabt, weil er für dessen Luxusrenovierung bezahlt hat. Es ist ziemlich unglaubwürdig, dass Boris Johnson nicht wusste, wer für die Luxus-Renovierung der Wohnung zahlte. Wenn das so ist, handelt es sich schlicht und ergreifend um Korruption", sagte die Vize-Chefin der oppositionellen Labour-Partei Angela Rayner.

Dienstwohnung umgebaut

Johnson hatte seine Dienstwohnung Berichten zufolge für rund 112.000 Pfund (rund 134.000 Euro) renovieren lassen. Britische Regierungschefs dürfen jährlich aber nur bis zu 30.000 Pfund (36.000 Euro) an öffentlichen Geldern für Renovierungsarbeiten beanspruchen. Johnson hatte Brownlow daher mit der Gründung einer Stiftung beauftragt, die für die Finanzierung aufkommen sollte, doch die Pläne zerschlugen sich.

Wer genau den Luxusumbau bezahlt hat, war bereits Inhalt mehrerer Untersuchungen. Die britische Wahlkommission verhängte wegen einer nicht ordnungsgemäß deklarierten Parteispende von Brownlow eine Strafe von 20.000 Pfund gegen die Tory-Partei.

Eine interne Untersuchung hatte Johnson zuvor bescheinigt, zwar unklug, aber nicht in Widerspruch zum Verhaltenskodex für Minister gehandelt zu haben. Der Premier handelte sich aber nachträglich eine Rüge ein, weil er die WhatsApp-Nachrichten nicht zur Verfügung gestellt hatte. Deren Existenz kam erst durch die Untersuchung der Wahlkommission ans Tageslicht. Ihr Inhalt ist brisanter als gedacht.

Quelle: Agenturen / koa