Caritas warnt vor humanitärem Kollaps im Libanon
Viele Familien hätten ihre Häuser innerhalb weniger Stunden verlassen müssen und seien nun auf Notunterkünfte und internationale Hilfe angewiesen; Knapp sprach von einer "akuten humanitären Katastrophe".
Der Caritas-Generalsekretär besuchte am Montag eine öffentliche Notunterkunft in der libanesischen Hauptstadt. Untergebracht sind dort Vertriebene in einer Tourismusschule, die von der Regierung kurzfristig als Sammelunterkunft zur Verfügung gestellt wurde. "Es fehlt am Nötigsten: Matratzen, Nahrung, Hygieneartikel und medizinische Versorgung", sagte Knapp. Die Situation verändere sich täglich, immer wieder kämen neue Menschen an.
Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen befinden sich rund 20 Prozent der jüngst Geflüchteten in öffentlichen Notunterkünften wie Schulen, Gesundheitszentren oder anderen staatlichen Gebäuden. Etwa 80 Prozent seien vorübergehend bei Verwandten, in Hotels oder privaten Haushalten untergekommen. Viele der Betroffenen seien ohne jede Vorbereitung geflohen. Teilweise hätten sie nur mitnehmen können, was sie gerade bei sich hatten. "Die Menschen mussten von einem Moment auf den anderen ihre Häuser verlassen", sagte Knapp. Wie lange die Krise dauern werde, sei derzeit völlig unklar.
Sorge vor Kollaps - Enorme Krise schon während Gaza-Krieg
Lokale Hilfsorganisationen leisten nach Angaben des Caritas-Auslandschefs bereits enorme Arbeit. Neben der Caritas Libanon ist auch die Organisation Amel stark in der Versorgung der Geflüchteten engagiert. Gleichzeitig wachse die Sorge, dass die vorhandenen Ressourcen bald nicht mehr ausreichen könnten. "Das Ausmaß dieser Krise ist so groß, dass lokale Organisationen das nicht alleine bewältigen können", sagte Knapp. Es brauche dringend zusätzliche internationale Hilfe.
Die Hilfswerke befürchten, dass die Zahl der Vertriebenen weiter steigen könnte. Schätzungen zufolge könnten in den kommenden Wochen bis zu einer Million Menschen im zuletzt schon während des Gaza-Kriegs Israels gegen die militante Palästinenserorganisation Hamas von Herbst 2023 bis Herbst 2025 schwer gebeutelten Libanon auf der Flucht sein.
Die Sicherheitslage in Beirut bleibt laut Knapp angespannt. Auch in der Nacht auf Montag seien in der Stadt Explosionen zu hören gewesen. "Für die Menschen, die hier leben oder Zuflucht suchen, bedeutet das eine enorme psychische Belastung." Viele Familien hätten in den vergangenen Jahren schon mehrere Krisen erlebt. Besonders belastend sei für viele die Nachricht, dass ihre Häuser oder Lebensgrundlagen zerstört worden seien. Betroffene berichteten von verbrannten Olivenhainen, zerstörten Werkstätten oder beschädigten Betrieben. "Viele Menschen wissen im Moment nicht, wovon sie künftig leben sollen", sagte Knapp.
(S E R V I C E - Spenden für die Caritas-Hilfe im Libanon: Caritas Österreich, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Nahost bzw. online unter www.caritas.at/nahost-konflikt)
Zusammenfassung
- Mehr als 500.000 Menschen sind laut Caritas Österreich bereits vor den Kriegshandlungen zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon auf der Flucht.
- Rund 20 Prozent der Geflüchteten leben derzeit in öffentlichen Notunterkünften, während etwa 80 Prozent privat untergekommen sind, wobei es an Matratzen, Nahrung und medizinischer Versorgung fehlt.
- Hilfsorganisationen warnen vor einem humanitären Kollaps und schätzen, dass die Zahl der Vertriebenen in den kommenden Wochen auf bis zu eine Million steigen könnte.
