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Bürgermeisterinnen fordern mehr Frauen im Amt

Heute, 17:56 · Lesedauer 4 min

Bürgermeisterinnen aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Südtirol haben am Donnerstag mehr weibliche Partizipation in der Kommunalpolitik gefordert. Denn noch immer seien Frauen in kommunalen Entscheidungspositionen "deutlich unterrepräsentiert", hieß es anlässlich der Bürgermeisterinnenkonferenz in Wien. Man müsse für mehr Sichtbarkeit der Frauen sorgen und Argumente vorbringen, um mehr Frauen in die Politik zu bringen, sagte Gemeindebund-Vizepräsidentin Daniela Kampfl.

Für "mehr Sichtbarkeit" werde man "auf jeden Fall in den nächsten zwei Tagen" sorgen, sagte Kampfl am Donnerstag zum Start der zweitägigen Tagung. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vizepräsidentin des Südtiroler Gemeindenverbandes, Cristina Pallanch, der Schweizer Alt-Kantonsratspräsidentin und Alt-Gemeindepräsidentin von Lütisburg, Imelda Stadler, sowie Kathrin Alte, Bürgermeisterin des deutschen Anzing, wies sie darauf hin, dass Frauen auch "anders" Politik machen würden.

So verwies Kampfl u.a. auf die aktuelle Weltlage, auch diese könne als Argument dienen, mehr Frauen in die Politik zu bringen. Man müsse sich die Frage stellen, wie die Weltlage dann aussehen würde. Ihre These: "Dann wäre die Welt eine friedlichere." Auch Studien würden zeigen, dass Frauen vermehrt auf den politischen Dialog setzen und "Brücken bauen statt Gräben vertiefen" würden. "Wenn wir mehr Frauen in der Politik hätten, dann würden Entscheidungen anders getroffen werden", sagte sie.

Für eine funktionierende Demokratie sei eine gerechte politische Repräsentation aller Geschlechter "unerlässlich", erklärten die Podiumsteilnehmer unisono. Die Bürgermeisterinnen verwiesen in einer Pressemitteilung darauf, dass in allen vier Ländern der Anteil der Frauen in kommunalen Führungspositionen nur zwischen 11 und 19 Prozent liegt. In Südtirol sind es demnach knapp 14 Prozent, in der Schweiz 19 Prozent, in Deutschland 13,5 Prozent und in Österreich nur 11,6 Prozent.

Man wisse, dass es noch viel zu tun gibt, hieß es. Es liege an allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, junge und engagierte Frauen für den kommunalpolitischen Weg zu ermutigen.

Studie: Frauen in Kommunalpolitik stärker belastet

Im Vorfeld der Konferenz wurde von der Fachhochschule Kärnten unter Leitung von Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle im Auftrag des Österreichischen Gemeindebundes eine Umfrage unter Kommunalpolitikerinnen und -politikern durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Geschlechterunterschiede. Frauen in der Kommunalpolitik würden höhere Belastungen, mehr Kritik und strukturelle Hürden erleben. Dies schlage sich auch in ihrer geringeren Repräsentation und niedrigeren Ambition für Spitzenämter nieder.

Während demokratische Grundwerte insgesamt breit geteilt werden, würden Frauen stärker die Bedeutung von Beteiligung betonen und häufiger den politischen Umgangston kritisieren. "Der Anteil an Bürgermeisterinnen steigt langsam. Viel schneller sinkt allerdings das Bewusstsein für die Hürden für Frauen in diesem Amt. Maßnahmen wie direkte Ansprache und Unterstützung von interessierten Frauen bleiben also wichtig, vor allem im Hinblick auf die geringe Bereitschaft der Vizebürgermeisterinnen, das Amt der Gemeindechefin anzustreben", so Stainer-Hämmerle.

Aktuell 243 Bürgermeisterinnen in Österreich

In Österreich gibt es derzeit 243 Bürgermeisterinnen (knapp 12 Prozent, Anm.), verwies der Gemeindebund auf die Datenlage. Die meisten weiblichen Bürgermeister gibt es in Niederösterreich (95), gefolgt von Oberösterreich (51), der Steiermark (26) und Tirol (21). Im Burgenland gibt es aktuell 17, in Salzburg 14, in Kärnten zehn und in Vorarlberg neun Bürgermeisterinnen. Betrachtet man die Gesamtzahl der Kommunalpolitikerinnen in Österreich, so liegt der Frauenanteil bei knapp einem Drittel (rund 27 Prozent). Derzeit gibt es rund 560 Vizebürgermeisterinnen und rund 10.600 Mandatarinnen (von insgesamt rund 39.500) in den 2.092 Gemeinden in ganz Österreich.

Die Konferenz wird vom Österreichischen Gemeindebund zum fünften Mal in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Schweizerischen Gemeindeverband sowie erstmals dem Südtiroler Gemeindenverband organisiert - mit Unterstützung der Präsidentschaftskanzlei Österreich und des Bundespräsidialamts Deutschland.

Zusammenfassung
  • In Österreich gibt es aktuell 243 Bürgermeisterinnen (11,6 Prozent), der Frauenanteil bei Kommunalpolitikerinnen liegt bei rund 27 Prozent und die meisten Bürgermeisterinnen sind in Niederösterreich (95) zu finden.