Bürgermeister von Melitopol im Exklusiv-Interview: "Sie haben überlegt, mich zu töten"

30. März 2022 · Lesedauer 3 min

Der Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol, Iwan Fedorow, ist am Mittwoch vom Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Rathaus empfangen worden. PULS 24 gab der Bürgermeister, der von Russland entführt worden war, ein exklusives Interview.

"Es war eine gefährliche Erfahrung", sagt Iwan Fedorow Bürgermeister der urkainischen Stadt Melitopol heute im PULS 24 Interview über seine Gefangenschaft. Sieben Tage lang soll er sich in russischem Gewahrsam befunden haben. "Ich wusste nicht, was am nächsten Tag, in der nächsten Stunde, in der nächsten Minute passieren wird", beschreibt er diese Zeit. 

Dennoch betont er, dass die aktuelle Situation für viele Kollegen noch gefährlicher wäre: 29 Abgeordnete, Vizebürgermeister oder Bürgermeister seien ebenfalls entführt worden. Man wisse noch nicht, wann sie freigelassen werden würden und wie es ihnen geht.

"Man muss die Ukraine nicht befreien"

Fragt man den Bürgermeister heute nach dem Grund für seine Entführung, antwortet er, dass Russland geplant hatte, den Krieg in drei Tagen zu gewinnen. "Aber das ist unmöglich", so Fedorow. Russland hätte erwartet, dass man sie in der Ukraine und in Melitopol willkommen heiße, doch "das ist nicht möglich". Russland würde Bürgermeister finden wollen, die sagen, dass man sich Russland anschließen wolle, doch niemand würde das tun. Die Russen hätten nicht mit dem Protest der Ukrainer gerechnet, deswegen sei er entführt worden, um den Protest zu brechen. Doch das sei nicht gelungen, die Ukrainer wollen "in Unabhängigkeit" leben. 

Mayor of Melitopol: "I didn't understand what will happen next day"

95 Prozent der Einwohner von Melitopol würden Russisch sprechen, aber sie würden in der europäischen Ukraine leben wollen. "Wir haben kein Problem mit der russischen Sprache, wir haben kein Problem mit aggressiven Nationalisten", sagt der Bürgermeister - man müsse die Ukraine nicht befreien, "wir sind frei". Das hätte er auch den Soldaten erklärt, man habe ihn aber nicht verstanden. 

Er sei selbst nicht gefoltert worden, es sei aber ein psychischer Druck gewesen, weil er gewusst habe, dass Folter möglich wäre. Er hatte Angst, dass er getötet werden könnte. Und sie hätten überlegt, ihn zu töten.

"Ich kenne die Situation in der Ukraine"

Er sei nun am Mittwoch nach Wien gekommen, um der "russischen Propaganda" entgegenzutreten. "Ich kenne die echte Situation in der Ukraine" - er möchte "realistische Informationen" in Europa verbreiten. Die europäische Union müsse verstehen, dass das kein Krieg zwischen der Ukraine und Russland sei, es handle sich um einen Krieg zwischen zwischen Russland und der "zivilisierten Welt". Wenn Putin in der Ukraine gewinnen würde, würde er europäische Länder angreifen.

Am Freitag werde er wieder in die Ukraine zurückkehren. Nach Melitopol könne er aber nicht. Die Stadt sei von Russland eingenommen worden, das sei zu gefährlich. 

Quelle: Redaktion