Bürgerforum zu Impfplan: "Stimmt das oder war das nur Showpolitik?"

01. März 2021 · Lesedauer 4 min

Beim Bürgerforum zum Thema Impfen und Impfplan hatten die PULS 24 Zuseher sehr konkrete Fragen zu Impfstoffen und Impfplan.

Bei Politik-Chefreporterin Manuela Raidl im PULS 24 Bürgerforum zu Gast waren am Montag Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), die Präsidentin des Verbands der Impfstoffhersteller Renée Gallo-Daniel und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger. Besonders viele Fragen gab es zum Thema Impfen.

Gleich zu Beginn wurde diskutiert, ob es Freiheiten für Geimpfte oder Benachteiligungen für Impfverweigerer geben solle. Gesundheitsstadrat Hacker sagte, Freiheiten für Geimpfte würden auf jeden Fall kommen. Als konkretes Beispiel nannte er Altenheime: Personen, die geimpft sind, können dort Besuche empfangen, weil das Risiko, sich anzustecken und das Virus weiterzugeben dementsprechend reduziert ist. Für Freiheiten für Geimpfte sei er immer zu haben, nur bei Verboten für nicht Geimpfte sei er sehr vorsichtig, erklärte Hacker.

Freie Wahl beim Impfstoff "wenn die Kühlkästen voll sind"

"Warum kann ich mir meinen Impfstoff nicht aussuchen?", möchte eine andere Zuseherin wissen. Das sei aktuell "logistisch undenkbar", sagte Gesundheitsstadtrat Hacker. Zum einen habe man aktuell ohnehin viel zu wenig Impfstoff um da wählerisch zu sein. Zum anderen gebe es bei den unterschiedlichen Impfstoffen auch verschiedene logistische Anforderungen an Lagerung und Verabreichung.

Über eine Auswahl beim Impfstoff könne man gerne diskutieren, "wenn die Kühlkästen voll mit Impfstoff sind", so Hacker, und das werde früher oder später auch möglich sein. Zu diesem Zeitpunkt werde das dann aber ohnehin egal sein, prophezeite er. Denn bis dahin werde klar sein, dass die EU nur erstklassige und hoch wirksame Impfstoffe zugelassen hat.

"Wann werde ich geimpft?"

Den Zeitplan der Impfungen thematisierte eine 63-jährige Zuseherin aus Wien. Sie und ihr Mann, der 75 Jahre alt und in der Risikogruppe ist, haben sich bereits Mitte Jänner bei der Impfplattform in Wien angemeldet, aber bisher noch keinen Impftermin erhalten.

Der Gesundheitsstadtrat erklärte, dies habe mit der Diskussion rund um die Zulassung von AstraZeneca für Über-65-Jährige zu tun. Die Impfung der Gruppe der Über-75-Jährigen sei aktuell konkret für April geplant. Im März würde die Gruppe der 80-Jährigen aufwärts geimpft. Man werde sich streng an die Altersvorgaben halten, so dass es auch dazu kommen kann, dass Ehepaare zu unterschiedlichen Zeiten geimpft werden, so Hacker.

Wien könne in den nächsten zwei Wochen im März 100.000 Impfungen verabreichen, dann wieder 100.000, versprach Hacker. Ab April stünden dann jede Woche 100.000 Impfstoffe zur Verfügung, so der Gesundheitsstadtrat weiter. Die 63-jährige Fragestellerin selbst werden vermutlich im Mai geimpft, so Hacker. Man habe derzeit nur für die nächsten vier Wochen präzise Angaben, deshalb sei er vorsichtig mit Prognosen über diese Zeit hinaus.

"Stimmt das oder ist das nur Showpolitik?"

Die 63-Jährige fragte auch gleich noch einmal zu einer Aussage von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nach. Dieser habe am Montag gesagt, dass im März bundesweit 30.000 Menschen pro Tag geimpft werden könnten und im April 45.000 pro Tag. Umgelegt auf Wien würde das bedeuten, dass 450.000 Menschen in Wien im März geimpft, rechnete sie vor und fragte: "Stimmt das oder war das wieder nur Showpolitik?"

Hacker wollte die Aussage von Kurz nicht kommentieren, da er sie nicht kenne, sagte er. Er könne nur von den aktuellen Planungen sprechen. "Was ich sagen, ist, dass ich in den nächsten zwei Wochen 100.000 Impfungen habe und in den zwei Wochen drauf wieder 100.000 Impfungen", so Hacker. Ab der ersten Aprilwoche habe man dann 100.000 Impfungen pro Woche zur Verfügung.

Impfstoff-Patente freigeben?

Eine weitere Frage drehte sich um die aktuellen Lieferengpässe bei Impfstoffen. Solle man nicht die Patente für die Impfstoffe freigeben und diese dann selbst produzieren? Renée Gallo-Daniel erklärte, dass die Patente alleine noch nichts bringen würden. Für die Herstellung brauche es zum Teil sehr spezialisierte Fertigungsanlagen für die unterschiedlichen Impfstoffe. Diese könnten nicht einfach so eingerichtet werden.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos